Am 19.09.2024 Do. um 09:10 schrieb Ulrich G. Kliegis:
Naja, meine Antwort bezog sich auf das 'lärmende' Smartphone.
J.J.
Am 19.09.2024 Do. um 09:10 schrieb Ulrich G. Kliegis:
Naja, meine Antwort bezog sich auf das 'lärmende' Smartphone.
J.J.
Am 19.09.24 um 08:53 schrieb Jürgen Jänicke:
Dann stimmt also irgendwas an dem Konzept noch nicht. Nee, also ich bin schon dankbar, wenn ich bei einer echten Gefahr rechtzeitig gewarnt werde.
Stell' dir nur mal vor, da kommt eine russische Rakete ... Nee, sollte ein Scherz sein. ;)
Am 19.09.2024 Do. um 09:40 schrieb Hartmut Kraus:
Ist doch gegeben. Man deaktiviert halt die Testalarme und läßt die 'echten' weiterhin zu.
J.J.
Ich glaube auch nicht, daß wir hier gerade diskutieren, es sei dem Mossad unmöglich, einen solchen großflächigen Anschlag (und das ist es ja wohl) zu verüben, denn das hieße die Realität leugnen. Es ging mehr um die Art, wie Olaf den - ich vermute: zumindest elektronischen Teil der Angelegenheit wie eine Lappalie darstellt.
Vorstellbar ist es natürlich, beim Start einer Trägerrakete [1] alle 27 Triebwerke zeitgleich zu zünden, mit dem Ding ein wenig herumzufliegen und relevante Teile hernach wieder in einem Stück auf dem Popo zu landen. In der Praxis jedoch...
... besorgt man sich erstmal so einen Gold Apollo AR-924, idealerweise vom Hersteller und idealerweise mit allen Fertigungsunterlagen incl. dokumentierter Firmware. Dazu ist es praktisch, wenn man eine einigermaßen glaubwürdige(?) ungarische Briefkastenfirma wie die BAC Consulting [2] auftun kann, die den Taiwanesen suggeriert, sie würde für den Libanon und Syrien exklusive Lizenzfertigungen des Pagers anstreben.
Also falls man mit dem Spruch "Ich will eigentlich nur eine Charge dieser Pager modden und in die Hisbollah einschleusen!" keine Pferde scheu machen will. Denn ein exportlastiges taiwanesisches Unternehmen für Telekommunikationsgeräte mit irgendwas um die 10MUSD Jahresgewinn will vielleicht auch nicht wegen einer israelischen Fehde seinen Mitarbeitern kündigen und bankrott gehen.
Dann hast Du alle Unterlagen auf dem Tisch liegen, mußt nur noch an 3000+ Exemplare dieses Pagers rankommen und dran rumfummeln, was bei diesem Spezialgerät, welches sicher nicht zu Millionen auf den Markt kommt, kaum auffallen dürfte. Oder Du stellst tatsächlich in Lizenz her, entsprechender Spritzguß des Gehäuses, Bauteilebeschaffung, Platinenfertigung, Bestückung, usw. bei den Kontakten des Mossad sicher auch trivial.
Was Olaf euphemistisch mit "die Firmware habe ich sowieso schon geklaut" beschreibt, setzt voraus, man käme trivial an den Speicher des Microcontrollers ran, was seltenst der Fall ist. Also die üblichen Exploits mit Glitching, Decapping, usw. Dann brauchst ein paar Software-Auskenner, die den Binärcode disassemblieren und verstehen (so sie nicht von Gold Apollo kommentierten Quellcode erhalten haben und selbst dann...), damit sie entsprechende Patches einbauen können, die im Regelbetrieb des Geräts nicht durch Performanceprobleme oder sonstiges Fehlverhalten auffallen. Die Kompetenz ist beim Mossad natürlich vorauszusetzen, wer Stuxnet entwickeln kann, kann auch das.
Dann schaut man sich an, wie man den Sprengstoff einigermaßen unauffällig plaziert. Wir waren uns ja schon einig, daß die 10Wh eines normalgroßen Li-Ion- oder Li-Po-Akkus eher nicht geeignet sind, irgendwelche Menschen oder deren Körperteile wegzusprengen. Da zischt es ein bißchen, schmilzt, wird heiß, vielleicht brennt es sogar - aber richtig Laune macht das nicht.
Ich kenne mich mit der Lithiumchemie nicht so recht aus, aber vielleicht kann man die Elektrolyte mit Sprengstoff pimpen, die verwendeten Lösungsmittel Ethylencarbonat, Propylencarbonat, Dimethylcarbonat, Diethylcarbonat oder 1,2- Dimethoxyethan [3] lassen sich vielleicht mit TNT versetzen und dem Akku so zu etwas mehr Temperament verhelfen, wenn er denn durchgehen sollte. Das könnte man
- dse-Auskenner vor! - vielleicht durch einen geeigneten Betrieb des ohnehin notwendigen Boost-Wandlers auslösen, z. B. indem man den MOSFET auf Dauerdurchgang schaltet und ordentlich Leistung in die Induktivität pumpt. Alldieweil diese Akkus schon ziemlich robust sind, sich regulär laden lassen und im Normalbetrieb unauffällig funktionieren müssen. Und bei dieser Vergewaltigung der Pager höchstwahrscheinlich ausgeht.
Oder man realisiert die in [4] geäußerte Hypothese mit der "Sprengstoffplatine", da hält man es für möglich - Zitat: "in die Pager wurden neben der Batterie kleine Mengen von Sprengstoff (25 bis 50 Gramm)" - in einem Gerät der Außenmaße
73x50x27mm³ (100cm³) einen Sprengstoffklumpen von 15 bis 30cm³ nebst Zünder unterzubringen. Ich habe als Dichte irgendwas um die 1.7g/cm³ vorausgesetzt, da geben sich die handelsüblichen Sprengstoffe nicht viel. Zur Erinnerung: Eine AAA-Rundzelle (wie im AL-924) hat ein Volumen von knapp 4cm³ und ein bisserl Kapa sollte ja auch noch übrigbleiben.Das alles möglichst unter Beibehaltung des Gewichts, denn soviel Grips, die Geräte mal zu wiegen und mit den 133g des Originals zu vergleichen, traue ich zumindest einem der 3'000 potentiellen Opfer schon zu, so dämlich der Rest auch sein mag.
Diese Platine wird dann maximal unauffällig an den infinitesimal großen Zünder (mit dem C4 im verkleinerten Lithiumakku) angeschlossen und natürlich an den Akku selbst, denn irgendwie willst Du ja die eingehenden Pagernachrichten mit Deiner eigenen, Ultra-Low-Power-Hardware mitlesen. Nachdem die der Microcontroller eher nicht via JTAG auf dem Silbertablett serviert, wirst Du Dich vielleicht ans LCD ranmachen müssen und decodieren, was so läuft.
Dann hast Du also Deinen Prototypen fertig und mußt das nur noch betriebssicher auf die 2'999 anderen Exemplare in OVP, mit Garantiesiegel usw. ausrollen - möglichst, ohne dabei selbst in die Luft zu fliegen - und die gepimpten Pager irgendwie zurück in die Lieferkette schleusen.
Herauszufinden, welche Pager sich tatsächlich in den Händen irgendwelcher Hisbollah-Missetäter befinden, ist dann mehr so eine kleine SIGINT-Fingerübung, wie auch die Logistik rings um das massenweise, zeitsynchrone, unauffällige Versenden der entsprechenden Botschaften [5].
Also, ja, eine sehr triviale Angelegenheit, kann praktisch jeder... ... innerhalb einer Minute hinschreiben.
Volker
[1]
Solche Warnungen will man nicht deaktivieren. Ich war angemessen überrascht, dass selbst das mit ausgeschaltetem WLAN, ohne SIM-Karte und ohne installierte Warn-App auf dem Tisch liegende Banking-Smartphone auf das Cell Broadcast reagiert und die Warnung ausgespuckt hat.
Ich finde das wichtig.
Grüße Marc
Ich vermute, dass der Unterschied im Gewicht der Hauptgrund für das "Sondermodell" (unter neuer Bezeichnung) war.
/ralph
Mal FULL ACK, ausnahmsweise. ;)
Testwarnungen brauche ich nicht zwingend.
Richtig. Aber es genügt mir wenn es mich bei 'echten' Warnungen benachrichtigt.
J.J.
Am 19.09.24 um 12:13 schrieb Jürgen Jänicke:
Und wenn die dann nicht funktionieren?
Du möchtest wissen ob Dein Endgerät funktioniert.
Und dann ist es kaputt.
Grüße Marc
Ach so. Seltsame Logik. Wenn es kaputt ist werde ich also gewarnt wenn ich die Testwarnungen deaktviert habe?
J.J.
Am 19.09.24 um 13:34 schrieb Jürgen Jänicke:
Quatsch. Aber gem. Murphy's Laws geht sowas immer kaputt, wenn man's mal dringend braucht. Sonst nie. ;)
Nein. Die Chemie der Li-Akkus ist ziemlich präzise eingestellt, der Versuch, da irgendwelche Sprengstoffe in den Elektrolyten reinzurühren dürfte im besten Fall zu einem nicht funktionierenden Akku führen. Und rein chemisch sind die Bedingungen dort drin auch nicht sehr freundlich aufgrund der Spannungen von 3..4.5V, da bleibt nicht viel stabil.
Wesentlich einfacher: Kleineren Akku finden, auf der richtigen Seite eine Lage Sprengstoff (plus Zünder) anbringen, dann so verpacken dass es wie der originale Akku aussieht.
"Kleine Menge" ist gut, ausgehend vom vermuteten PETN sind das 14..30 ml Volumen (also ein halbes Hühnerei am oberen Ende), den Platz muss man erstmal finden in so einem kleinen Gerät - ohne dass es auffällt. Wird vermutlich deutlich weniger gewesen sein, dafür sprechen auch die berichteten Effekte.
Eben, viel Volumen ist da nicht da, also eher wenig Sprengstoff.
Du überschätzt die technischen Fähigkeiten der typischen Terroristengruppe deutlich. Zur Einordnung: Der Bombenbauer (den Israel dann irgendwann liquidiert hat), der relativ zuverlässig den Piepser-Anschluss der Casio F-91W als Bombenzeitzünder einsetzen konnte _ohne_ sich selbst in die Luft zu jagen hatte den Beinamen "Der Ingenieur". Nun ja.
Zumal, woher weiss der geneigte Terrorist, das sein 'Original' _nicht_ vom gleichen Lieferant stammt wie die extra würzige Version?
Zu aufwendig. Ich tippe auf modifizierte Firmware - eine extra Platine da drin läuft wieder in das "kleines Gerät, nicht viel freies Volumen" Problem.
Und das ist die eigentlich Leistung, der supply-chain Angriff. Der Rest (Gerät extra würzig machen) fällt unter clevere Bastelei.
Man liest sich, Alex.
"Eckhard, die Russen kommen!"
SCNR, Alex.
Qualitätsmedien. Die Zeit, "AR-924 specifications" zu googeln [1] und einen kleinen Plausicheck zu fahren, war halt nicht. Übrigens sei das Gewicht nach dieser Quelle sogar nur 95g "including battery", was die allwissende Wikipedia schreibt [2] stimmt also nicht, oder der Hersteller hat gelogen. Das Feature "removable" stelle ich mir auch spaßig vor. Rundzelle mit drei Anschlüssen, an einem das Gefahrensymbol "E"? *LOL* Wenigstens Übereinstimmung bei den Abmaßen,
73x50x27mm³.
Mag sein. Fällt mir trotzdem schwer, Dummheit auf Four-Lions-Niveau zu unterstellen [3]. Aber mei. Mit ein bisserl Hilfestellung seitens der "Community" lernen die sicher schnell dazu.
Verstehe ich jetzt nicht. Auf der Firlar-Küchenwaage stehen 125g, statt 100g. Kleine orangerote Warnlampe leuchtet, Schraubendreher, Plektrum, o. Ä. her und dann schaumermal? Ich mein: Wenn ich als Hisbollah-Terrorist Terroristenequipment über irgendwelche zwielichtigen Kanäle orge, dann "wirds schon passen"?
Das nicht meine Idee, sondern die vom Guardian, die PC-Welt nachgeplappert hat. Firmwaremodding wäre mir auch lieber, brauchst halt Zugang zum Original, das Du Dir erhacken oder erpressen kannst. Die Fuses im (Blobchip?)-uC rücksetzbar, sonst mußt Du 3'000x entlöten und ersetzen. Idealerweise also Update per ISP und hoffentlich freien IO-Port mit dem Zünder verbinden.
Genaues weiß man (noch) nicht auf Amazon gibts nur den AP-700 [4]... ..., der mir selbst falls er intern baugleich wäre, mit 167€ zu teuer für irgendwelche Experimente ist.
Jup. Bin schon sehr auf das Gegackere bei den Sicherheitsbehörden gespannt, wie das den Usern als vertrauensbildende Maßnahme für tragbare Telekommunikationsgeräte taugt und was die Konsequenzen für das goldene Kalb "Flugsicherheit" sind. Wenn die Faeser nach einer Stecherei gleich mal ein deutschlandweites Obstmesserverbot raushaut, möchte ich wissen, welches hier die Konsequenzen sind. Oder ist Isreal/der Mossad unser Freund und Freunden tut man bekanntlich nichts, in Abwandlung des bekannte Merkel-Zitats [5]?
Volker
[1]
Die New York Times war besonders kreativ drauf und meldete was von "mehreren Unzen" ... wenn wir das in "4-5 Unzen" übersetzen dann sind dass 110..140g, das kommt an die Füllung der M67 Handgranate (180g) ran. Erstmal kriegt man diese Menge gar nicht in das kleine Volumen und zum anderen: Wenn soviel Sprengstoff direkt an der Person hochgeht, dann gibt das zahlreiche Verletzte im Nahbereich und einen ziemlich toten Pager-Träger.
Jede Batterie ist entfernbar. Manchmal kann man sie danach auch wieder einbauen und das Gerät wieder benutzen. ;-)
Ja. Weil die praktisch alles (ausser Fressalien) über zwielichtige Kanäle beschaffen. Wenn die bei Denel Land Systems anrufen mit "Hallo, Hisbollah hier, wir würden gern 10 Stück G7 samt Bedienerausbildung und Starterset Munition bestellen" ergibt sich daraus kaum eine Lieferung obwohl Hisbollah durchaus das Geld hätte. Also kommen Waffen und Munition zum erheblichen Teil aus dem Iran via dubiose Wege.
Da wird nichts passieren. Bisserl panischen Gegacker und sobal die nächste andere Sau durchs Dorf getrieben wird ist wieder Ruhe.
Klassischer Aktionismus: "Wir müssen gesehen werden das wir _etwas_ tun. Das ist etwas, also tun wir es."
Das obendrein.
Und die Löschdiskussion läuft auch schon, lustig zu lesen.
Um SecState Henry Stimson zu zitieren: "Gentlemen don't read each others mail." als er die Black Chamber zumachte - welch belustigende Naivität.
Man liest sich, Alex.
Ach was. "Du, da sitzen 200 Soldaten auf der Wiese und essen!" "Ja und?" "Sie essen mit Stäbchen!"
Am 19.09.24 um 22:08 schrieb Alexander Schreiber:
Jo, und jedes Schiff kann tauchen. Das U-Boot kann außerdem wieder auftauchen.
Das ist ja genau das was ich die ganze Zeit sage. .-)
Es gibt uebrigens noch ein weiteres interessantes Problem. Du hast ueber 1-2 (mehr) Monate einige Tausend Geraete unter Terroristen verteilt. Man wuerde es erwarten das wenigstens einer davon in der Zeit mal eine Flugreise unternommen hat und dabei das Geraet noch versehentlich(?) dabei hatte. Man sollte meinen das dies dann auffaellt.
Olaf
Da denke ich sind 2 Sachen nützlich:
Wenn jemand fliegt, dann wird er nicht ausgerechnet den von der Hisbollah ausgegebenen Pager mitnehmen (und auch sonst nix was auf eine Mitgliedschaft hindeuten könnte und verdächtig ist). Ich würde vermuten, dass man sowas bei der Terroristen-Grundschulung (oder was auch immer die machen) beigebracht bekommt. Natürlich kann der Terrorist dann immer noch bei der Kontrolle in Heathrow oder Frankfurt sagen: "Ja, das ist von der freiwilligen Feuerwehr Beirut", wenn man ihn findet.
Aber unverdächtiger beim Grenzpersonal macht es ihn nicht, und ich würde vermuten, dass man als Terrorist auch eher ungern ohne wichtigen Grund fliegt. Und Inlandsflüge im Libanon wird es nicht so richtig geben.
Und: Sprengstoffe werden oft aufgrund von absichtlich hinzugefügten Markerstoffen gefunden, die man hier natürlich nicht hinzufügt.
/ralph
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