Tankgeber

May 17, 2026 Last reply: 4 months ago 371 Replies

Lucius Annaeus Seneca wusste schon 50 n. Chr. Bedenkenträger und Prokrastinierer treffend zu beschreiben:

"Wer den Hafen nicht kennt, in den er segeln will, für den ist kein Wind der richtige."

Volker

Und wie so oft, pickst Du auch hier einzeln raus und ignorierst den Kontext. Wir haben das mit dem Bike-sharing Boom gesehen, wo in China in relativ kurzer Zeit buchstäblich Berge von Fahrrädern auf den Markt geworfen wurden, wir sehen das jetzt mit den Elektro-KFz. Wir haben das mit der hochgradig spekulativen Immobilienblase in China gesehen, wo in relativ kurzer Zeit ganze (leere) Städte aus dem Boden gestampft wurden - etwas, was durch die speziellen Finanzsituationen in China motiviert wurde und der allergrösste Anteil davon wurde nicht gebaut, um irgendwann mal bewohnt zu werden, sondern als reines Spekulations- vehikel.

Ein wichtiger Teil des Kontextes ist: Wofür wird produziert? - für den Export und Kunde zahlt gut: dann kann China durchaus Qualität liefern, siehe iPhone und viel Computerkram im oberen Preisbereich - für den Export und Kunde will billig: Qualität gibt es nicht umsonst - für den Heimatmarkt und es muss billig sein: Vorsicht, Kunde! - um Subventionen abzugreifen (ein erheblicher Teil der Elektro-KFz Produkt für den Heimatmarkt auf Halde): Finger weg

Der auch und gerade in Deutschland verbreitete Irrglauben, man könne Spitzenqualität zu Preisen von Rudis Resterampe bekommen besteht halt die Kollision mit der Realität nicht.

Kurzum: Produktion in kurzer Zeit massiv hochziehen kann China sehr gut, das hat es oft genug demonstriert. Die Frage der Qualität ist relativ direkt eine Funktion des erwarteten Preises und der ausgeübten Sorgfalts- pflicht der industriellen Kunden (u.a. im Westen).

Das Jammern mit den gestiegenen Einkaufspreisen kaschiert anziehende Gewinnspannen ganz gut, ja.

Man liest sich, Alex.

Der grösste Nachteil: Sie verbrauchen kein Benzin/Diesel. Darin, das dass ein absolut unüberwindbarer Nachteil von Elektroautos ist, sind sich Petrolheads und Ölindustrie zutiefst einig.

SCNR, Alex.

Kennen wir doch alle: Ständig ist der Akku vom BEV leer, man will schnell von München über den Weißwurschtäquator zur Ostsee und versumpft stundenlang an der Ladesäule. Da hat Bayern jetzt eine Lösung: Ladespulen unter dem Asphalt:

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Solar-Freaking-Roadways! Funktioniert bei "bis zu 80km/h" (übliche Autobahntempi also) und hat "über 90% Wirkungsgrad". Da können herkömmliche Ladekonzepte einpacken:

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Gerüchteweise will man im automotiven Freistaat auch E-Rezepte für Harnblasenkathether und auf-ihr-Fahrzeug-Angewiesene subventionieren.

Das stimmt. Statt bewegungslos am Fahr-Erlebnis-Platz festgeschnallt zu sein, pflanze ich mich auf den reservierten Sessel der ersten Klasse, mache mit der Telearbeit weiter und falls ich deren überdrüssig geworden bin, wartet das Bordbistro mit alkfreiem Weißbier.

Im ÖPNV ist das Erlebnis allerdings reproduzierbar weniger schön: Da liefert die DB für die stolzen Preise eher reichlich Verspätung, gestern wollte ich vom Ostbahnhof nach Kreuzstraße, die Zugverbidung wurde bis 30 Minuten vor Abfahrt "grün" angezeigt, ist dann kurz vor Schluss wegen irgendwelcher Signaldinge in Laim ausgefallen. Das kommt auch der Verspätungsstatistik zugute, denn ausgefallene Züge gehen dort nicht ein:

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. Kriesel nennt das in seinem Talk die "Scheuer- bzw. Pofalla-Wende".

Aber, kein Problem, die Nachfolge-S5 kam schon nach 25 Minuten Wartezeit mit 5 Minuten Verspätung und sammelte sich bis Höhenkirchen-Siegertsbrunn weitere 5 Minuten auf, wo sie dann lt. Zugführer noch auf den Gegenzug warten musste. Denn von dort bis zum Endbahnhof ohne E-Netz-Empang verläuft die Strecke nur eingleisig und ist ziemlich marode. An Stellwerken und Bahnschranken oft nur Schrittgeschwindigkeit.

Die Gemeinden haben diesen Missstand auf dem Schirm und wollen in einer mehrmonatigen Baumaßnahme mit Sperrung und Ersatzbusverkehr (also einer WEITEREN mehrmonatigen Baumaßnahme mit Sperrung und Ersatzbusverkehr) Abhilfe schaffen. Für einen zweigleisigen Ausbau fehlt aber das Budget. Was kann da schon schiefgehen?

Ein früheres ÖPNV-Projekt führte mich von Gronsdorf zu einem Termin nach Grafrath, das ist für Münchner Verhältnisse schon eine Weltreise. Ein wenig war ich durch Streikmaßnahmen herausgefordert, musste auf den Bus verzichten und zum Bahnhof latschen. Dort trügerische Sicherheit, die S4 im 60-Minuten-Minimaltakt erschien wie versprochen auf dem Zugzielanzeiger. Der zählte jeweils von 15 auf

5 Minuten herunter und wurde von der schrecklich filserdeutschenden KI-Ansage jeweils als "fünf Minuten verspätet" angekündigt und verschwand dann von der Bildfläche - respektive Tafel. Der Phantomzug selbst musste sich wohl spontan in Luft aufgelöst haben.

Irgendwann, nach der dritten Iteration, war dann von einem Stellwerkproblem in Haar die Rede, es käme zu Zugausfällen und Verspätungen. Ach? Achwas? Ich bin ja nicht total bescheuert und fuhr dann mit einer S6 die Stammstrecke bis Pasing, in der Hoffnung, es gäbe wenigstens von dort einen Pendelverkehr ans Ziel. Diese Annahme war wohl etwas sehr naiv, denn von irgendeiner S4 fehlte jede Spur und vor meinem geistigen Auge entstand das Bild eines Berges sich zwischen Ebersberg und Vaterstetten stapelnden S-Bahnen, die mit dem russischen Lastenhubschrauber umgesetzt werden müssten.

Nach etwa zwei Stunden gab ich das Projekt auf und versuchte über die nun ebenfalls gestörte Stammstrecke wieder nach Hause zu kommen. Was im Endeffekt auf einen Kurztrip zur Donnersberger Brücke hinauslief, einen weiteren Fußmarsch zum Heimeranplatz und dann verschlungene Wege mit dem tadellosen U-Bahn-System, d. h. der U5 zum Odeonsplatz, mit U3/U6 zum Sendlinger Tor und der U2 wieder in den Osten Münchens.

Die MVG war zu diesem Zeitpunkt von allgemeinem Chaos gut beraten, keine Fahrkartenkontrollen durchzuführen - es wäre garantiert zu handgreiflichen Auseinandersetzungen mit den weniger kultivierten Fahrgästen gekommen.

tl;dnr: Die Verdrus-S-Bahn schafft sich zunehmend selbst ab und ich kann gut nachvollziehen, weshalb Menschen bei diesen Fahrpreisen das Auto bevorzugen, oder, wie ich, mit dem Rad fahren, wo sie in der schwerstverspäteten ÖPNV- Realität Münchens auch bei längeren Distanzen früher ans Ziel kommen.

Für das Grafrath-Erlebnis will und werde ich diesbezüglich meine Hand nicht ins Feuer legen (das sind fast 50km einfach), aber von Haar nach Holzkirchen oder Kreuzstraße schaffe ich es regelmäßig in einer guten Stunde, dito unter 2h nach Hebertshausen im Norden von München, wo der ÖPNV-Reisende fairerweise zugeben muss, dass er dort entweder bis zum nächsten Werktag sein Zelt aufschlägt oder sich für einen strammen Fußmarsch rüstet, weil der Bus 723, der mich zu meinen Eltern bringt, nur zwischen 6:00 und 21:00 alle 120 Minuten fährt - an Werktagen versteht sich.

Auf dem MTB hingegen von Tür zu Tür und meist über Nebenstraßen bzw. lauschige Feld- und Waldwege. Das entspannt und hält fit, olfaktorische Nebenwirkungen müsste man an den zahlreichen Dorfbrunnen therapieren - für Klimaschutz darf uns bekanntlich kein Opfer zu groß sein.

Ich überlasse es dem geneigten Leser als Hausaufgabe, die entsprechenden Zugverbindungen nach 20:00 oder an Sonn- und Feiertagen herauszusuchen, wenn offenbar die Gehsteige hochgeklappt und die Gleise eingerollt werden. Da ist einziges kulturelles Highlight oft das fußläufig erreichbare Bierzelt vom Dorffest.

Wer Spuren von Sarkasmus findet...

Volker

Damit zeigst Du recht deutlich, daß Du an einer objektiven Diskussion nicht interessiert bist. Ist *mir* im Prinzip völlig egal, nur solltest Du nicht erwarten, Skeptiker so zu überzeugen...

Unser Leben findet im wesentlichen in einem Radius von 20km oder so um unser Haus statt: Arbeitsplatz meiner Frau ca. 12km davon weg, mein Arbeitsplatz 4km (fast immer mit dem Bus), Schwiegereltern (20km), Schule und Kindergarten unter 1km, Einkaufen (5km, zum Ikea oder Baumarkt vielleicht 20km). Für all das wäre eine Autoreichweite von vielleicht 50-70km locker ausreichend.

Vielleicht 10 oder 20 mal im Jahr machen wir was weiter weg: Wir fahren zum Mondsee (ca. 100km), nach Wien (ca. 250?), oder sonstwohin auf Urlaub (das längste glaube ich 500km mit dem Auto).

Für mich wäre es kein großes Drama bei diesen längeren Fahrten mal Ladepausen zu machen. Mit Kindern im Auto will man sowieso nicht so lange durchfahren. Bei vielen Fahrten ist auch die Überlegung Auto oder Bahn (Fahrten nach Wien z.B.).

Ich glaube wir sind jetzt nicht völlig untypisch für eine eher städtische Familie (Stadtrand).

/ralph

Am 02.06.2026 um 12:15 schrieb Ralph Aichinger:

Für Dich ja. Aber (und damit meine ich jetzt nicht explizit Dich):

Genau deshalb reden viele aneinander vorbei. Für andere ist das vielleicht schon ein Problem. Aber speziell hier im Usenet ist es eh weit verbreitet, genau zu wissen, was "man" braucht und was man wie machen muß. Komischerweise ist meist die eigene Situation der Maßstab aller Dinge...

Oh, das ist sowas wie die umgekehrte Qualtinger-Doktrin: "I was zwoa net, wo i hinfoa, oba dafür bin i gschwinder dort."

/ralph

Nein, ich setze meine Perspektive nicht absolut als die, die man einnehmen muß, an.

Ich will nur sagen: Ich glaube, dass große Teile der Bevölkerung sich genauso wie wir an eine Elektroautoreichweite gewöhnen würden, dei 90% der Fahrten abdeckt und halt die 10 oder 20 Fahrten mit Ladepausen im Jahr einfach zu erdulden, wie man Stau oder die Parkplatzsuche erduldet.

Denn für die 90% der Fahrten hat das Elektroauto schon Vorteile. Nicht nur die geringeren Betriebskosten, auch im Innenraum ist es angenehmer leise, kein Geschalte etc.

/ralph

Ich habe den Eindruck, Du hast den Kern meiner Aussage nicht verstanden. Wenn jemand einer Technologie gegenüber skeptisch eingestellt ist, dann möchte er sich nicht an deren Nachteile gewöhnen müssen, sondern er möchte (aus seiner Sicht) keinen Rückschritt - zumal die Alternative ja (noch) verfügbar ist.

Damals (TM) hat man die Leute auch nicht von der Kutsche weggebracht, indem man ihnen gesagt hat: "Ihr werdet euch schon an die Nachteile des Automobils gewöhnen." Das hat erst geklappt, als diese Nachteile (weitgehend) verschwunden sind.

Ja klar, natürlich kann eine neue Lösung gleichzeitig Nachteile und Vorteile bringen.

Bis auf das 10 bis 20mal stimme ich Dir zu. Die meisten Menschen bewegen sich meines Wissens nach nicht weit von Ihrem Wohnort weg. Längere Fahrten sind wohl (statistisch) auch eher selten. Oft nur für den Jahresurlaub oder den Kurzurlaub. Und so viel Urlaub hat man ja üblicherweise nicht.

Frank

Doch, das seht ich auch, und oft sind solche Dinge für manche Leute ein Grund für großen Ärger.

Z.B. hat ein Freund von mir lange Zeit lang gesagt, er braucht unbedingt ein Handy mit wechselbarem Akku. Und weitschweifige Theorien gehabt, warum es ohne für ihn nicht geht (statt halt ein Ladegerät mitzunehmen oder was auch immer). Man hat gespürt, da ist viel Ärger und emotionale Investition dahinter, warum auch immer. überproportional viel für so ein im Grunde genommen irrelevantes technisches Detail.

Seitdem es keine brauchbaren Handys mit Wechselakku mehr gibt, hat er irgendwann sich damit abgefunden. Einfach so.

Ich bin mir sicher, es gibt noch radikalere Wechselakkuverfechter, die sich dann halt ein 20 Jahre altes Telefon behalten, aber es werden nicht viele sein.

Und so wird es bei Verbrennern vs. BEV vermutlich auch passieren. Diese Leute werden sich zähneknirschend ein Elektroauto kaufen, und sobald sie eines haben, werden diese Ärgernisse größtenteils vergessen sein.

Ich denke man unterschätzt wie sehr sich auch die Erwartungen anpassen.

/ralph

Dafür halt keine Wasserpumpe, keine Lichtmaschine, kein Luftmengenmesser und kein Zahnriemen. Vom Turbolader habe ich noch nicht angefangen.

Aber diese Argumente sind schon hunderte von Malen ausgetauscht worden.

Und dann kommt so eine Geldverbrennung raus wie die Rechner von Herrn Schellong: Einen Tag lang sackteuer, dann zwei Jahre lang VÖLLIG überdimensioniert, dann ein halbes Jahr lang angemessen und dann zehn Jahre lang veraltet.

Die Mobilität, die MIR nach ihrer Abschaffung bitter gefehlt hat, hatt das Format einer Scheckkarte, war schwarz und ein Jahr lang gültig.

Grüße Marc

Wenn man das nicht jeden tag braucht, lädt man das wirklich an einer SChukosteckdose nach. Hat man einmal 100 km gefahren, ist die Kiste am nächsten Morgen noch nicht wieder "voll".

Grüße Marc

Und viele suchen einen Grund um Dinge nicht zu tun, und konstruieren dann absurde Usecases für ihr Auto.

Grüße Marc

[als Bahnbashing getarntes Politikbashing gelöscht]

Das stimmt alles. Aber das ist halt was man bekommt wenn man seine Bahn über 35 Jahre unterfinanziert.

Grüße Marc

Aus dem Fenster im vierten Stock um 6 Hausecken?

Ich weiß jetzt nicht, was letztere Teile mit dem Speicher für den Treibstoff zu tun haben. Whataboutismus?

Nichts mit dem Treibstoffspeicher, aber dem Verschleiß. Elektroautos haben viel weniger Verschleißteile als Verbrenner. Nicht nur die aufgezählten, auch kein Schaltgetriebe, keine Kupplung und viel weniger Verschleiß bei den Bremsen.

/ralph

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