Gute Elkos, schlechte Elkos

Jun 14, 2006 4 Replies

Hallo liebe Newsgroup,



Mich beschäftigt die Frage der Lebensdauer von Elkos. Manchmal lese ich, dass man bei alten Geräten am besten alle Elkos tauschen soll, nicht bloss die defekten, weil die neuen besser seien und die alten alle irgendwann austrocknen.



Mich überzeugt das aber nicht, weil ich bei Geräten aus den 90er Jahren ein Massensterben der Elkos beobachte, während die aus den 70er und 80er Jahren oft noch wie neu sind. Ja sogar einige Uraltgeräte aus den 50er Jahren laufen noch ohne Elko-Wechsel.



In letzter Zeit bekomme ich bei Conrad und auch in Basel bei Grieder Bauteile Elkos von mir unbekannten asiatischen Marken. Deren Kapazität ist neu schon am unteren Rand der Toleranz (sie sollen ja auch schön klein sein), und Q nicht sehr hoch. Früher bekam man Kondensatoren von Philips, Frako und ROE (Roedenstein?) welche im Neuzustand jeweils in der Kapazität eher über dem angeschriebenen Wert lagen. Auch die Nichicons in alten Sony-Geräten scheinen sich gut zu halten.



Nun die Frage: Was haltet ihr vom angeblichen Fortschritt bei den Elkos? Welche sind heute gut? Gibt es bewährte Baureihen, die seit Jahrzehnten gleich hergestellt werden? Wo kann man die als Privatmensch in kleineren Stückzahlen beziehen?



Und sind die neuen wirklich so schlecht? Oder werden sie nur mehr beansprucht (hohe Rippleströme und Temperaturen in Schaltnetzteilen) und halten deshalb weniger lang. Ein Schaltnetzteil fällt ja aus, wenn gewisse Elkos austrocknen, während ein Röhrenradio schlimmstenfalls ein wenig Brummt.



Stefan


http://www.heimers.ch

"Stefan Heimers" schrieb im Newsbeitrag news: snipped-for-privacy@news1.ethz.ch...

Extrem gut im Vergleich zu frueher. Dabei ziele ich auf Innenwiderstand und damit Strombelastbarkeit. Aber nur, wenn man ein entsprechendes Modell aussucht. Es gibt natuerlich auch fuer Standardanforderungen billige Elkos, die keinen Deut besser sind als frueher. Im Gegenteil, weil die Streuung der Nenndaten geringer wird, sind die Dinger nicht mehr ueberdimensioniert, sondern naeher an den aufgedruckten Werten dran. Will man also einen alten Standardelko mit sagen wir 100V und 1000uF ersetzen, darf man heute 150V und 1500uF nehmen, billiger und kleiner sind die sowieso.

Eben. Ganz andere Belastungsklasse, konnte man mit den alten Elkos komplett vergessen. Gerade Koppelelkos werden ja praktisch nicht belastet, Siebelkos deutlich mehr, bei hohen Schaltfreuqenzen zigfach oefter, besonderer Klassen sind Blitzelkos und Motorelkos, die waren aber frueher schon gut, man muss nur den zum Verwendungszweck passenden nehmen.

Manfred Winterhoff, reply-to invalid, use mawin at gmx dot net homepage: http://www.geocities.com/mwinterhoff/ de.sci.electronics FAQ: http://dse-faq.elektronik-kompendium.de/ Read 'Art of Electronics' Horowitz/Hill before you ask. Lese 'Hohe Schule der Elektronik 1+2' bevor du fragst.

"Stefan Heimers" schrieb im Newsbeitrag news: snipped-for-privacy@news1.ethz.ch...

Also ich denke es gibt im Elkobereich viel asiatischen Müll, aber für etwas mehr Geld bekommt man auch Markenelkos. Ich bevorzuge speziell die Panasonic-Serie FC. Die wird auch schon lange produziert und die bekommt man u.a. bei Farnell oder auch RS, für einigermassen akzeptable Preise. Und die halten länger als die Standardelkos; jedenfalls nutze ich die z.B. im Digiboard meines Fernsehers, da dort die Elkos auch sehr geheizt werden und dann mit fort- schreitendem Altern eklige Moire-Streifen erscheinen. Jetzt muss ich nur noch alle 3-4 Jahre mal zum Lötkolben greifen, während bei NoName-Elkos leider nach ca. 2 Jahren schon fertig sind.

Schuld an frühem Ausfall der Kondensatoren sind aber auch die Platinen- designer, die allzu oft die Elkos direkt neben den eh schon unterdimensionierten Kühlkörpern der kochenden Leistungsbauteile plazieren. Wen wunderts, wenn die dann früh ausfallen? Bedenkt man, daß die Elkos eine durchschnittliche Lebensdauer von ca. 2000 bis 3000h bei 105 Grad haben (ja, auch die Marken elkos schaffen nicht unbedingt viel mehr) würde das gerade mal eine Laufzeit von 6 Monaten bedeuten, wenn z.B. ein Gerät 12h pro Tag läuft. Das ist verdammt wenig! Also plaziert man die Elkos sinnvollerweise am kältesten Ort auf der Platine; auch wenn das nicht immer möglich ist, sollte man eben Kompromisse finden. Jedoch keinesfalls direkt am Kühlkörper, womöglich noch ohne Luftspalt mit direkter Berührung, das die auch ja warm werden...

Aber was lange hält bringt kein Geld...

Gruß Thomas

Thomas Rieger schrieb:

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Ach, und ich dachte immer, die K=FChlk=F6rper w=E4ren zur K=FChlung der Elkos da... SCNR Harald

|> Ach, und ich dachte immer, die Kühlkürper wären zur |> Kühlung der Elkos da...

Das ist nicht witzig... Ich habe vor ein paar Jahren auf der Electronica bei einem superdicht gepacktem Netzteil gesehen, dass die so kleine Fingerkühlkörper auf die einzelnen Elkos geklebt haben. Auf meine Frage, ob die das wirklich ernst meinen mit der Elkokühlung, haben sie mir eine Daten-CD als "Hauptgewinn" in die Hand gedrückt, weil das bislang noch keiner bemerkt hätte...

Georg Acher, acher@in.tum.de http://www.lrr.in.tum.de/~acher "Oh no, not again !" The bowl of petunias

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