Elkos erneuern, exakt dieselben?

Oct 21, 2004 29 Replies

Hi



bin gerade dabei einen uralten Verstärker (Bj. 1967) zu renovieren. Da ich hörte, daß Elkos ne begrenzte Lebensdauer haben, hab ich jetzt einfach mal alle Elkos ausgelötet und will die jetzt durch Neuteile ersetzen.



Das Problem dabei ist, das Gerät ist ein englisches Fabrikat und eben recht alt, das heißt es sind Teile verbaut, die hier und heute praktisch nicht erhältlich sind.



Beispiele: Der Netzteil-Elko hat 2500 muF bei 64V, vor dem Gleichrichter hängt noch ein Elko mit 160 muF und 40V, sehr abwegig scheint auch folgender zu sein: 125 muF bei 4V. Etliche Elkos liegen zwischen 50 und



500 muF bei sehr geringen Nennspannungen (2,5 bis 6,4V).

Jetzt stellt sich für mich als relativen Elektronik-Laien die Frage, wo und wie weit kann man von den Original-Werten abweichen ohne größere Probleme zu bekommen oder gar was gefährliches zu tun?



Macht es etwas, wenn die Nennspannung über der originalen liegt (sofern das Bauteil von den Abmessungen paßt)?



Welche Auswirkungen hätte es, wenn ich den o.a. 2500er Netzteil-Elko durch einen 2200mu / 100V ersetze bzw. durch einen 3300 / 100V?



Ist das ganze Unterfangen überhaupt sinnvoll oder tippt sich der Fachmann da an die Schläfe?



Bin für jeden Tip dankbar!


Also eine hoehe Spannung darfst du immer verwenden. Das wird sich sogar oftmal empfehlen weil moderne Elkos kleiner geworden sind und du vermutlich welche haben willst die denselben Pinabstand haben.

Bei der Kapazitaet kommt es sicherlich auch nicht so genau drauf an, allerdings muesste man schon das Schaltbild sehen um es genauer zu sagen. Z.b wird es sicherlich kein Problem sein wenn der Elko nach dem Gleichrichter 50-100% mehr Kapazitaet hat. Haette er aber 10mal soviel wuerde vielleicht beim einschalten der Gleichrichter explodieren.

Das ist kein Problem. Ausserdem koenntest du auch gleich 105Grad Typen nehmen. Dann brauchst du vielleicht erst 2060 das naechstemal die Elkos zu wechseln.

Vermutlich werden beide Werte ohne Probleme funktionieren.

Das haengt von der Qualitaet des Verstaerkers ab. Ich vermute mal das Endstufen aus dem Baujahr noch nicht so gut waren da dies doch kurz nach dem Roehrenzeitalter war. Bei Verstaerkern von mitte der 80er lohnt es sich aber zu 200% weil die sehr gut und ausgereift waren und mechanisch wesentlich besser als der Plastikmuell den man mir heute zum kauf anbietet.

Wichtig sind aber nicht nur die Elkos sondern auch die ganzen Schalter und Potis!

Olaf

D.i.e.s.S. (K.)

Normalerweise ist es unkritisch, bei Kapazität und Spannung jeweils den nächsthöheren Wert zu wählen. Bei der Kapazität kann es bei Bedarf (Platzprobleme) auch der nächst kleinere Wert sein, bei der Spannung sollte ohne genaue Kenntnis der Schaltung aber auf keinen Fall nach unten abgewichen werden.

Probleme werden sich allenfalls wegen der mechanischen Bauform ergeben (je grösser Spannung und Kapazität, desto dicker der Elko). Aber das ist bei einem so alten Gerät kaum zu erwarten, da die modernen Elkos sehr viel kompakter sind als damals.

Wenn er mechanisch passt, würde ich den 3300er nehmen.

Kommt drauf an, was das Gerät wert ist...

Hergen

Bei den großen Elkos wird mir eh die Bauform ein bischen zu Grübeln geben. Aber gut zu wissen, daß die Spannung nach oben hin überschritten werden darf. Ist es auch noch egal, wenn ich z.B. von 2,5V auf 60 oder

100V upgrade?

Klang und Qualität haben mir bei dem Teil immer sehr gut gefallen. Alle mechanischen Teile sind noch einwandfrei. Bis vor sagen wir zwei Jahren hat das Teil auch noch einwandfrei funktioniert, dann kackte nach und nach der erste Kanal ab, beizeiten dann auch der zweite. Hab dann alle Potis gecheckt, aber die warens nicht.

Besten Dank für die Tips! Du machst mir Hoffnung :-)

Hi Skandalos,

Ja, auch wesentlich hoehere Spannungsfestigkeit ist in Ordnung. Es kann nicht zu hoch sein.

funktioniert, dann kackte nach und

gecheckt, aber die warens nicht.

Dann wuerde ich trotzdem mal die Potis und Schalter nachsehen, wie es Olaf empfahl. Auch interne Steckverbinder und Loetstellen. Vieles korrodiert im Laufe der Jahrzehnte. Manchmal sind auch noch Sicherungen oder Thermoschutzschalter drin, bei denen die Kontaktflaechen nicht mehr so fit sind. Ich habe letztens schweren Herzens meinen Kenwood aus den fruehen 70ern ins Jenseits schicken muessen. Korrosion frass langsam die Leiterplatte und anderes auf, die Reparaturen wurden irgendwann einfach zu viel.

Jetzt steht da ein Rio Radio. Alles Plastikkram, aber der Klang ist super.

Gruesse, Joerg

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Das ist die Spannung, die der Elko aushält. Du kannst ruhig welche nehmen, die mehr aushalten. Wird im Zweifelsfall nur teurer. Aber schreib auf, wie hoch die Spannung des Originals war - nicht dass du in 20 Jahren 'nen 400V-Typ einsetzt, wo nur 4V nötig sind, nur weil du jetzt 'nen 100V-Typ reinsetzt.

Andreas

Der Hauptunterschied zwischen etwas, was möglicherweise kaputtgehen könnte und etwas,was unmöglich kaputtgehen kann,besteht darin,daß sich bei allem, was unmöglich kaputtgehen kann, falls es doch kaputtgeht, normalerweise herausstellt,daß es unmöglich zerlegt oder repariert werden kann. (D.Adams)

Ja, und viele Verstaerker haben ausgangsseitig noch ein Relais. Ggf. solltest Du das gegen ein vergoldetes Doppelkontakt Relais tauschen. Darueber wurde hier schon ausfuehrlich geschrieben.

Wenn Du am Ende den Verstaerker dann quasi neu aufgebaut hast, musst Du ihn wahrscheinlich nochmal richtig einstellen. Schau z.B. ob der Ruhestrom noch richtig eingestellt ist.

Viel Erfolg!

Jonas

Hab bislang nichts gefunden, was ein Relais sein könnte. Welche Funktion hat denn son Teil in der Endstufe?

Geht sowas mit einem Multimeter? Außerdem, ich hab ja keinen Vergleich. Oder gibts Standardwerte für Ruhestrom?

@all: nochmals vielen Dank für die Hinweise. Werde morgen gleich mal zu Conrad fahren und mir die restlichen Elkos besorgen. Bin ja echt mal gespannt ob ich dem guten Stück wieder Leben einhauchen und Wohlklang entlocken kann.

So isses. So große Elkos wie da drin sind, sind heute völlig ungewöhnlich.

Der Verkaufswert dürfte nicht so großartig sein, obwohls schon ein echter Oldtimer ist. Aber der ideelle Wert ist enorm. Ich hab das Teil schon seit 1978, nie einen anderen Verstärker benutzt. Das Ding ist einfach aufgebaut, mit Sicherheit vollständig in Handarbeit gefertigt, da ist keine einzige schlechte Lötstelle zu finden, Kabel und Kontakte alles recht großzügig dimensioniert, bei regelrecht verschwenderischem Einsatz von Lötzinn. Schlicht im Design, und eben einen Klang, den ich noch bei keinem neueren (bezahlbaren) Verstärker gehört habe. Achja, es ist ein Goodmans Maxamp 30.

BTW ein bischen Sorgen machen mir die Leiterplatten, die auf die Hitze des Lötkolbens recht seltsam reagieren. Das Material quillt irgendwie auf ohne allerdings brüchig zu werden.

Und noch ne Frage. Der alte Netzteil-Elko war mit einer Schelle am Gehäuseboden befestigt. Hat diese Verbindung eventuell auch eine Kühlfunktion? Der neue Elko wird ja mit Sicherheit bedeutend kleiner sein.

Die Schelle dient zur mechanischen Befestigung des Elkos,da der ja noch verhältnismäßig groß war.Wenn der alte Elko ohne Kunststoffmantel war,diente die Schelle auch als Abschirmung.Aber kühlen braucht man diese Art von Netzteilelkos nicht.Wenn du die Schelle nicht "passend" biegen kannst,dann nimm eine Klebeschelle mit Kabelbinder oder fixiere den neuen Elko mit Silikon .

"Skandalos"

Ansich stimme ich den anderen zu. Allerdings schreibst du dass du den Klang immer besonders gut fandest. Für mich klingen die Werte die du nennst nach einem echten analogen Equalizer und da solltest du besser möglichst genau die gleichen Kapazitätswerte nehmen wie vorher, da sich sonst der Klang und auch die Verstärkerleistung stark verändern könnte. Spannung wie andere erwähnt haben gleich oder höher wählen.

lg,

Markus

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- Einschaltverzögerung, damit's nicht knackt

- Je nach Modell auch Schutz gegen Kurzschluß an den Ausgangsklemmen

Gruß Gerd

Leicht gesagt, aber wie gesagt gibts die meisten verbauten Kapazitäten so nicht mehr neu zu kaufen, nicht mal annähernd. Ein paar besonders abwegige Werte hab ich jetzt bei einem Internet-Anbieter für seltene Bauteile bestellt. Und nun hoffe ich, daß halbwegs was draus wird.

Es knackt beim Einschalten, wenn ich vergessen habe den Lautstärkeregler runter zu drehen. Also kein Relais.

Wie Dir andere schon gesagt haben: die Spannungswerte sind völlig wurscht, solange sie mindestens genauso hoch sind wie die alten.

Bzgl. den Kapazitätsangaben: Elkos haben große Toleranzen, bei den alten sind Abweichungen von 50% keine Seltenheit. Nimm halt den, der am nächsten dran liegt.

Ich würde lieber drauf achten, dass Du nicht einen normalen (gepolten) da einbaust, wo vorher ein bipolarer drin war.

Gruß Gerd

"Skandalos"

Also ich mein.. Man kann ja auch wenn mans unbedingt möchte krumme Kapazitätswerte durch Kombination von mehreren hinbekommen. Sagt ja keiner, dass man die nicht über Schrumpfschlauch isoliert nen paar cm deplaziert befestigen kann ;) auch wenn ich das nicht empfehlen würde. Dann schon lieber bis zu 20% danaben liegen. Mehr würde ich vom Gefühl her nicht zulassen. Aber wie gesagt ich bin auch noch kein Experte auf dem Gebiet.

lg,

Markus

[...]

Typische Elkos haben -50% bis +100% Toleranz in der Kapazitaet...

-- Dr. Juergen Hannappel

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(Skandalos) 21.10.04 in /de/sci/electronics:

Mutig... und hoft sie wieder richtig(rum) rein zu bekommen?

Wenn Du wirklich "restaurieren" willst, baust Du die modernen und daher wesentlich(!) kleineren Elkos IN die zuvor "ausgenommen" (leeren) alten Elkso ein. Das sieht nicht nur besser aus, sondern stellt auch sicher, das Dein Enkel Deinen Elkos gegen die korrekten Werte austauschen kann...(so es in 40+ Jahren noch solche Elkos gibt und der Besitz von "analogen Geräten ohne Microsoft Digital-Resitriction-Management" nicht mit min. 8 Jahren Zuchthaus und lebenslangem Entzug der Bürgerrechte bestraft wird...)

Such mal im Netz wie man das Restaurieren von Radios "richtig" macht.

(Skandalos) 22.10.04 in /de/sci/electronics:

Von den mechanischen Abmessnungen her? Ja.

Das liegt mit hoher Sicherheit daran, das der Verstärker in der Endstufe in "Emitterschaltung" arbeitet, die technisch. rel. aufwändig ist, aber besser "klingt" als die heutigen Emitterfolger, die jedoch leichter zu bauen sind und scheinbar mehr leisten...

Goodmans MAXAMP 30 MKII ?

Das ist "Pertinax"," Hartpapier". Dein Lötkolben war viel zu heiss und zu lange drauf. Womit lötest Du (aus)?

BTW: Ehe Du Dir den Wolf lötest: Schau mal bei ebay...

(Markus Gronotte) 22.10.04 in /de/sci/electronics:

Die hat man auch vor 40 Jahren nicht mit Elkos gebaut!

Dazu waren auch damals schon die Toleranzen der Bauteile zu gross. So grössen Ordnung "-20% + 100%"

Damit macht man eigentlich keine "Equalizer", auch nicht wenn die in handarbeit ausgemessen würden.

Evtl. sind das auch keine Elkos die der OP gefunden hat.

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