Noch ein defektes Röhrenradio

Sep 10, 2007 116 Replies

Hallo,



ich weiß, ich weiß, wir hatten hier erst vor kurzen jemanden mit einem defekten Röhrenradio ;-)



Durch einen glücklichen Zufall habe ich ein äußerlich spitzenmäßig erhaltenes NordMende Carmen Hifi erhalten, ein sehr hübsches Röhrenradio von 1961 im Holzgehäuse.



Eine erste Sichtprüfung ergab keine Auffälligkeiten, daher habe ich das Innenleben vorsichtig gesäubert und danach das Radio eingeschaltet.



Es funktioniert zumindest teilweise, das "Magische Band" zeigt mir auch eindeutig an, dass etwas empfangen wird. Nur kommt außer einem durch die Lautstärkeregelung nicht veränderbaren Brummen kein Ton aus den Lautsprechern. Dies ist durch alle Frequenzbänder und bei allen Tasteneinstellungen gleich.



Der Geruch schmorender Elektronik ließ mich das Radio dann recht schnell wieder abschalten. Ursache des Geruchs ist ein Widerstand direkt neben der EL84 Endstufenröhre:



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Hat jemand einen klugen Tipp, was die Ursache dieses Problems sein könnte? Endstufenröhre defekt? Ein Kondensator in der Ansteuerung der Röhre defekt?



Ich habe von Röhrentechnik leider absolut gar keine Ahnung, daher weiß ich überhaupt nicht wo ich mit dem Suchen anfangen soll.



Ach ja, einen Schaltplan von diesem Schätzchen hat nicht zufällig jemand zu Hause rumliegen? O:-)


Liebe Grüße Florian


Hallo Florian,

Vermutung aus der Ferne, aber wirklich nur Vermutung: Koppelkondensator zur Stufe davor durchgeschlagen, Gitter hochgezogen (weil der Kondensator zur Anode der Vorroehre geht), Kathodenruhestrom deshalb an den Poller gegangen, Kathodenwiderstand fast abgeraucht, Netzelko schafft das nicht zu unterstuetzen -> Brumm. Die EL84 bekommt dabei normalerweise "rote Baeckchen".

Leider nicht, aber oft sieht das da hinten so oder aehnlich aus:

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Gruesse, Joerg http://www.analogconsultants.com

Florian Roth schrieb:

....

Hi Florian,

überprüf mal einen (vermutlich) 10 nF/500 V Kondensator, der von Pin 9 der EABC 80 Richtung EL 84 führt - im Zweifel austauschen! Dann wäre es sicher nicht verkehrt, den angeschmorten 180 Ohm/0,5 W Widerstand und den parallelen Elko 100 µF (?) auch gleich mit zu ersetzen.

Ich habe hier mehrere Carmen-Schaltbilder: kannst Du noch irgendeine Typnummer finden?

HTH

Reinhard

Hallo Reinhard,

Aber nur durch etwas sittlich fuer diese Aera gereiftes. Siemens alu-farben, Philips blau oder so, nicht irgendeinen neuen Panasonic. Wie saehe das aus? Wo kaemen wir hin? :-)

180ohm? Wir hatten das frueher bei hoeheren Drehzahlen betrieben, um die 150ohm oder so. Aber man sollte schon nehmen, was original drin war. Florian: M.W. muss dort ein Widerstand fuer mindestens 1W hinein, besser 2W. Notfalls 3-4 hoehere Widerstandswerte parallelschalten.

Falls der Koppel-C so ein Roehrchen mit ausgelaufenen Teerenden ist, nur mit einer (alten) Zange packen. Das bekommt man nur schwer von den Fingern wieder ab. Und dort sollte auch wieder ein Folienkondensator hinein. Farblich und stilistisch passend natuerlich.

Gruesse, Joerg http://www.analogconsultants.com

Joerg schrieb:

...

;-)

Die 180 Ohm/0,5 W habe ich aus 2 Carmen-Schaltbildern. Bei 6,8 V (AM) bzw. 6,3 V (FM) Kathodenspannung der EL 84 reichen die 0,5 W auch. Die Messung soll mit einem 1000-Ohm/V-Meßgerät im 12-V-Bereich erfolgen.

HTH

Reinhard

Hallo Reinhard,

Ist lange her, aber ist unter 40mA Ruhestrom normal?

Zugegeben, wir hatten damals den Ruf, die Roehren ziemlich auszulutschen.

Gruesse, Joerg http://www.analogconsultants.com

Joerg schrieb:

...

Hallo Joerg,

da fehlt mir dann doch die Erfahrung.

Allerdings ist das hier offenbar der "Eintakt-Arbeitspunkt 2" aus dem Valvo-TB von 1961: Ua = 250 V, Ia = 36 mA; Ug2 = 210 V, Ig2 = 3,9 mA; Na = 4,3 W (10 %)

Interessant ist, daß im Valvo-TB von 1955 für denselben Arbeitspunkt ein Ig2 von 7,3 mA angegeben ist.

Ciao

Reinhard

Joerg schrieb:

Der Überbrückungselko über dem Kathodenwiderstand sollte dann aber ebenfalls "Gebrauchsspuren" zeigen. Bei Endröhren ebenfalls ein subtiler Fehler: Gitterableitwiderstand hochohmig geworden (R12 in der Beispielschaltung). "Beliebter" Fehler bei Zeilenendstufen.

Ob ein allenfalls fehlender 1kOhm-anti-UKW-wilde-Schwingungen- Widerstand in der Gitterzuleitung wirklich Ärger machen könnte, wüsste ich jetzt nicht.

mfg Rolf Bombach

Hallo Reinhard,

Damals war der Strom noch billiger. Kam einfach so aus der Steckdose :-)

Gruesse, Joerg http://www.analogconsultants.com

Reinhard Zwirner schrieb:

(10 %)

tspunkt

Und Ug2? Vermutlich 250_V. Die Angaben sind =C3=BCbrigens statistische Angaben. =C3=9Cber mehrere Lo= ts gemittelt.

--=20 mfg hdw

Hallo,

Florian Roth schrieb:

Danke erstmal für die vielen Antworten. Ich habe das Chassis jetzt ausgebaut vor mir stehen und werde mich einmal daran machen, alle Kondensatoren im Umkreis der EL84 zu tauschen. Optisch ist keiner von denen auffällig, aber höchstwahrscheinlich wird ja trotzdem einer defekt sein.

Mal sehen, was draus wird, ich werde hier weiter berichten :-)

Liebe Grüße Florian

Hallo Reinhard,

Reinhard Zwirner schrieb:

Die Kondensatoren sind optisch allesamt unauffällig, eine weitere Überprüfung kann ich mangels entsprechender Messtechnik nicht machen. Aber ich werde trotzdem einmal alle im Umkreis der Endröhre austauschen.

Der Widerstand hat noch absolut toleranzgerechte 181 Ohm, aber austauschen werde ich ihn trotzdem, so verschmort wie er ist ;-)

Schiwerig... Das Dingens hat keine Zusatznummer wie die anderen, "Carmen 53" oder so. Auf der Rückwand steht einfach nur "Carmen", und auf dem Logo an der Schallwand "Carmen HiFi". Die Frequenzskala ist mit "Carmen 61" gekennzeichnet. Zu "Carmen 61" findet sich im Netz genau garnichts, zu "Carmen HiFi" immerhin ein paar Seiten, wie z. B. die hier im Radiomuseum:

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Ansonsten sind auf dem Chassis noch ein paar Nummern, z. B. an der rechten Außenseite eine 861.618.00, an der Rückseite eine T.Nr. E18, und auf der Platine eine 01771.

Ich könnte latürnich auch ein paar Fotos online stellen, vielleicht kannst du damit was anfangen?

Liebe Grüße und vielen Dank für die Hilfe Florian

Hallo Florian,

Die Messtechnik hat fast jeder: Ein Digitalmultimeter, eine nicht zu sehr ausgelutschte 9V Batterie und einen 1M Widerstand. Zuerst misst man, ob der Kondensator nicht im hoechsten Ohmbereich schon eine Leckage andeutet. Danach entlaedt man ihn, laedt ihn ueber einen 1M Widerstand auf und zaehlt die Sekunden, bis er bei einer bestimmten Spannung angekommen ist. Zur Sicherheit wieder entladen. Den Rest macht das Taschenrechnerle ;-)

Allzu genau wird das natuerlich nicht, aber man sieht ob er noch brauchbar ist. Nur die Durchschlagsfestigkeit kann man auf die Weise nicht messen, ist aber seltener noetig.

Wenn nur irgendetwas um die EL84 herum kaputt ist, sollte das auch ohne Schaltbild zu finden sein.

Gruesse, Joerg http://www.analogconsultants.com

"Horst-D.Winzler" schrieb:

...

Hallo Horst,

das ist ja das interessante daran: ebenfalls bei Ug2 = 210 V! Haben die da was am Röhrenaufbau geändert?

Wundert sich

Reinhard

Florian Roth schrieb:

Hi Florian,

ich hab' jetzt mal ein Foto (hab' keinen Scanner!) des Schaltbilds ins Netz gestellt:

Achtung: größere Datei ...

Zu empfehlen ist hier IMHO vor allen Dingen der Austausch von C 143, der von der Anode der EABC (=Pin 9, Ziffer fehlt im Schaltbild) nach "oben" zum Sprachschalter führt.

Viel Erfolg wünscht

Reinhard

Reinhard Zwirner schrieb:

enselben Arbeitspunkt

ber mehrere Lots gemittelt.

Du kannst dich immerhin noch wundern ;-)

Schau mal was Valvo damals f=C3=BCr den Verst=C3=A4rkungsfaktor Gitter2/G= itter1 =3D =C2=B5g2g1 angegeben haben. Der betr=C3=A4gt f=C3=BCr die EL 84 "19". "=C2=B5" besitzt keine Einheit.

--=20 mfg hdw

Hallo Reinhard,

Reinhard Zwirner schrieb:

Dankeschön, das sieht ja schonmal gar nicht schlecht aus.

Schlecht sieht hingegen aus, was mein Radiochen tut: ich habe jetzt alle Kondensatoren in dem Gerät getauscht und den angeschmorten

180-Ohm-Widerstand durch einen neuen ersetzt. Der Erfolg ist....... dass der neue Widerstand deutlich hitzebeständiger ist und sich somit unter leichtem Duften selbständig auslötet, anstatt braun zu werden und zu qualmen. Grrrrrrrrrrr!

Irgendwelche weiteren Vorschläge? Wenn es nicht die Kondensatoren sind, was kann es dann sein, das das Radio dazu bringt nur ein Brummen zu produzieren und diesen Widerstand zu überlasten?

Liebe Grüße Florian

Hallo Joerg,

Joerg schrieb:

Tja, ich verzweifle gerade, mit und ohne Schaltbild. Ich habe alle Kondensatoren im gesamten Gerät ausgetauscht, und es funktioniert immernoch genau so prächtig wie vorher - will sagen: der (ebenfalls neue) Widerstand schmort, und es kommt nur ein Brummen aus den Lautsprechern.

Any suggestions? Was kann diesen Widerstand zum schmoren bringen, wenn es kein Kurzschluss in einem Kondensator ist?

Liebe Grüße Florian

Hast Du eine EL84 zu Austauschen?

Falls nicht, oder es nichts brachte, dann wird es Zeit zum Messen. Ist eventuell der Steuergitterwiderstand Richtung Unendlich gegangen? Schirmgitterspannung ok? Ich hatte auch schon mal einen Windungsschluss im Ausgangsuebertrager, EL84 in einem Philips Gamma, doch bis zum Rauchen hatte das nicht gefuehrt.

Gruesse, Joerg http://www.analogconsultants.com

Hallo Joerg,

Joerg schrieb:

Danke für die Hinweise. Eine EL84 zum tauschen habe ich noch nicht, sollte aber schon unterwegs zu mir sein, habe ich vor einigen Tagen bestellt.

Die Begriffe "Steuergitter" und "Schirmgitter" werfen bei mir nur große Fragezeichen auf, ich habe von Röhrentechnik wirklich nicht die leiseste Ahnung *heul*

Die Widerstände auf der Platine im Bereich der EL84 sind jedenfalls messtechnisch alle unauffällig.

Und, falls es irgendwie sachdienlich ist, "rote Bäckchen" macht die EL84 auch nicht.

Liebe Grüße Florian

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