Nach einer anregenden Diskussion mit einem Kunden habe ich mich gedanklich mal etwas intensiver mit dem Thema Erdung von Gehäusen beschäftigt:
Bei Geräten der Schutzklasse 1 müssen ja alle (von außen) berührbaren Metallteile geerdet werden. Bei den Labornetzteilen die ich so hier habe (EA und China-Ware von Reichelt) ist der abnehmbare Deckel separat über ein Kabel geerdet. In dem Gerät von EA kommen am Erdungspunkt sogar 6 Leitungen zusammen (vermutlich sind beide Trafos auch noch extra geerdet). Bei PCs habe ich noch nie ein echtes Erdungsband gesehen, nur HF-Klammern. Zumindest zu AT-Zeiten gab es ja noch den spannungsführenden Netzschalter, um den aber i.A. ein dicker Isolierschlauch gezogen war. Waren solche AT-PCs damit defacto Geräte der Schutzklasse 2? Anderseits hatte ja auch ein AT-Netzteil einen Schutzleiter, was für Schutzklasse 1 spricht.
Wie löst man konkret das Erdungsproblem bei Gehäusen aus Aluprofilen und
-blechen? Theoretisch müsste man ja alle Einzelteile erden. Bei 6 Blechen und 4 Profilen also satte 10 Leitungen, und die Profile sind meist von innen nichtmal vernüftig zugänglich. Oder reicht da die Verbindung über die Gehäuseschrauben als Erdung? Und wie ist das bei lackierten/gepulverten Blechgehäusen. Der Lack wird wohl kaum als Isolierung durchgehen. Also müsste an jedem Teil eine unlackierte Stelle vorgesehen werden, an der ein Erdungskabel angebracht werden kann, richtig?
Wir das in der Praxis auch tatsächlich immer so konsequent umgesetzt? Ich kann mich z.B. nicht erinnern, dass der alte Renkforce-Verstärker, den ich letztes Jahr repariert habe, ein Erdungsband am Deckel hatte. Ein Schukostecker deutet aber auf Schutzklasse 1 hin...
Gruß Thorsten