Schön, daß Du das erkennst und so auf den Punkt bringst. Oder anders formuliert: Außerhalb des Speckgürtels von Großstädten sind Elektrofahrzeuge eine Rarität. Und innerhalb des Speckgürtels, d. h. dort, wo eng getaktete ÖPNV existieren, wundert es mich immer wieder, wer sich alles den Streß antut und - z. B. für den Arbeitsweg - ins eigene Kraftfahrzeug steigt, dessen Wertverlust allein täglich mehr kostet als eine Tageskarte.
Muß man deswegen Räder drunterschrauben, einen Motor einbauen und mit dem Ergebnis Verkehrsfläche zustellen?
"Üblich" ist natürlich nett und suggeriert, die meisten Leute bei Dir überm Teich würden Rad und insbesondere lange Strecken fahren. Falls man Deine Situation mit hierzudeutschlands auch nur annähernd vergleichen kann, dann existiert im all(werk)täglichen Straßenbild gegenüber anderen Verkehrsarten ein verschwindender Bruchteil von Fahrradfahrern (wie groß der genau ist, erklärt das BMVI [1]) und unter denen mag der Anteil von Alltags- und Weitradlern ungewöhnlich hoch sein. Und wenn die 1x/Woche
50-100km fahren, dann ist es schon viel.Anno 2016 betrug das gesamtdeutsche Beförderungsaufkommen hier 10'238 Millionen Personen auf dem Fahrrad, die 36 Milliarden Personenkilometer zurücklegten. Das wären also 3.5km/Jahr. Das ist so schockierend, daß ich mich eigentlich verrechnet haben muß, ich bitte daher um Korrektur.
Mein Arbeitsweg betrug eine Zeit lang regelmäßig etwa 40km (Gesamtstrecke), die ich MO-FR mit dem MTB zurücklegte. Das gibt stramme Wadln, weswegen ich "Radfahrten von 50-100km sind bei uns ueblich" ins Reich der Fabel verorte. Ja, eine gelegentliche Wochenend- und Freizeittour vielleicht, nach der man sich gegenseitig auf die Schultern klopft.
Wie z. B. '[...] Eine positive Entwicklung ist in erster Linie ueber die radikale Abkehr von heutigen Mobilitäts- und Prestigeansprüchen und eine de-Individualisierung des Nahverkehrs zu erreichen. In Automobilen wird auch in Zukunft noch ein Verbrennungsmotor werkeln (weil der Energieinhalt und die Speichermoeglichkeit von kohlenwasserstoffhaltigen Flüssigkeiten einfach unschlagbar hoch ist), nur werden es Biokraftstoffe aus regenerierbaren Energiequellen und organischen Abfällen [...] sein müssen und es werden weniger, leichtere, kleinere und somit zweckmäßigere Automobile sein. [...]'?
Jup. Meine individualmotorisierte Jahresfahrleistung mit dem 1998er Museumsstück beträgt noch so um die 3Mm. Demgegenüber bin ich über 6Mm mit dem Fahrrad unterwegs, allein Berufspendelei und Besorgungen. Der Rest ist ÖPNV. Die Fahrt in der (Familien)Urlaub haben wir mit dem ICE bestritten. Mein Schuldgefühl hält sich daher in recht überschaubaren Grenzen.
Volker
[1]