Netzfilter

Feb 07, 2026 Last reply: 5 months ago 24 Replies

Moin,



die Rahmenhandlung: ich baue gerade ein Gerät, das im privaten Haushalt steht (als Abgrenzung zu Industrieelektronik), in dem ein Ringkerntrafo (150VA, Ausgang 5A @24VDC) dauerläuft und ab und zu zwei Schaltnetzteile (Meanwell LRS-100, also 100W-Klasse) eingeschaltet werden. Das Einschubmodul (Europakarte) mit dem Ringkerntrafo ist vom nicht mehr existenten Hersteller Zentro aus Pforzheim und war jahrelang (min 5, evtl. sogar 15 Jahre) in Industrieelektronik eingesetzt, also ein Gebrauchtgerät, dem ich "profi"laktisch die Entstörkondensatoren (die X2- und Y2-Teile am 230V-Eingang) sowie die Siebelkos ausgetauscht habe.



Jetzt stehe ich vor der Frage, ob ich meinem neuen Gerät einen Netzfilter spendieren soll. In der Industrieelektronik war das mit diesen Ringkerntrafos üblich. D.h. ich habe mehrere gebrauchte aus derselben Quelle zur Auswahl. Es handelt sich um die Schaffner-Baureihen FN343 und FN680.

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Dazu habe ich Fragen:



- Wie legt man diese Netzfilter aus? Nehme ich als Nennstrom den nächstgrößeren vom veranschlagten maximalen Strom meines Geräts dahinter? Das wären beim 150VA-Ringkerntrafo max. 90W und bei den beiden Meanwell-Schaltnetzteilen rund 160W. Alles zusammen gerade mal 250W also knapp über 1A @230V. Oder wähle ich ein bißchen Reserve und einen



3A-Netzfilter. Oder spielt die Hauptrolle der Einschaltstrom, der im Fall des Ringkerntrafos weit im zweistelligen A-Bereich liegen kann, bei den Schaltnetzteilen ebenso und vom Hersteller mit max. 50A angegeben ist (bei beiden zusammen daher 100A). Ich habe hier mehrere Schaffner-Filter (vermutlich die mit 6A), hinter denen bis zu 7 dieser Ringkerntrafos parallel(!) in Betrieb waren.


- Wurden die Schaffner-Netzfilter möglicherweise als Einschaltstrombegrenzung für die Ringkerntrafos eingebaut? Mich hat's im Nachhinein gewundert, daß die 230V-Versorgung in der Büroumgebung mit handelsüblichen 16A-Sicherungsautomaten funktioniert hat. Meine Erwartungshaltung für den Normalfall ist, daß 16A-Automaten (mit üblicher "Haushalts-"kennlinie) beim Einschalten mehrerer dieser Ringkerntrafos über einen Schalter zumindestens manchmal auslösen müßten.


- Die beiden Schaffner-Baureihen unterscheiden sich in einem relevanten Punkt: bei den FN343 ist im Erdleitungsdurchgang eine Induktivität, bei der Baureihe FN680 nicht. Welchen Zweck verfolgt diese Induktivität in der Schutzerdezuleitung? Ich habe nur eine Idee, denn diese Industrieanlagen standen teils in der Nähe von Generatoren, also großen Stromerzeugern, wo ich ein "unübliches" Verhalten vom Erdpotential vermute. Dann wäre das vermutlich eine Methode Störungen von draußen über diesen Weg zu dämpfen. Aber sonst?



Meine Fragen in Kurzfassung: Ist der Einbau eines Netzfilters empfehlenswert? Wenn ja, wie ist er zu dimensionieren?



Gruß, Ralf


Dumm gefragt als Maschinenbauer: Was ist ein Netzfilter?

In der Regel soll er imho das Netz vor Störungen schützen. Beides, Trafo, Gleichrichter, Elko und gut designtes, hochwertiges Netzteil tun das hinreichend selbst und machen weiteres überflüssig.

Oder geht es um Schutz Deiner Anwendung vor Störungen aus dem Netz? Das mag industriell durchaus ein Thema sein, bei Dir wohl eher nicht. Und auch da reicht die bereits gegebene Entkopplung m.E. vollkommen aus.

Aber als Laie werde ich hier vielleicht großen Widerspruch ernten -- und dann gleich etwas lernen dabei.

Am 07.02.2026 um 17:38 schrieb Axel Berger:

Ich nehme an er will das Netz vor den Störungen aus den Schaltnetzteilen schützen.

Er kann ja 'mal in meinem Public Webspace schauen - Jsyuan EMI-Filter

Wenn ich mir Ralfs Haushalt vorstelle und überlege, wieviele Schaltnetzteile da jetzt ohnehin schon immer vorhanden sind, scheint mir das sinnlos. Es sei denn, irgendetwas auf der Sekundärseite hinter den Netzteilen produziert so starke Störungen, daß sie vom Netzteil selbst nicht hinreichend gefiltert werden.

Aber in dem Fall hätte Ralf es sicher dazu gesagt, also vermute ich eher "run of the mill" Anwendungen.

Nur am Rand: in jedem Haushalt sind heutzutage dutzende Schaltnetzteile beginnend bei den LED-Leuchten. Da ist meiner sicher nicht auffällig. Und ich reduziere sie gerade maßgeblich, weil ich viele durch den Ringkerntrafo sowie nachgeschaltete DC-DC-Wandler ersetze. D.h. die Wandwarzen für Fritzbox, DECT-Ladeschale, Raspis, NAS-Server, Router, Switche und vielen weiteren Kleinkram entsorge ich damit.

Störungen von meiner Niedrigstspannungsseite ins Netz betrachte ich hier als nicht relevant, denn die Meanwell-Netzteile sind bereits für den direkten Anschluß ans Netz vorgesehen und haben die üblichen Prüfzeichen. Und was durch den Ringkerntrafo von drinnen nach draußen gehen sollte ... Nun denn, dort auf der 24V-Seite sorge ich bereits für "Ordnung", denn das soll zuverlässig funktionieren :-)

Ich mache mir eher Gedanken um das, was über die 230V-Leitung kommen kann. Hier an meinem neuen Wohnort haben wir die Versorgung noch(!) jahrelang über Freileitungen über die Dächer. Zudem sitze ich so ziemlich am Ende vom Zweig ab dem Ortsnetztrafo, d.h. ich "sehe" das Gewackel im Spannungsverlauf. Ab da kann ich nur vermuten: alter, fix eingestellter Ortsnetztrafo und mittlerweile diverse Wärmepumpen und Stromautos am Netz. Daher gehe ich davon aus, daß ab und zu ein paar Spitzen auftauchen, die ich nicht intern haben möchte. Einen direkten Blitzeinschlag in die Freileitungen kann ich selbstverständlich nicht ausbügeln, aber für irgendwas dazwischen möchte ich ein kleines "Hindernis" schaffen.

Darüber hinausgehend stellte ich die Frage in den Raum, ob solche Netzfilter als Poor-Man's-Einschaltstrombegrenzer dienen, denn das sinnvolle Einschalten von Ringkerntrafos ist eine (teure) Wissenschaft für sich.

Gruß, Ralf

OK. Ich neige dazu, das bereits in den Geräten vorhandene für ausreichend zu halten.

Ja. Hattest Du nicht gesagt, der sollte 24/7 im Dauerbetrieb laufen? Für so seltene Ausnahmen reichen Billigschalter lange genug.

Ich frage mich, weswegen man seinerzeit im Anlagenbau einen solch teuren Aufwand trieb. Irgendeinen Nutzen und Sinn mußte es haben. Diese Netzfilter kosten heute ab 40EUR. BTW die seinerzeit eingebauten Schalter habe ich vorhin erst genauer angeschaut und danach gestartpagt: von ETA zweipolig mit Sicherungsautomat drin. Heutiger Preis ab 50EUR. Wie gut, daß ich mir vor ein paar Jahren abgebautes Material gerettet habe :-)

Nicht zu vergessen: ich baue ein Gerät, das dauerhaft und somit auch unbeaufsichtigt läuft.

Es geht drum beim (seltenen) Einschalten mir den Weg zum Sicherungskasten zu ersparen und weiterhin das dadurch "harte" Runterfahren anderer Rechner an derselben Sicherung zu vermeiden.

Einen Schalter bekommt dieses Gerät für den Ringkerntrafo sowieso nicht. Stecker rein und Trafo unter Spannung. Schon bei meinem älteren Eierkocher in der Küche wurde auf einen Schalter verzichtet. Schukostecker halten sehr viel länger :-)

BTW ich stelle die Frage auch deswegen, weil ich den Aufbau eines Retrorechners mit diesen Netzteilen plane, bei dem veraussichtlich vier dieser Trafokarten parallel laufen und gleichzeitig eingeschaltet werden. Dafür habe ich allerdings bereits in einen echten Einschaltstrombegrenzer investiert.

Gruß, Ralf

Der entspricht dem einfacheren der beiden genannten Schaffner-Filter, nur eben nicht aus Europa. Die Bilder sind für mich ohne Erläuterung wenig aussagekräftig.

Gruß, Ralf

Interessant ist die Übertragungsfunktion, das was sich der Chinese gedacht hat.-

Das Chinesische Filter ist auch 2-Stufig. Wesentlicher Unterschied ist der Preis AliExpress 4.89 €

Wenn Du willst, kannst Du ja das 9-fache in D bezahlen.

Grüße

Mir sieht das überhaupt nicht danach aus, wie wenn ein Chinese dabei was gedacht hätte. Das ist eine Kopie der Schaffner-Filter, die bereits genau so in den 1980ern lieferbar waren. Möglicherweise ist das noch nicht mal Schaffner-, sondern Lehrbuchwissen :-)

Übertragungsfunktion sagt mir hier leider nichts.

Ich habe eine gewisse Auswahl an Schaffner- und Corcom-Filter in der Bastelkiste, so daß ich nichts einkaufen brauche.

Aber ich fragte nach der Dimensionierung. "Dein" chinesisches Teil ist für 10A dimensioniert und entspricht bei den Werten der inneren Bauteile ungefähr dem, was Schaffner angibt ins 10A-Teil eingebaut zu haben. Insofern schenken sich die 10A-Teile bei der Papierform nicht viel. Nur steht die Frage für mich im Raum, ob ich ein 2,5A- bzw. 3A-Teil einbaue, von denen ich welche vorrätig habe. Denn die haben andere innere Werte und filtern möglicherweise besser. Nur bin ich eben kein Analogauskenner :-( ... weswegen ich hier frage.

Gruß, Ralf

Am 08.02.2026 um 00:20 schrieb Ralf Kiefer:

Theor. Übertragungsfunktion ist das, was sich der Chinese gedacht hat.-

Die gemessene Übertragungsfunktion findest Du in dem Bild Gain_EMI_Filter.

Grüße

Am 08.02.2026 um 00:20 schrieb Ralf Kiefer:

Ich habe hier ein Schaltnetzteil von einem 12 Bit Rigol DSO, seines Zeichen von LiteOn. Das bringt mir ekelhafte Impulse über die Netzleitung bis in andere Geräte hinein. Sogar auf der DC-Seite meiner hochwertigen Lab-Netzgeräte finde ich diese Impulse wieder.

Dafür baue ich dieses Netzfilter (muss ich 'mal fertigbohren und schrauben).

Ich hasse Schaltnetzteile die herumsauen, und das tun die alle.

Grüße

OK, dann hast du Deine Antwort. Die Filter sind vorhanden und Du fühlst Dich wohler damit. Nachteile: keine, die mir spontan einfallen.

Ja, kenn ich... Ich hab einen 700W Regeltrenntrafo der wohl noch aus der Zeit stammt als Schmelzsicherungen normal waren. Ohne Einschaltstrombegrenzung löst der zuverlässig die Sicherung aus.

Gerrit

Hallo Ralf,

Am 07.02.26 um 13:40 schrieb Ralf Kiefer:

Ich sehe den Sinn nicht so richtig. Laut Datenblatt sind die LRS-100 konform zu EN55032 Class B (Haushalt und leichte Industrieumgebungen). Von dem Ringkerntrafo würde ich keine Probleme erwarten (jedenfalls keine, die Du mit einem Netzfilter beseitigen könntest). Davon abgesehen gehe ich davon aus, dass das Gerät herstellerseitig auch die einschlägigen EMV-Vorschriften eingehalten hat.

Wenn Du unbedingt willst: Ja, so würde ich das machen (aber: siehe oben).

Mit Sicherheit nicht, dafür sind sie weder gedacht noch geeignet. Bei einem 150 VA-Trafo würde ich selbst an einem B10-Automat keine Probleme erwarten. In der Leistungsklasse hatten wir bei meinem vorigen Arbeitgeber auch keinen Softstart drin und mir ist nicht bekannt, dass es da irgendwie Probleme gegeben hätte. (So ab 500 VA ist Softstart bei Ringkerntrafos schon sinnvoll, sonst hast Du bei Automaten mit B-Charakteristik Probleme.)

Für die Schutzleiterdrossel an dieser Stelle beim FN343 hab ich auch keine Erklärung. Das FN680 hat aber zusätzlich zur Gleichtakt-Drossel noch eine Gegentakt-Drossel drin (gegen Probleme mit Gegentakt-Störungen).

Wie gesagt, ich sehe da keinen richtigen Sinn drin.

Grüße, Markus

Ralf Kiefer wrote on 07.02.2026 13:40: [...] Ich habe hier mehrere

Ganz sicher nicht. Ein Netzfilter hat einen Frequenzbereich, der solches nicht erlaubt.

Netzfilter sind umso wirksamer, je weniger Strom sie führen können. Bei Dir würde ich ein Filter mit Nennstrom 2A wählen.

Nein. Eine Einschaltstrombegrenzung sollte ab 300..500 VA Ringkern berücksichtigt werden. Draht-Widerstand 15..50 Ohm, 25..50 W, im messingfarbenen Kühlrippengehäuse. Widerstand durch Relais-Kontakt 15..30A nach 0,1..0,3 s überbrücken.

Hochfrequente Ströme sollen gedämpft werden.

Verwende eine Induktivität, die den maximal vorkommenden Strom dauerhaft führen kann. Der maximal vorkommende magnetische Fluß muß vom Kern geführt werden können. Die Kondensatoren sollten 600V haben und ausgewiesene X- und Y-Kondensatoren sein. Deren Kapazität sollte vom geeigneten Gehäusevolumen abhängig sein.

Markus Faust wrote on 08.02.2026 11:00:

Es kann sein, daß Filter für den Medizin-Bereich solches fordern.

Am Sa.,07.2.26 um 13:40 schrieb Ralf Kiefer:

Von gebrauchten Kaltgerätestecker-Netzfiltern, die >100000h am Netz hingen rate ich ab. Auch bei wenig genutzten Geräten übersieht man oft, dass der Filter jährlich 8650h dem Netzstress ausgesetzt ist und irgendwann mit elendigem Gestank aufgibt.

Danke für die Argumente :-)

Ich fasse zusammen: Solche Filter sind als Einschaltstrombegrenzer nicht zu gebrauchen, also entfällt dies als möglicher Nutzen. Sowohl die Meanwell-Schaltnetzteile wie auch der Ringkerntrafo brauchen keine weiteren Vorkehrungen, weil sie, jedes Teil für sich, die notwendigen technischen Eigenschaften selbst mitbringen.

Dazu mein Gedanke: jedes Bauteil, das nicht benötigt wird, darf entfallen, denn das kann schon nicht kaputt gehen. Die tief hängende Qualmwolke im Zimmer von Rifa-Entstörkondensatoren aus Retrorechnern kenne ich. Sowas vermeide ich gerne.

Für in Planung befindliche (Retro-) Rechner mit großen Netzteilen habe ich bereits spezielle Einschaltstrombegrenzer beschafft, einen von Block mit 60msec Verzögerung für Schaltnetzteile sowie einen von Meanwell mit etwas längerer Verzögerung (300msec AFAIR) für mehrere dieser Ringkerntrafokarten, die gleichzeitig eingeschaltet werden.

Die Frage, weswegen solche Netzfilter in den 1980ern und 1990ern üblicherweise eingebaut wurden, bleibt einfach mal unbeantwortet. Vielleicht finde ich einen von denen, die damals beim Konzept beteiligt waren, und frage diese heutigen Rentner :-)

Gruß, Ralf

Der Hersteller existiert nicht mehr, ich habe kein Datenblatt und auf den Karten sind keine Kennzeichnungen in diese Richtung. Diese Trafokarten wurden in den 1980ern und 1990ern in Automatisierungs- und Fernwirktechnik eingebaut, so daß ich davon ausgehe, daß sie damalige Regeln einhielten. Und technisch betrachtet: diese Trafokarte besteht aus dem Ringkerntrafo, aus vier von mir ausgetauschten X2- und Y2-Kondensatoren (jetzt 300V, im Original 275V) sowie einem klassischen Brückengleichrichter mit großen Siebelkos dahinter. Das, was stören könnte, ist alles dahinter.

Ich übernehme diese Ansicht :-)

Gruß, Ralf

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