Elektrogerät mit Spannung auf dem Gehäuse

Jun 16, 2026 Last reply: 4 weeks ago 22 Replies

Hallo,



eine weniger wissenschaftliche, eher praktische Frage zum Fehler einer Schlagbohrmaschine: das Gerät ist von Metabo und hat viele Betriebsstunden problemlos absolviert. Das ist insbesondere kein CE (Chinese Engineering)-Produkt. Dieses Gerät hat ein Gehäuse aus Kunststoffteilen, gummierten Teilen (Griff) sowie Metallgehäuse rund um Motor, Getriebe und Schlagwerk. Aber dieses Gerät hat nur einen zweipoligen "Schuko"-Stecker ohne Schutzerde, was mich etwas erstaunt, und weswegen ich den Hersteller betonte.



Meine bisherige Annahme dazu war, daß solch ein Gerät selbstverständlich mit PE verbunden sei alleine um den Fall abzudecken, daß ich beim Bohren unabsichtlich eine spannungsführende Leitung treffe, um dadurch den Schutzschalter (Sicherung/FI) auszulösen.



Das auffällige Verhalten: vor ein paar Betriebsstunden fiel dem Besitzer mal auf, daß es etwas "bitzelt", wenn er ans Gehäuse faßt. Gemeint der Metallteil und nicht der gummierte Griff oder das Kunststoffende mit dem "Gasgriff". Erstmal nicht beachtet. Heilt von selbst, oder so :-) Dieser Tage "bastelten" wir gemeinsam, und ich berührte den Mann an der Maschine mit beidseitig deutlicher Wahrnehmung von Spannung.



Also erstmal Kabel angeschaut (optisch fehlerfrei), andere Steckdose probiert und Voltmeter geholt. Fakt: auf dem Metallgehäuseteil liegt Wechselspannung von rund 3V oder 60 bis 70V an je nach Richtung vom Stecker in der Steckdose gemessen gegen Schutzerde. Der Fehler wandert mit dem Wechsel der Steckdose mit, die Spannung ist selbstverständlich sofort weg, wenn das Gerät ausgesteckt wird. Die am Gehäuse anliegende Spannung schwankt deutlich je nach Drehzahl und Last des Motors. Bei drehendem Motor können sogar >80VAC anliegen oder auch nur <30VAC.



Was könnte die Ursache sein?



Die weitergehende Frage zielt natürlich auf die Wirtschaftlichkeit eines Reparaturversuchs: direkt entsorgen oder schrauben?



Gruß, Ralf


Meine Glaskugel sagt: Isolationsfehler im Rotor des Motors oder am Kommutator. Je nachdem an welcher Kohle gerade der Nullleiter liegt (Umpolung des Steckers) und wieviel "Gas du gibts" kommet eine entsprechend hohe Spannung an der Rotorwelle zu liegen, die dann uebers Getriebe an das Metallgehause weitergeleitet wird.

Ein Defelt im Stator ist eher unwahscheinlich weil der normalerweise im Plastikteileingebettet ist und keine elektrische Verbindung zum Metallgehause hat.

Kommt drauf an ob du den Fehler eindeutig einkreisen kannst. Auf Verdacht Rotor (oder Stator) zu tauschen ist risikabel weil die Ersatzteile nicht ganz billig sind. Wenn man die Maschine mag und die Mechanik noch in guten Zustand ist wuerde ich reparieren. Habe de fakto mal bei meinem Metabo Bohrhammer sowohl Stator als auch Rotor getauscht, weil der Motor die Graetsche gemacht hatte. Mit Lagern und Kleinteilen lief das so auf ca. ein Drittel des Neupreises hinaus. Aber das war es mir wert.

P.S.: Preissetzung von Metabo Ersatzteilen ist stochastisch. Es lohnt sich im Netz nach dem billigsten Anbieter zu suchen. Der Unterschied zwischem billigsten Anbieter und Metabo-Listenpreis kann durchaus ein Faktor 2-3 sein.

Gruss Klaus

Vermutlich ist der Metallteil irgendwie innen noch schutzisoliert.

Das kannst du durchaus bei vielen Geräten haben.

Funkentstörkondensator? Das interessante ist na nicht, ob da 70V anliegt, sondern ob nennenswert Strom bei dieser Spannung fließt.

/ralph

Ralf Kiefer wrote on 16.06.2026 18:46:

Das muß dann ein schutzisoliertes Gerät sein, mit verstärkter Isolation. Ist da ein grafisches Symbol, das Schutzisolation anzeigt?

Ich sehe da nur die Möglichkeit, das Innere freizulegen und zu untersuchen.

Ich hätte über 100 % geschätzt. Bei einem Drittel und hochwertiger Qualität lohnt es sich.

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Ich wollte das Experiment mit den knapp 70V ungern wiederholen, weil das zuvor doch leicht unangenehm war. Denn wir standen in diesen Momenten mit dicken Sohlen auf staubtrockenem Kellerboden und hatten uns nicht mal Haut zu Haut berührt, sondern durch T-Shirt durch, oder so.

Gruß, Ralf

So was?

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Diese Schutzisolation ist dann wohl kaputt.

Das dürfte dann nur der Ursachenforschung dienen und keine Chance auf Reparatur bedeuten. Vermutlich.

Gruß, Ralf

Das klingt für mich plausibel :-)

Zzgl. die Zeit. Und das Risiko nicht erfolgreich repariert zu haben.

Mal drüber nachdenken :-) Zerlegen, forschen, dabei erkennen, wie die Maschine ansonsten innen aussieht, und dann abwägen.

Guter Hinweis.

Gruß, Ralf

Am 16.06.26 um 18:46 schrieb Ralf Kiefer:

So eine haben wir auch noch. Dürfte rund 45 Jahre auf dem Buckel haben. Eigentlich waren es mal zwei, aber bei einer (mit noch mehr Betriebsstunden) ist vor gut 10 Jahren der Schalter zerbröselt - leider wenige Monate nachdem Metabo die Ersatzteile für die alte Serie entsorgt hat.

Diese Stecker sind Konturenstecker. Die verwendet man, wenn die 2,5A der Eurostecker nicht sicher ausreichen, aber das Gerät trotzdem Schutzklasse II ist.

Ich kenne eigentlich keine Handbohrmaschine mit Schutzklasse I.

Mit Spannungsmessung kommst du da nicht weit. Die Impedanz ist sehr hoch, so dass bei Berührung des Metallgehäuses sofort ein Kurzschluss entsteht und die Spannungsmessung einbricht.

In der Sache ist es ein Kriechstrom. Solange er nicht zu groß ist, ist das erst mal ungefährlich. Zulässig wären 500µA. Davon geht kein Mensch kaputt, aber das spürt man schon deutlich.

Kohlenabrieb in Kombination mit klebrigem Gimmel der Jahrzehnte, der selbigen an Ort und Stelle hält.

Mach die Kiste auf und reinige sie mal etwas. Danach sollte wieder Ruhe einkehren.

Eindeutig schrauben. Die alten Metabos sind nahezu unkaputtbar. Guck gleich auch mal, wie weit die Kohlen runter sind. Nicht dass da gleich die nächste Überraschung lauert.

Marcel

Genau, dieses verschachtelte Doppelquadrat.

Das Innere freizulegen, sollte man mindestens machen. Kann leichter reparierbar sein, als man denkt. Zuerst mit Preßluft reinigen...

Es gibt auch Isolier-Sprühöl gegen Korona-Effekte, etc.

Für mich eher nicht, weil Schutzisolierung sollte eine wirklich starke Isolation bedeuten. Weiterhin ist Metabo eine alte und gute Marke.

Na ja, ich weiß nicht, wie sehr die Maschine gequält wurde... Ich habe noch eine AEG SB2E-600 von 1973 - auch schutzisoliert, metallisches Getriebegehäuse.

So weit, so normal und auch bei meiner AEG 2B2E 1200 RST sowie der Hilti TE 10 in meinem Bestand und ausnahmslos allen netzbetrieben Bohrmaschinen meiner Spezl der Fall.

Das ist- solange sie die Voraussetzunugen für Schutzklasse II: "verstärkte oder doppelte Isolierung in Höhe der Bemessungsisolationsspannung zwischen aktiven und berührbaren Teilen" erfüllen...

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... auch zulässig, unabhängig von berührbaren Metallteilen, wie Du auch an jedem HiFi-Gerät der 1990er und 2000er sehen kannst. "C E" krankt meist an den X/Y- Kondensatoren oder der mangelhaften Isolation zwischen Primär- und Sekundärseite, z. B. auf der Ülatine oder im Übertrager. Der YT-Channel "Diode Gone Wild" hat eine sehr lustige bis besorgniserregende Reihe von USB- Wandwarzen-Fails:

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Diese Berührspannung ist bei Entstörung mit X2- und Y2-Kondensatoren keine Seltenheit, hatte ich bisher aber nie an Bohrmaschinen, sondern eher Geräten mit Schaltnetzteil.

Relevant ist nicht die Spannung, sondern der Strom, der sich gegen Schutzerde ableiten lässt, wenige uA schon spürbar.

Alles zwischen "keine" und irgendwelcher Gammel im Inneren (z. B. Abrieb von Kommutatorkohlen und Lagerfett oder einfach irgendwelcher Bohrstaub), der sich angesammelt hat, falls das Verhalten im Neuzustand nicht vorhanden war. Die ollen Teile lassen sich auf gut zerlegen, reinigen und warten, wie ich von meiner Hilto bstätigen kann. Da lohnte sich auch ein Austausch der *sic* PVC- Leitung mit sich anbahnendem Kabelbruch an der Zugentlastung gegen ein Gummikabel mit angespritztem Konturenstecker. Gibts m. E. n. von Lapp.

Schrauben. Gute(!) Schlagbohrmaschinen oder Bohrhämmer kosten auch 2026 noch eine Stange Geld:

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bei Geräten für Handwerker musst Du Dich stabil hinsetzen.

Volker

Wenn Du 70V _gemessen_ hast, besitzt Du ausreichend Kompetenz umd ohne Lebensgefahr mit demselben Messgerät auch den Strom zu messen.

Volker

Helmut Schellong schrieb am 17.06.26 um 00:09:

Das müsste "verstärkte" Isolierung (z.B. 3fach gelackter Draht) oder doppelte Isolierung (gelackter Draht + Isoschlauch) sein. Kann passieren, dass die Isolierung versagt. Bei Großmotoren ist das wahrscheinlich einer der häufigsten Ausfallgründe (neben Lager).

(Deshalb ist ja auch "empfehlenswert", Elektrogeräte 1x pro Jahr zu prüfen.)

Hier könnten aber auch die EMV-Kondensatoren kaputt gegangen sein.

Jan

Jan Schmidt wrote on 17.06.2026 10:21:

Man weiß es halt nicht. Daraus folgt Spekulation, mit der man eigentlich nicht weiterkommt. Deshalb schrieb ich zu allererst: das Innere freilegen und prüfen.

Am 16.06.26 um 18:46 schrieb Ralf Kiefer: (...)

Wurde/wird das Gerät in einer Umgebung betrieben in der mit Kohlefaser gearbeitet wird?

Bernd

Am Wed, 17 Jun 2026 09:27:51 +0200hat Volker Bartheld snipped-for-privacy@bartheld.net geäußert:

Das wäre auch meine Empfehlung. Häufig ist "Spannung" nur "Ladung". Willi

Am Di.,16.6.26 um 18:46 schrieb Ralf Kiefer:

Da könnten Y-Kondensatoren zur Funkentstörung verbaut sein. Gemessen mit Ri 10M Ohm? Messung mit Drehspulinstrument mit kleinerem Ri wiederholen.

Klarheit bringt neben aufmachen und nachsehen (da kann man gleich mal innen saubermachen): Isolationsmessung, Ableitstrommessung, Kapazitätsmessung.

Am 19.06.2026 um 18:28 schrieb Wolfgang Martens:

Eindeutig Isolationsfehler , wurde oben bereits beschrieben.

[...]

So isses. Das hatte ich auch schon. Es ist verblueffend, was nach Jahrzehnten intensiver Nutzung an braeunlicher Masse rausgeprokelt werden kann. Dabei kann man auch gleich mal nach den Motorkohlebuersten schauen und am besten neue reinsetzen. Eine Metabo sollte danach bis zum Umzug ins Altenheim weiterlaufen und vererbt werden koennen.

Ich habe meine Metabo im Alter von 15 zu Weihnachten bekommen. Mehr als

50 Jahre spaeter laeuft sie immer noch, obwohl ich damit brachiale Arbeiten erledigt habe. Z.B. rund 50 Betriebsstunden in je 4-5h Dauerlauf-Episoden zum Absanden eines riesigen Holzbalkons mit 60er Papier auf Schmirgelteller. Diese 230V Maschine laeuft nach Uebersee-Umzug ohne Murren an 120V mit akzeptablem Drehmoment, sodass ich nichtmal den Vorschalttrafo rumschleppen muss. Das ist noch echte deutsche Wertarbeit.

Die von Opa (hatte er in der 50ern gebraucht gekauft) koennte rund 100 Jahre alt sein und laeuft ebenfalls problemlos:

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Bei der kann man die Kohlen per Bakelitschrauben von aussen wechseln und das vordere Lager hat Schmiernippel. Laeuft langsam und laut, Drehmoment ohne Ende. Die Maschine koennte von Fein oder von Metabo sein. Wenn jemand diese Maschine erkennt, waere ich fuer einen Hinweis dankbar.

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