"Arbeitsplatzbrille" fuer Elektronik-Arbeit?

Jan 05, 2023 Last reply: 3 years ago 219 Replies

Seit einigen Jahren trage ich billige Lesebrillen (mittlerweile mit +3 Dioptrien) am Arbeitsplatz. In die Ferne komme ich noch passabel ohne Korrektur zurecht, auch wenn ich nominell +1 Dioptrien dafür brauchte.



Real scheint für meine Arbeit am PC mit etwa 50-60cm entferntem Laptop-Bildschirm eine Lesebrille mit +2,0 bis 2,5 optimal, für die Fehlersuche und Repartur auf Platinen mit SMD-Bestückung setzte ich bisweilen auch eine +4 Dioptrien Lesebrille "zur Vergrößerung" auf.



Nun bewerben Augenoptiker sogenannte "Arbeitsplatzbrillen" - also Gleitsichtbrillen für den Bereich von 40 bis 100cm Seh-Entfernung. Das hört sich prinzipiell nicht dumm an.



Hat jemand der hier mitlesenden Alters-Weitsichtigen so eine moderne Arbeits-Gleitschichtbrille in Benutzung? Nutzt Ihr lieber verschiedene Lesebrillen für verschiedene Arbeiten? Nutzt Ihr gar die "normale" Gleitsichtbrille auch beim Löten?



Ich würde gerne nicht ganz unvorbereitet zum ersten Augenoptiker-Besuch aufbrechen...



TIA Andreas


Vor Jahrzehnten hatte ich mal eine Gleitsicht-Brille. Um eine Treppe runterzugehen, musste ich den Kopf stark runterbeugen, und am Schreibtisch musste ich ihn weit in den Nacken legen, weil der Monitor auf dem Desktop und dieser auf dem Bernoulli-Drive stand. Ich meine, der Mehrpreis für eine Gleitsichtbrille lohnt sich nicht.

Grüße, H.

Am 05.01.2023 um 14:15 schrieb Andreas Oehler:

Ich benutze am Schreibtisch, am Computer eine Brille mit +2.5. Zum Lesen in Büchern mit kleinen Buchstaben benutze ich eine mit +3.5. Letztere nehme ich auch an der Werkbank.

Für schwierige Fälle an der Werkbank habe ich eine Kopfband-Lupen-Brille mit Vergrößerung 3.5, die ich zusammen mit einer Brille verwenden kann.

Sowas ähnliche:

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Grüße

Am 05.01.23 um 14:15 schrieb Andreas Oehler:

Ist bei mir ähnlich, bei geringerer Fehlsichtigkeit. Ich war früher (leicht) kurzsichtig, später kompensierte die Altersweitsichtigkeit das weitgehend und ich brauchte keine Brille mehr, inzwischen hab ich wieder eine Brille für den Nahbereich (+1,25 oder so, plus Zylinder).

So was hab ich. Geradeaus guckend für den Abstand zum Monitor, nach unten kürzer, zum Lesen irgendwelcher Notizen oder Dokumente. Paßt inzwischen nicht mehr ganz - der Monitor ist schärfer, wenn ich durch den unteren Teil der Brille gucke - aber noch ausreichend. Meinte auch die augenärztliche Routineuntersuchung meines AG.

Die Brille war nicht billig, aber hat sich sehr bezahlt gemacht (ist schon recht alt, 8-10 Jahre?). Als ich zum ersten Mal damit auf meinen Monitor guckte, sah ich Pixel, das hatte ich lange nicht mehr :)

Ich hab mir, als die Altersweitsichtigkeit zu stören begann, zunächst mit billigen "Notbrillen" für 7 EUR oder so beholfen. Da ich aber gerne scharf sehe, und absehbar die Brille arbeitsbedingt viel nutzen würde, hab ich nicht gespart. Arbeitsplatzbrille, rahmenlos, superleicht, superentspiegelt, Kunststoffgläser kratzfest, ungetönt war ungefähr meine Wahl. Wobei die Wahl des Brillenrahmens Geschmackssache ist. Ich wollte aber eine möglichst leichte Brille, die nicht auffällt und möglichst wenig Rand im Sichtfeld habe (auch wenn man sich dran gewöhnt), damit ergab sich das rahmenlose Modell. Damals waren das insgesamt so 700 EUR, gut angelegtes Geld.

Wichtig: Der Optiker muß gut sein, was die Bestimmung der Gläser anbelangt, und sich dabei Zeit lassen. Meiner meinte damals "egal was der Optiker für Stärken aufgeschrieben hat, wir können das besser, wir haben da einfach mehr Routine" und es hat wirklich gut gepaßt. Mit einer schlecht angepaßten Brille wirst du sicher nicht glücklich, das kann man auch mit den billigen Fertigteilen haben.

Ich benutze die Brille für den gesamten Nahbereich, aber setze sie ab, wenn ich vom jeweiligen Arbeitsplatz aufstehe. Lästig, ja, aber wenn sich meine Augen zu sehr an die Brille gewöhnen, werden sie vermutlich schneller schlechter. Bisher geht das sehr langsam, siehe oben.

Für Feinarbeiten benutze ich die Kopfbandlupe Donegan Optivisor (hatte Joerg mal empfohlen) 2,5-fach, über der Brille aufgesetzt. Tut prima.

HTH.

Hanno

Fürn Computer geht Gleitsicht, zum Löten nicht weil näher ran mußt.

Über 2 gehen Gleitsichbrillen nicht mehr für alles oder man wird schwindlig.

Also eine fürs Auto, eine für Katzenvideos, und darüber die billigen vom Flohmarkt.

Optiker sagen man soll die Brillen immer tragen. Der hat keine Ahnung. Weg die Brille sooft es geht.

w.

Am 05.01.23 um 14:15 schrieb Andreas Oehler:

Sinnvoll.

Das ist m.E. zum Teil Geldmacherei. Das ist halt gesetzlich unterstützt, und muss ggf. vom Arbeitgeber übernommen werden. Deshalb werden die einem an allen Ecken angedreht. Sinnvoll ist es m.E. nur zum Teil. Gleitsicht macht man, weil der Wechsel der (Lese)Brille nervt, bzw. die richtige Brille nicht immer überall greifbar ist. Das ist sinnvoll, aber eben auch ein Kompromiss.

Gleitsicht jetzt nur für einen kleinen Bereich zu machen, ist m.E. nur begrenzt sinnvoll. Damit wird die Akkommodation des Auges noch fauler gemacht und lässt entsprechend noch schneller nach. Sinnvoller wäre m.E. für den Arbeitsplatz eine Festbrennweite. Die kann ruhig auf 80cm oder so ausgerichtet sein. Das entlastet das Auge schon deutlich, da es die Linse statt auf +2dpt nur noch um +0,75dpt zusammendrücken muss. Eine solche Brille ist auch um ein Vielfaches billiger.

Wenn natürlich das Auge schon so schlecht bzw. alt ist, dass auch +1dpt Akkommodation nicht mehr drin ist, ist eine Gleitsicht-Arbeitsplatzbrille durchaus sinnvoll. Aber sie schon

50-jährigen "serienmäßig" anzudrehen, halte ich für überzogen. Da ist eine klassische Lesebrille mit +1 bis +1,5dpt völlig hinreichend.

Ich habe eine normale Gleitsichtbrille, weil ich mich mit dem kompletten Bereich schwer tue. Meine Frau hat die Arbeitplatz-Version davon. Sie beschreibt es natürlich als bequem. Aber das umschalten auf abweichende Entfernungen fällt ihr mittlerweile wesentlich schwerer als mir (es dauert länger), obwohl ich eigentlich der mit den schlechten Augen bin.

Nur wenn ich vergessen habe, sie abzusetzen. ;-) Ansonsten nutze ich eine alte Brille. Da ich mit den Jahren immer kurzsichtiger geworden bin - niemand weiß warum - hat diese faktisch die Sehstärke einer klassischen Lesebrille. Da ich für Fernsicht bei ca. -5dpt hänge, setze ich die Brille manchmal auch komplett ab, damit komme ich auf 10cm ran. Eingebautes Makro ;-)

Die verkaufen Arbeitsplatzbrillen natürlich wesentlich lieber, schlicht weil sie mehr Gewinn abwerfen.

Falls du dich mit der Akkommodation ohnehin schon recht schwer tust, kannst du dir eine solche natürlich auch für kürzere Entfernungen fertigen lassen. Beispielsweise +2dpt zu deiner normalen Sehstärke im Fernbereich - das wären dann 50cm - und +4dpt im Nahbereich (25cm). Wenn dein Auge noch ein bisschen kann, gehen mutmaßlich auch noch 15cm. Das ist schon eine merkliche Vergrößerung. Das ist halt eine Frage des Preises und der Häufigkeit der Nutzung für diesen doch schon recht speziellen Anwendungsfall.

Tatsächlich macht mir die Oberflächenspannung des Lötzinns und das nicht mehr ganz so ruhige Händchen mehr Schwierigkeiten beim SMD-Löten als die Sicht. Aber demnächst muss ich nochmal an TSOP mit 0,5mm Pinraster ran; mir graut schon davor.

Marcel

Andreas Oehler schrieb:

Bin seit dem 18. Lebensjahr kurzsichtig und brauche auf jeden Fall eine Brille zum Autofahren. Seit >5 Jahren kommt Weitsichtigkeit dazu.

Meine erste "Bildschirm-Brille" war auf ca. 2-3m in der Ferne und in der Nähe zum Lesen auf 30cm eingestellt. Damit bin ich gut klar gekommen, auch am Bildschirm. Mit einem Problem: Für Besprechungen, bei denen ein Beamer verwendet wurde, reichten die 2-3m nicht. Meine aktuelle Brille reicht deshalb etwas weiter.

Ja, und laufe damit auch zu Hause rum. Problem bei allen Gleitsicht- Brillen: Das Sehfeld ist seitlich eingeschränkt, je größer der Dioptrien-Unterschied, umso mehr. Man muss also den Kopf öfter drehen. Eine Bildschirm-Brille funktioniert für mich an einem Setup mit drei Monitoren, ein Versuch mit einer normalen Gleitsicht-Brille auch für die weite Ferne ist kläglich gescheitert. Auch wichtig: Mit so einer Brille ist scharf sehen sehr stark von der Kopf-Neigung abhängig. Da muss man mit der Höhen-Einstellung der Monitore experimentieren, damit es keine Nacken-Verspannungen gibt. Die Standard-Empfehlungen sind da nicht hilfreich.

Da würde ich wahnsinnig werden vor lauter Brillen-Wechsel. Aber bei mir ist ein Monitor in Armeslänge Abstand auch eher im Kurzsichtigkeits- und der Notizblock auf dem Schreibtisch im Weitsichtigkeits-Bereich. Wenn Du auch zum Arbeiten am PC eine Lese-Brille verwendest, könnte das anders sein.

Meine Weitsichtigkeit ist so, dass ich bei sehr kleinen Strukturen und geringen Abständen der Augen vom Objekt am besten die Brille absetze. Löten tue ich ohne Brille mit Lupenleuchte.

Augenoptiker, die Gläser von Rodenstock anbieten, bieten "biometrische" Gläser an. Da wird des Auge vermessen und die Gläser speziell angepasst. Meine aktuellen Brillen (Bildschirm-Brille und Sonnenbrille mit Gleitsicht) sind biometrisch und ich bin begeistert. Die seitliche Beschränkung ist weniger ausgeprägt. Ich schreibe hier mit dem Laptop auf dem Schoß und schaue gleichzeitig Nachrichten auf dem Fernseher. Biometrische Brillen sind nur schweineteuer.

CU, Christian

Am 05.01.23 um 14:15 schrieb Andreas Oehler: > Seit einigen Jahren trage ich billige Lesebrillen (mittlerweile mit +3 > Dioptrien) am Arbeitsplatz. In die Ferne komme ich noch passabel ohne > Korrektur zurecht, auch wenn ich nominell +1 Dioptrien dafür brauchte. >

Ich trage ganztägig Gleitsichtbrille. Für das arbeiten mit Elektronik (zuhause) optimal. Im Alltag muss man sich allerdings erst daran gewöhnen, das ist nicht ganz ohne.... Gute Gleitsichtgläser kosten gern 200-500€ (ohne Gestell)! Billiggläser sind insbesondere für Anfänger ungeeignet. Man findet den korrekten Punkt zum durchsehen nur schwer. Ergebnis: Schwindelgefühl, Übelkeit, man sieht noch schlechter als ohne Brille...

Deshalb: Eine Arbeitsplatzbrille beim Optiker holen (Einstärkenglas für ca. 80cm Abstand Auge - Monitor). Das würde mir mein Arbeitgeber spendieren.

Ich komme aber auch mit Gleitsicht klar. Problem ist aber die Kopfhaltung. Funktioniert bei mir gut, das kann aber auch leicht zu Verspannungen im Nacken führen.

Ich benutze tatsächlich zwei Brillen. Weil man beim Löten nicht auf den Bildschirm glotzt und weil man bei der Bildschirmarbeit nicht lötet. Und wenn es doch mal ein hin und her gibt, dann ist der Wechsel auch schnell gemacht.

MfG hjs

Am 05.01.23 um 21:13 schrieb Hans-Juergen Schneider:

Ganz im Gegenteil: Bei Fehlersuche, mit Schaltplan auf dem Monitor, hab ich das öfter. Den Optivisor kann man aber einfach hoch- und runterklappen.

Hanno

Am 05.01.2023 um 14:15 schrieb Andreas Oehler:

Das Problem habe ich auch und es muss es demnächst lösen. Bisher habe ich mit Erfolg bei extremen Sichtweitenänderungen zwei Lesebrillen kombiniert. Das sah in etwa so aus, wie bei dem Bastler im Film "Kundschafter des Friedens". (mehrfach aufs Bild klicken zum Vergrößern)

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Heinz Schmitz, 2023-01-05 14:29:

[...]

Seit dem hat sich aber auch manches verändert:

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Andreas Oehler, 2023-01-05 14:15:

[...]

Einen direkten Erfahrungsbericht kann ich nicht dazu abgeben, aber die Empfehlung, nicht einen Augenoptiker sondern gleich einen Optometrist aufzusuchen oder mindestens einen Augenoptiker, der explizt auch Optometrie anbietet. Da werden die Augen deutlich genauer vermessen und nicht nur mit verschiedenen Gläsern zum durchgucken.

Auch sollte die Beratung die Frage nach den konkreten Anwendungen für die Brille beinhalten. So habe ich etwa eine Fernsichtbrille für's Fahrrad, bei der die Gläser nach unten hin etwas gekürzt wurden, damit ich leichter unter der Brille nach unten schauen kann in der Nähe. Viele Augenoptiker hätten das vermutlich gar nicht in Betracht gezogen sondern einfach nur beurteilt, ob die Korrektur für die Fernsicht passt und die Brille dann für passend erklärt.

Das Problem ist, dass man mit starken Gläsern dichter ans Objekt ran muss. Bis hin zur Verschattung. Deshalb hatte ich mir bereits Anfang der Neunziger eine Eschenbach Fernrohrbrille gegönnt (kennt man vielleicht aus der Chirurgie). Das zwingt mich dann doch zum Wechsel.

MfG hjs

Der ganze Stolz der HA II/16.

scnr hjs

Am 06.01.23 um 02:26 schrieb Arno Welzel:

Das Messen können viele, aber das kann durchaus in die Hose gehen, weil die Messung die Akkommodation des Auges nicht direkt beeinflussen kann. Und wenn man damit ohnehin schon Schwierigkeiten hat, kommt bei der Messung schnell mal ein falscher Wert heraus, weil die Augenlinse eben doch nicht völlig entspannt war, wie es für die Messung unerlässlich ist. Das soll nicht heißen, dass es sinnlos wäre, nur dass es nicht prinzipsbedingt besser ist, als durch die Testlinsen zu gucken. Es geht nur schneller.

Marcel

Im Übrigen ist diese ganze Prozedur großer Schwachsinn. Da rappelt die Maschine irgendwelche Linsen vors Auge und man wird gefragt, ob es jetzt, oder anders, oder so, oder so, besser ist. Jedes stinknormale Opernglas kann man selbst stufenlos optimieren. Aber das haben diese Brillenäffchen noch nicht begriffen.

MfG hjs

Am 06.01.23 um 17:44 schrieb Hans-Juergen Schneider:

So einfach ist es dann doch nicht. Es gibt da mindestens noch den Parameter der Hornhautverkrümmung, wo man bei dem Linsenbaukasten einfach eine weitere Linse als Modifikator dazusteckt. Da würde man sich mit dem "Opernglas" schwertun.

Es gibt auch Geräte, in die man reinguckt, die dann eine Weile rappeln und hinterher bekommt man seine Fehlsichtigkeit ausgespuckt. Sind aber wohl nicht so genau. Mein Optiker hat damals diese Werte lediglich als Ausgangspunkt für Feinjustage mit dem Linsenbaukasten genommen.

Da ich mich mit dem Thema nicht groß auskenne, würde ich es außerdem für möglich halten, daß man an dem Linsenbaukasten noch ein paar mehr Dinge einstellen kann, von denen ich nicht mal was weiß.

Hanno

Na, das ist doch für ein Äffchen wie Dich *die* Gelegenheit, etwas tolles zu entwickeln und damit reich zu werden! Mach' hinne!

Nicht lange fackeln, lass' Backen wackeln!

Gruß

Gregor

Am 06.01.2023 um 17:44 schrieb Hans-Juergen Schneider:

Wo kann ich Deine Gleitsichtgläser mit stufenlos veränderbarer Brechkraft in allen Bereichen kaufen? Einstellung dann per App?

Bernd

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