Weller Lötpistole "tunen"

Dec 21, 2019 Last reply: 6 years ago 22 Replies
Jump to replies (22)

Habe mir bei eBay eine alte Weller Lötpistole 9200UC gekauft, und bin mit der Heizleistung ziemlich unzufrieden. Ein Energiemessgerät zwischen Steckdose und Netzleitung zeigt beim Einschalten 76W mit einem Powerfaktor von 70%, zum Vergleich mein Ersa Tip 260 zeigte 17,3W mit 100%.



So wie ich das Ding verstehe ist es quasi nur ein Trafo mit einer kurzgeschlossenen Sekundärseite, durch die "Lötspitze" fließt halt ein ordentlicher Strom. Diese Lötspitze besteht aus Kupfer? Konstantan?



-Draht mit quadratischem Querschnitt von 2x2 mm mit ca 12cm Länge.



Mein Multimeter (Voltcraft 7905A, 30 Jahre alt) misst 0,1 Ohm Widerstand, wenn ich die Prüfspitzen kurschließe zeigt es 0,0 Ohm.



Das Ding wird schon "warm", aber selbst mein nominell nur 16W habender Ersa Tip 260 ist schneller beim Ablöten von 0,75mm Kabeln als die Lötpistole mit 75W. Das hatte ich mir genau umgekehrt vorgestellt...



Meine Tuning-Idee war, den Draht (die Lötspitze) zu kürzen. Weniger Widerstand, höherer Strom, mehr Wärme. Gesagt getan, an jedem Ende 5mm gekürzt, insgesamt 1cm. Das Messgerät zeigte anfangs 120W, die aber schnell auf 90W sanken und nach 60 Sekunden heizen auf 81W. Das passt ziemlich genau: 75 * 12 / 11 = 81,8.



Die Lötleistung ist nach wie vor bescheiden. Irgendwie verteilen sich die ganzen 80W auf 11cm Draht, und die Spitze wird nicht richtig heiß. Wenn ich aber noch mehr kürze, wird wohl der Trafo überlastet.



Man bräuchte eine "Lötspitze", die statt aus einem Draht aus 3 Teilen zusammengesetzt ist. Die "Zuleitungen" mit wenig Widerstand, das Mittelteil mit mehr so dass nur dort die Heizleistung anfällt. Gibt es sowas?


Am 21.12.2019 um 09:13 schrieb Marc Stibane:

Das ist genau sowas. Die Lötspitze besteht aus dickem Draht einer Leichtmetalllegierung mit Widerstand 0 und geringer Wärmekapazität, die Lötspitze aus hartem, schlechtleitenden, oxidationsresistenem Hartmetall.

Nur sind physikalisch elektrische Leitfähigkeit und thermische Leitfähigkeit praktisch dasselbe, so dass die Ableitung der Wärme nur in der schlechtleitenden Spitze selbst, nicht in der Zuleitung gebremst ist.

Die Lötpistolen eignen sich daher nur fürs schnelle Platinenlöten, wo die Lötung schon beendet ist, wenn das sekundenschnelle Hochheizen auf Rotglut beginnt, das dann anfängt, das Zuleitungsmetall aufzuheizen.

Auch ja, und natürlich mit einem kleinen Kupferwicklung um ein Trafoblech als praktich zu handhabender Entmagnetisierer für Tonköpfe oder Unruhspiralen.

Roland Franzius

Amazon selber verkauft:

formatting link
Die sind einteilig. Der Meißel vorne kann etwas Wärme speichern.

Diese

formatting link
sehen wirklich dreiteilig aus. Leider versendet der Verkäufer selber.

Aber die hier

formatting link
ist dreiteilig und kommt von Amazon selber.

Hat jemand noch andere Empfehlungen?

Die abgeknipsten 5mm Enden sehen nach Kupfer aus... Und auch das Messergebnis - 76W vs 81W - widerspricht Deiner These. Wenn nur der Teil mit Widerstand 0 gekürzt worden wäre, müsste das Mess- ergebnis ja identisch sein.

Genau andersrum wie man's gerne hätte...

OK. Eigentlich genau das was ich aktuell gerade will, nämlich "schnell"

2.5qmm Kabel an einen Akkublock anlöten ohne die Akkus dabei aufzu- heizen.

Habe ich beides nicht (mehr).

Bei genauerer Betrachtung scheinen die sogar vierteilig zu sein. Zwei Zuleitungen, Heiz-Mittelteil und Meisselspitze.

Zwar für "Mannesmann" (wer auch immer den Markennamen gekauft hat) und nicht für Weller, aber die 9200UC sollte auch 100W vertragen.

Zur Volumenaufheizung eignen sie sich genau nicht, da die Wärmeableitung über die Zuleitung besser ist als ins Lötgut.

Dazu brauchts einen Kolben mit sehr hoher Wärmekapazität, also Kupfer, damit die Temperatur bei Kontakt des Lots mit dem Objekt nicht absinkt. Das geht dann eben auch "schnell".

Die Heizleistung, die die Gleichgewichtstemperatur aufrechterhält, reicht dafür nie, das kennt man ja schon vom Warmduschen mit 6 kW Boiler.

Roland Franzius

Am 21.12.2019 um 10:40 schrieb Marc Stibane:

Nicht gekauft.

formatting link

Ah ok. Ich hatte noch Mannesmann-Drucker im Kopf, da diente der Markenname letztlich nur dazu Drucker von Siemens zu verkaufen.

Habe nochmal jeweils 5mm gekürzt. Das Messgerät sagt jetzt 88W. Das ist also definitiv ein einteiliger Draht.

Richtig heiß wird die Spitze immer noch nicht. Ziemlich sinnlos mMn. Ich muss wohl erstmal dreiteilige Lötspitzen besorgen, bevor ich mit der Lötpistole was anfangen kann.

Dann hast du einen kalten Kontakt im Sekundärkreis und die 88W sind vermutlich Blindleistung. Kürzen der Lötspitze bringt nichts, die hat Widerstand 0 in der Zuleitung.

Da die Sekundärspule nur aus wenigen Windungen besteht (Leerlaufspannung um 0.1V bei einigen Ampere Stromstärke) ist die widerstandfreie Verbindung Trafo-Spitze sehr kritisch. Anschussdraht, Aufnahmeloch und Schrauben müssen blank sein und festgezogen werden.

Roland Franzius

Warum ändert sich der Wert dann?

Vor dem Kürzen: 12cm, 76W Erstes Kürzen: 11cm, 81W Zweites Kürzen: 10cm, 88W

Und 81 * 11 / 10 = 89,1.

Nagel' mich nicht millimetergenau fest, aber ss passt einfach zu gut...

Darauf habe ich jeweils geachtet.

Am 21.12.19 um 09:13 schrieb Marc Stibane:

Jetzt hast Du mich neugierig gemacht. 8100C

Beim Einschalten zieht das Ding ca. 115W und sinkt dann nach einigen Sekunden auf ca. 85W ab. Die Lötspitze ist aber nicht mehr original.

Das liegt jenseits der Grenzen der Messgenauigkeit. Du misst eigentlich nur die Übergangswiderstände und die Meßleitungen. Die Lötspitzen haben so grob um die 400 µOhm.

Aber der Knackpunkt ist die Verschraubung. Der Übergangswiderstand ist ein nicht unerhebliches Problem. Man muss die Schrauben andonnern wie ein Ochse und natürlich das Kupfer an den Kontaktstellen vorher putzen. Danach am besten nicht mehr dran rum spielen, bis die Spitze hinüber ist und sowieso getauscht werden muss.

Bei mir ist das Ding nach ca. 4 Sekunden Lötbereit. Da kommt der Ersa mitnichten ran.

Naja, das ist bei einem normalen Lötkolben nicht anders. Da kommt auch nur die Hälfte vorne an, wenn überhaupt.

Ack.

M.W. nein.

Das wäre auch nicht beliebig schlau. Schließlich muss das mittlere Material gut lötbar und idealerweise auch noch einigermaßen robust sein. Ferner müssen die Übergangsstellen auch halten. Durchgehend Kupfer ist schon gar nicht so verkehrt.

Ich verwende einfach 4mm² Drähte, die ich vorne etwas verdicke (verdrehen und pressen). Die halten zwar bei weitem nicht so lange, wie die Originalspitzen. Aber dafür ist es Meterware nahezu ohne Kosten. Es gehen Jahre ins Land, bis man da ein paar Reststücken verfeuert hat.

Marcel

Da ist gar nichts mehrteilig. Das ist Vollmeterial, durch die Presse gejagt und fertig. Die Originallötspitzen sind einfach Kupfer. Die hier sind mutmaßlich Kupfer verzinnt.

Da würde ich aufpassen. Die können gut und gerne einen anderen Widerstand haben, wenn das Wicklungsverhältnis des Trafos abweicht.

Marcel

Am 21.12.19 um 17:04 schrieb Marcel Mueller:

Eher Eisen plattiertes Kupfer.

Am 21.12.19 um 09:13 schrieb Marc Stibane:

Hallo,

solche Lötpistolen gibt es auch mit 200 W oder 250 W Leistung.

Etwa die WELLER 05C.

Bernd Mayer

Habe ich auch schon vermutet.

Ich werde morgen mal die Spannung (ohne Lötspitze) messen.

OK.

Klar, der braucht mind. eine Minute bis die Spitze heiß ist. Aber die hat halt deutlich mehr Masse als die Drahtspitze der Lötpistole.

Aber die Wärme kann nicht so gut abfließen. Eine Ersa-Lötspitze sitzt außen auf dem Keramik-Heizelement was wohl selber kaum Wärme leitet, jedenfalls wird der Griff des Lötkolbens nicht heiß. Die einteilige Kupferdraht-Lötspitze einer Lötpistole ist direkt mit der Trafo-Sekundärwicklung verbunden, da fließt nicht nur Strom sondern auch Wärme...

Auf dem Typenschild steht 100W, mit zweimal gekürzter Spitze (mit nun

10cm statt 12cm Drahtlänge) zieht sie 88W statt 76W. Ein bisschen ginge noch...

Laut Roland schon: | Die Lötspitze besteht aus dickem Draht einer Leichtmetalllegierung | mit Widerstand 0 und geringer Wärmekapazität, die Lötspitze aus | hartem, schlechtleitenden, oxidationsresistenem Hartmetall.

Zumindest bei den Schneid-Spitzen ist der Mittelteil flachgepresst und dürfte weniger Volumen haben als die "Zuleitungen", womit dort der Widerstand höher sein müsste.

Hmm. Ich probiere es zunächst nochmal mit freikratzen des Kupfers der gekürzten Spitze und Anziehen wie ein Ochse...

Thx

DC nix, AC 0,3V.

I = P / U, 88 / 0,3 = 293,333 A. R = U / I, 0,3 / 293 = 0,001022727 Ohm, also 1 mOhm.

"Spule" ist nur dieser 7mm-"Draht" und geht nur 1mal durch den Blech-

geschlossen wird.

(innen) vollkommen in Ordnung.

In a world without walls and fences, who needs windows and gates?

Bubo bubo schrieb:

Isotopenreiner Diamant wäre speziell gut. Hat aber wie Grafit den Nachteil des spurlosen Verschwindens bei hohen Temperaturen. Vielleicht Saphir? Aber auch der hat wohl Benetzungsprobleme.

Für Opfer der Franziusschen Glosse: Leichtmetalle haben, auf den Querschnitt bezogen, eine schlechte Wärme- und Stromleitfähigkeit im Vergleich zu Kupfer¹. Legierungen haben im Vergleich zu den Reinmetallen i.allg. eine schlechtere, meist wesentlich schlechtere Leitfähigkeit.

¹ Anders sieht es bezüglich der Masse aus: Da hat Alu eine bessere Leitfähigkeit wie Kupfer, etwa einen Faktor 2. Daher nimmt man Alu, wenn es auf das Gewicht/die Masse ankommt und Platz da ist, etwa bei Hochspannungsleitungen oder bei Satellitenanwendungen.

Bubo bubo schrieb:

Fühl mal, der Draht wird warm bei Stromdurchgang. Sofort patentieren. Amerikanische Krankheit.

mfg Rolf Bombach

Am 18.01.20 um 23:21 schrieb Rolf Bombach:

Aber nicht ohne den Warnhinweis das Draht auch heiß werden könnte. Sonst droht Schadenersatzklage.

---hdw---

Join the Discussion

Have something to add? Share your thoughts — no account required.

Didn't find your answer?

Ask the community — no account required