Wenn ich Bachs Sinfonia 9 auf meinem Akkordeon übe, verläßt der Kater das Zimmer (bei Piazzolla hingegen wälzt er sich ekstatisch vor dem Instrument). Sollte meine Freundin in Hörweite sein, rümpft sie die Nase "Übst du schon wieder das schiefe Ding?". Die Apathien werden umso größer, je flüssiger es läuft und desto klarer wird, daß zusätzliches Üben nichts rausreißen kann, was schon hineinkomponiert wurde. Das Klavier, auf dem das Teil üblicherweise gespielt wird, verdeckt gnädig die schlimmsten Auswirkungen der Dissonanzen, weil die Liegetöne, die in systematisch übleres Umfeld geraten, nicht alles aussitzen sondern gnädig nach dem Erstanschlag zurücktreten, und überhaupt das Klavier nicht so reine Töne bietet, daß die Auswirkungen der gleichtemperierten Stimmung so brutal als Schwebungen herausträten (so peinlich genau sortiert nach fast erträglichen Quinten, deutlich wabernden großen und unangenehmen kleinen Terzen und den im zweiten Grade verwandten Tritoni, daß man dem mittlerweile leider verstorbenen Stimmer des Akkordeons, der nach alter Schule rein nach dem Gehör arbeitete, keinen Vorwurf machen kann).
Aber Bach war ja auch Wahlsachse.