Thyristoren im Fernseher

Aug 05, 2006 28 Replies

Hallo allerseits,



Ich besitze einen alten Grundig Supercolor Fernseher (Chassis GSC200). Mir fällt auf, dass in ihm einige Thyristoren verbaut sind. In der Horizontalendstufe sind gleich drei.



Ich frage mich, weshalb man damals eine so komplizierte Thyristorschaltung verwendet hat. Drei Thyristoren, wo heute ein Transistor sitzt. Zudem sind noch drei weitere Thyristoren in dem Gerät verbaut.



Hatten die irgend einen Vorteil gegenüber den Transistorendstufen? Und wenn ja, weshalb sieht man sie in neueren Fernsehgeräten nicht mehr?


Weshalb ich mich dafür interessiere? Mein schönes Sammlerstück spinnt seit ein paar Wochen. Mal läuft er, nach ein paar Minuten fallen aber Bild und Ton aus, die LED-Anzeige bleibt aber an. Schaltet man ihn aus und wieder ein, geht er manchmal, manchmal aber auch nicht. Die 290V Spannung vom Sicherheitsbaustein ist noch da, aber der Zeilentrafo wird nicht angesteuert. Lasse ich ihn zu lange in diesem Zustand, schmilzt die Sicherheitslötstelle am Anlaufwiderstand.



Kennt jemand das Problem? Die Lötstellen habe ich schon nachgelötet, und die Elkos geprüft, die scheinen alle noch OK zu sein.



Angefangen haben die Probleme an einem der besonders heissen Tagen.


Stefan


Stefan Heimers http://www.heimers.ch/

Stefan Heimers schrieb:

Geeignete Transistoren (z.B. BU208) gabs erst ab Mitte der 70er, Thyristoren schon erheblich länger.

Netzteil?

Damals waren sie noch robuster und billiger, ein BU208 kostete ein kleines Vermögen.

Weil die HOTs mittlerweile *viel* billiger sind.

Tausch die MKPs in der Horizontalendstufe aus.

Nix ungewöhnliches.

Gruß Dieter

Einer im Sicherungsbaustein, der dreht bei Überlast die Versorgungsspannung nach dem Gleichrichter, aber vor dem Glättungskondensator, ab. Ein kleiner im Regelbaustein, der scheint bei einer Überspannung der Horizontalendstufe diese dauerhaft herunterzuregeln, ich bin da aber nicht sicher. Der dritte versorgt beim einschalten den Horizontaloszillator über einen Leistungswiderstand mit Strom, schaltet dann ab wenn die Niederspannung aus der Horizontalendstufe kommt.

Die Horizontalendstufe besteht aus drei Thyristoren und zwei Transformatoren. Neben dem Hochspannungstransformator dient der zweite scheinbar dazu, dass sich die Thyristoren gegenseitig abschalten können. Aus diesem kleineren Trafo kommt auch die Versorgungsspannung für die Elektronik.

Die Steurelogik wird aus einem konventionellen Netzteil (Trafo und Spannungsregler) versorgt, der Rest der Niederspannung für die Analogelektronik kommt aus der Horizontalendstufe.

OK, das ist ein Argument, und die Schaltung wird auch einfacher.

Ich werde sie zuerst mal durchmessen. Danke für den Tip.

Stefan

Leider fallen die manchmal erst bei Erwärmung/Spannung aus. Lieber gleich tauschen, und zwar gegen Wima FKP1 (andere halten die auftretenden Belastungen oft nicht lange aus).

Hatte das mal bei einem Monitor. Statt 25kV kamen über 40 raus, und der Geigerzähler wurde gut aktiv. Nach maximal 10s Betrieb hats dann jedesmal geknallt und gab einen Überschlag am Zeilentrafo (auch gut so, sonst würde es den User grillen).

Der Kondensator am HOT hatte statt 12nF nurnoch ca. 5nF. Ersetzt durch passenden MKS4, ging 5min und war dann wieder durch. Dann aus 5 FKP1 passenden Wert gelötet und mit äusserst soliden Drähten installiert (direkt an die Pins des Zeilentrafos gelötet, zusätzlich die Leitbahnen nochmal mit 4mm² Draht verstärkt da die sehr mitgenommen aussahen), geht.Kommen wieder normale 24kV raus.

Guido Grohmann schrieb:

Und HOTs gabs bei größeren Bildröhren eh erst später, wie schon geschrieben BU208 ab Mitte der 70er.

Gruß Dieter

Guido Grohmann schrieb:

Also wohl eingeführt zum Start des Farbfernsehens in der DDR, interessiert mich. Wenn du die Unterlagen findest wirf doch mal den Schaltplanauszug auf den Scanner.

Gruß Dieter

Guido Grohmann schrieb:

Ach je, das übliche Wettrennen. 'Volltransistoriert' musste man in der Zeit als 'auch die Röhren in der Zeilenendstufe/Hochspannung sind durch Halbleiter ersetzt' verstehen, ob Transistor oder Thyristor ist ja letztlich auch egal.

Gruß Dieter

Stefan Heimers schrieb:

Mir

Holla! Das olle B=FCchsenchassis!

ung

ind

Heute sind fast alle Schaltungen durch ICs realisiert. Die ersten=20 Transistoren in den TVs (so Ende der 60er sch=E4tze ich mal) waren nicht =

selten Fehlerquellen.

Hat der einen vergossenen Zeilentrafo?

Guido

Dieter Wiedmann schrieb:

t

Ich finde gerade die Serviceunterlagen f=FCr den Color 20 (Sta=DFfurt) ni= cht=20 wieder, aber der hatte in der Zeilenablenkung ein *Transistorpaar* und=20 keine R=F6hre und keinen Thyristor! BJ war ab 1969! Wimre 1970 bekam der =

dann auch eine Selenkaskade zur HV-Erzeugung verpa=DFt, vorher war da ein= e=20 Schaltung mit 3 R=F6hrendioden drin. Leider habe ich *diese* Ausf=FChrung= =20 nie mit eigenen Augen gesehen.

GUido

Dieter Wiedmann schrieb:

nicht

r

ine

ng

Stimmt genau. Ich geh mal danach suchen. Das Ger=E4t wurde =FCbrigens dam= it=20 "beworben", volltransistoriert (wimre wurde sogar "als erster in Europa" =

hinzugesetzt) zu sein. Die ansonsten "erh=E4ltlichen" Radugas hatten noch= =20 die ber=FCchtigte Ballasttriode.

Guido

Dieter Wiedmann schrieb:

Plan gefunden, Scan kommt aber sp=E4ter. Die Transistoren sind KU606 bzw.= =20 der mir unbekannte 193DT2, welcher doch bestimmt ein Importtyp gewesen=20 sein d=FCrfte. Sp=E4ter in den Color 21ff wurden die Russen KT805 und KT8=

08=20 verwendet.

Guido

Dieter Wiedmann schrieb:

"
r

ch

Ja, das =FCblicheb Wettrennen. Aber da sind laut Plan auch wirklich 2=20 Transistoren KU606 drin gewesen, s. auch meinen anderen Beitrag. Der=20 Plan vom September 69 enth=E4lt =FCbrigens noch den Hochspannungsgenerato= r=20 mit 3 x EY51, der Plan f=FCr Oktober dagegen bereits die Selenkaskade.

Thyristoren kenn ich in Sta=DFfurter Ger=E4ten =FCbrigens gar nicht, sche= int=20 dort offenbar un=FCblich gewesen zu sein.

Guido

Büchsenchassis??? Den Ausdruck habe ich noch nicht gehört. Meinst Du die Module in Dosen? Hier nur Tuner und ZF, aber ich kenne Geräte wo alles in kleinen Blechdöschen steckt. z.B. Grundig GSC700.

Nein, offen. Die Wicklungen sind sichtbar in Plastikfolie und vermutlich imprägniert. Die Kaskade ist als separates Bauteil nebenan, die ist vergossen.

Stefan

Stefan Heimers http://www.heimers.ch/

Die Kaskade sieht gut aus.

Ich glaube, ich habe den Fehler gefunden: Einer der Thyristoren. Als der TV nicht funktionierte habe ich gemessen: Er wurde am Gate angesteuert, hatte Spannung an der Anode, aber nicht durchgeschaltet.

Ich habe dann zur Durchgangsprüfung das Gate abgelötet und später wieder angelötet. Seither ist der Fernseher wieder ein paar Stunden gelaufen.

Apropos: Ich kenne mich mit diesen Thyristoren nicht so gut aus: Ist ein ohmscher Widerstand von ca. 80 Ohm zwischen Gate und Kathode normal? Ich hätte da eine reine Diodenstrecke erwartet.

Der Thy. ist ein 17053, laut Schaltung dürfte es auch ein BSTCC0146R sein.

Stefan

Stefan Heimers http://www.heimers.ch/

u die

s in

Oh, mit *dem* hab ich das jetzt glatt verwechselt. Dann kenn ich dein=20 Chassis leider nicht.

h

Hmm, wie sieht denn die Kaskade aus? Hat sie Blasen geschlagen?

Guido

Guido Grohmann schrieb:

cht

Nun, es gab diese Transistoren schon. Sie waren nur ziemlich teuer und zudem empfindlich; d.h. sie konnten nicht ohne entsprechende Schutz- beschaltung betrieben werden. Deshalb waren sie f=FCr die meisten Hersteller wohl unwirtschaftlich. Gruss Harald

Guido Grohmann schrieb:

*Fingeraufzeig* Mail funzt ohne Wegstreichungen oder Ersetzungen.
Thomas

Ich habe die Antwort selbst gefunden: Ja, es gibt Thyristoren mit Gatewiderstand.

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Guido Grohmann schrieb:

w.=20

T808=20

Erg=E4nzung:

Der horizontale Ansteuer-Leistungstransi ist ein KU 608. Auf dem PLan=20 den ich euch geschickt hab, ist die Hochspannungserzeugung drauf - und=20 beides ist getrennt bei diesem Ger=E4t.

Guido

Thyristor ist (war) neu und alles neue ist prinzipiell besser. So kommt es zu Bauteile-Wellen, manchmal geht es halt daneben. "Frequenz-Thyristoren" sind ziemlich schnell wieder verschwunden. Eine andere Welle waren FETs. Plötzlich mussten alle bewährten Standardschaltungen mit FETs realisiert werden, meist nachteilig. Jetzt sind die Biester in ihren Nischen, wo sie wirklich besser als BJTs sind.

mfg Rolf Bombach

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