"Joerg" schrieb:
Klingt aber in meinen Ohren ein bischen wie:"Eine Katze und mein Radio sind auch im Grunde identisch, denn es gibt in dieser Welt ja nur die wenigen Elemente, die im Periodensystem aufgezeichnet sind und der Rest ist blosse Statistik, inhomogene Verteilungen..."
Natürlich kann man sagen, dass die Digitalbausteine auf denen Automaten implementiert werden auch nix anderes sind als schnelle Analogtechnik.
Aber Modelle sollen ja gerade neben ihrer praktischen Anwendbarkeit auch Unterscheidungsfähigkeit fördern, nicht verwischen.
Wobei ich, zurück zu den Automaten, denke, dass der Unterschied zwischen 'diskret' und 'stetig' hier gar nicht mal so wichig ist, sondern:
Der Begriff "Automat" impliziert für mich vor allem, dass die Übergangsbedingungen zwischen den einzelnen Zuständen modellierbar sind. Grad' das macht ja den Automaten nach meinem Verständnis aus bzw. dieses Modell nützlich.
Da haperts doch bei Analogschaltungen, da geht das nur in toto über die Übertragungsfunktion.
Beispiel: Selbst wenn wir annehmen dass ein simpler Verstärker ein Eingabealphabet (Eingangssignal U) in ein (endlich oder nicht, egal) Ausgabealphabet (A * U) überführt und dabei verschiedene innere Zustände annimmt (etwa, wie weit er momentan gerade ausgesteuert wird) so ist der Übergang von einem inneren Zustand zum anderen nicht "einzeln" modellierbar sondern nur insgesamt für die ganze Maschine = Verstärker. (Beim invertierenden OP z.B. über zwei Widerstände). Natürlich kann man nun Großsignal- und Kleinsignalverstärker bauen, aber was am Ende rauskommt gilt immer für den gesamten Automat, hupps, Verstärker natürlich.
Gerade das scheint mir ein wichtiger Unterschied zu sein! Der lineare Automat bekommt seine Funktionalität durch die detaillierte Modellierung der Übergangsbedingungen verpasst, nicht so sehr durch die Anzahl der nodes; diese minimiert der Entwickler ja sogar so weit es geht (Mealy statt Moore u.s.w). Wichtig ist, dass die Übergänge zwischen den Zuständen frei modellierbar sind.
Diese freie Modellierbarkeit der Übergangsbedingungen verweist auf eine hohe Abstraktionsebene des Modells, also denke ich Vergleiche auf 'niedriger Hardwareebene' sind dann doch etwas fehl am Platz oder besser, wenig nützlich oder aussage- kräftig.
Was mir noch zu 'Automat und Analogtechnik' einfällt:
Man unterscheidet ja deterministische und nicht deterministische Automaten (bei denen dann ein Übergang von einem Zustand in den anderen möglich, aber nicht zwingend ist, übrigens unabhängig davon ob der Prozess der das steuert selbst deterministisch oder nicht ist...).
Da ist bei Analogtechnik auch immer beides vermischt, nicht? Denn neben der gewünschten deterministischen Funktion (U_aus = A * U_ein) gibt's da ja immer stochastische Anteile (Rauschen) und systematische Anteile (Temperaturdrift etwa) die sozusagen untrennbar, natürlich modellierbar in Grenzen, in der 'Analogmaschine' drin sind.
Das Automatenmodell setzt hier aber schon eine vollzogene Trennung vor- aus (Die Automatenzustände driften nicht mit der Temperatur und rauschen auch nicht:), auch dies ein Hinweis auf eine höhere Modell-Abstraktions- und praktische Implementationsebene.
Automatenmodell ist dann wohl erst sinnvoll in einer 'digitalen' Welt anwendbar (Solange der Störspannungsabstand stimmt und kein Ground bounced:) und dort auch erst ab einer gewissen Abstraktionsebene (die Zeit muss mit rein, nicht rein kombinatorisch).
Klar, auf niedriger Abstraktionsebene mag man an Gemeinsamkeiten denken, allerdings wirds dann auch wieder trivial (siehe ganz ganz oben, die Katze und das Radio).