[OT] LCA ÖPNV vs. BEV

Oct 31, 2023 Last reply: 2 years ago 7 Replies

Hallo!



Nur kurz, da OT aber dennoch Hoffnung, die hier anwesenden Regulars könnten mir evtl. mit ein paar Infos unter die Arme greifen.



Am Stammtisch höre ich häufig, die CO2e-Bilanz für das unter Mitnahme aller Subventionen eiligst angeschaffte und mit Ökostrom betriebene BEV sei umweltfreundlicher und nachhaltiger als die Benutzung des ÖPNV. Hauptargument ist typischerweise, daß eine U-Bahn so um die 12kWh pro Personenkilometer verbrauche, der eigene eUp innerstädtisch aber nur 10kWh.



Ich habe ohne Lebenszyklusanalyse so meine Schwierigkeiten, intuitiv einem 1.2 Tonnen schweren, batteriebetriebenen Individual-KFZ, welches sich vielleicht ein-zwei Stunden am Tag mit lächerlich niedriger Geschwindigkeit zum Transport von gut 100kg Nutzlast bewegt und nach allerspätestens 20 Jahren und 200Mm verschrottet wird, eine bessere Umweltbilanz zu attestieren als z. B. U- Bahnzügen, die gerne 50 Jahre im Betrieb sind, um die 150 Tonnen wiegen und im Mittel vielleicht 300 Fahrgäste transportieren.



Kann mir jemand mit aussagekräftigen und leicht verdaulichen Links dienen - ich habe mir schon einen Wolf recherchiert.



Vielen Dank!



Volker



P.S.: Bekannt u. A.:



formatting link


Hallo Volker,

Du schriebst am Tue, 31 Oct 2023 20:05:00 +0100:

Das ist jedenfalls falsch. Stammtische geben keine wissenschaftlichen Erkenntnisse wieder, sondern eine Art "Mittel" aus Propaganda und ein wenig Information.

Bei solchen Werten sollte man U-Bahn und Auto(chen) jedenfalls meiden und lieber einen Panzer fahren. Aber auch mit (den wahrscheinlich gemeinten)

12kWh/100km dürfte die U-Bahn nicht unbedingt gut angesetzt sein, entweder ist die überdimensioniert oder der Wert stammt aus "Corona-Zeiten". Der e-Up mit 10kWh/100km kann hinkommen, wenn der Fahrer einigermaßen situationsgerecht agiert.

Da kann man Dir nur recht geben - die Werte, die Du anfangs gebracht hast, lassen _diesen_ Aspekt ja schließlich vollständig unbeachtet. (Wobei der angesprochene e-Up den Massebereich eher am unteren Ende besetzt.)

Nachdem bei Elektrofahrzeugen die Fahrzeugmasse - dank Rekuperation - nicht gar so sehr ins Gewicht fällt, sind hier eher die Belastungen durch die Herstellung und die "Entsorgung" zu beachten. Und dabei tut sich die U-Bahn dank der externen Energieversorgung wohl ein gutes Stück leichter als das Auto(chen), das seine Bewegungsenergie in einer ebenfalls umweltbelastend herzustellenden und zu "recykelnden" [brrr, dAmisch...]) Batterie mitschleppen muß.

Lohnt IMHO nicht. Da gibt es "ungezählte" Studien drüber, die zu jedem erdenklichen Ergebnis kommen, je nachdem wer sie beauftragt und finanziert hat. Wie soll man da 'rauskriegen, was jetzt wirklich zutrifft? Und dazu kommt dann auch noch, daß der Umfang der betrachteten Einflußgrößen für jede Studie anders ist, diese jeweils anders gewertet und teils vermischt angegeben werden, so daß eine Vergleichbarkeit schon prinzipiell allenfalls in Einzelfällen besteht. Es bleibt wohl nur, abzuwarten bis sich der aktuelle Wirbel der politischen und kommeriellen Interessenten an diesem Gebiet gelegt hat und die "Elektro-Mobilität" so alltäglich geworden ist, daß sich außer den Statistikern keiner mehr um solche Daten kümmert, so daß die Untersuchungen dann wirklich unabhängig und vergleichbar werden - falls das jemals der Fall werden sollte.

Am 31.10.23 um 20:05 schrieb Volker Bartheld:

Aber schon Dein erster Link

sagt doch was völlig anderes aus:

"Und so liegt der Energieverbrauch, unabhängig von der Straßenbahnlänge, relativ stabil bei rund 0,02 kWh pro Platzkilometer."

Um das mit den Verbrauchsangaben von PKW vergleichen zu können, erweitern wir das mit 100, also 2 kWh pro Platz und 100 km. Das ist aus meiner Sicht immer noch Faktor 5 niedriger als der eUp.

HTH Markus

Platz und Personen ist nicht dasselbe. Beim PKW Faktor fünf, bei Straßenbahnen kommt es darauf an. Es scheint, als führe ich immer nur zu Stoßzeiten, aber selbst das gilt dann oft nicht für die gesamte Strecke.

Am 31.10.23 um 20:05 schrieb Volker Bartheld:

Gerade bei "Lebenszyklusanalyse" müssten m.E. auch alle anderen Faktoren neben Herstellung und Entsorgung mit einfließen wie Wartung und Reparaturen - der Bahn und auch des PKWs.

Von Werten dazu weiß ich nichts aber sie dürften generell Negativ auf die Ökobilanz einschlagen.

Aber Prinzipiell würde ich das auch skeptisch sehen zumal die Bahn externe Versorgung hat und ein E-Auto immer den gleich schweren Akku mit schleppen muß. Von 2-5 Personen im e-PKW auf x Hundert in einer Bahn ist da wahrlich nicht einfach hoch zu rechnen.

Vielleicht wäre es sogar einfacher wenn man die Gesamtmenge gegeneinander rechnete, also Zahl der Registrierten e-PKW in einer Stadt und die Beförderungszahlen aller Elektrischen Bahnen im gleichen Gebiet für einen Zeitraum. So betrachtet könnte die Absolute Zahl des Energiebezugs für die Bahn größer sein, aber die Zahl der Transportieren Personen ebenfalls. Braucht es nur noch eine Mittleren CO2 Bepreisung pro Person oder muß es NOCH genauer sein?

Bye/ /Kay

... weswegen ich die hierzugroups versammelten Wissenschaftler fragte. Es geht mir ja gerade um einen wissenschaftliches Argument gegen Stammtisch-Bauchgefühl und Elektrofeigenblatt.

Warum? Braucht der weniger als 10kWh/100km? Oder spielst Du auf die lange Nutzungsdauer solcher Panzer (Leo I und Ukraine) und die eingesetzten Allstoffmotoren an, die man bestimmt auch mit CO2-neutral hadgequetschtem Weizenkeimöl betreiben kann?

Mein Fehler, nicht der des Stammtischs.

Stammt aus

formatting link

Das sind präzise Praxisdaten vom Stammtisch.

Welchen Aspekt? Den bei der Herstellung gepackten CO2-Rucksack?

"Gar nicht mehr so" würde ich als ziemlich optimistisch bezeichnen. Hier:

formatting link
geht man 62% aus, was ich ungefähr so stark glaube, wie die Verbrauchsdaten ebendieses Herstellers. Aber es ist ein "Test"
formatting link
also wegen mir.

LCA halt. Incl. kompletter Infrastruktur. Was sollte man sich auch sonst anschauen? Am Ende käme noch wer auf die Idee den Verbauch seines BEV auf

0kWh/km festzuzurren, weil er das Teil immer als rollende Batterie in der Garage stehen hat.

Du meinst, dieses Diskussion muß man als ideologisch und daher von vorneherein aussichtslos abtun? Das wäre schade.

Volker

Der Stammtisch bezog sich auf

formatting link

Ich zielte eher darauf ab, daß wenn eUp UND Bahn mit grünem, infrastrukturefreien Gratisstrom aus dem Weltall betrieben würden, die CO2- Gesamtbilanz für den eUp dennoch schlechter aussähe.

Volker

Natürlich.

Genau. Und dann hatte ich mir kurz überlegt, die etwa 400 Millionen jährlich in München beförderten Menschen [1] kämen alle auf die Idee, sich für ihren Transportbedarf ein BEV anzuschaffen und würden damit rumgondeln. Man sieht ja, was mit nur etwa 750'000 zugelassenen PKW jeden (Werk)Tag los ist.

formatting link
Aber am Stammtisch wird man vermutlich effizientes Carsharing betreiben oder kennt den kategorischen Imperativ nicht.

Volker

Join the Discussion

Have something to add? Share your thoughts — no account required.

Didn't find your answer?

Ask the community — no account required