Guter alter Transformator von Engel N250/1 - Infos gesucht

Apr 12, 2026 Last reply: 1 month ago 15 Replies

Erst einmal sorry wegen des Cross Postings, aber bei dieser Frage bin ich sehr unsicher, wo die "Kenner" sitzen, vermutlich mal hier und mal da... ;-) Nun die Frage. Die Fa. Engel (ich glaube die saß mal irgendwo in Süddeutschland) baute einst (bis in die 70-er Jahre(?) sehr gute Röhrentransformatoren. So habe ich von einem alten Newgrouper (Muck Krieger, der leider verstorben ist :-() aus seinem Riesenlager zwei Netztrafos von Engel ergattert. Es handelt sich um ein Netztrafo mit 102 er M-Kern. Aufschriften, die vorhanden sind sind folgende:



1,2,3,4,5 primärseitig und 0-250-300, 6,3/3,5-0 sekundärseitig. Sekundärseitig ist mir alles völlig klar. Doch würde ich gern wissen, wie die Primärspannungen vom Hersteller genau spezifiert worden sind.

So habe ich folgende Gleichstromwiderstände gemessen (Meßgenauigkeit ca +-0.2 Ohm):


1-3: 5,7 Ohm (eine separate Wicklung folgend Wicklung 1 genannt)
2-4: 5,7 Ohm (folgend Wicklung 2 genannt)
2-5: 6,3 Ohm (Wicklung 2) Zur Kontrolle ->
4-5: 0,8 Ohm (Wicklung 2)

Zwischen Anschluß 2 und 3 wurde eine Brücke gelegt, was für ein 220 V Netz auch verständlich ist. Ich gehe gar davon aus, daß diese Brücke sogar vom Werk aus so mit ausgeliefert wird, denn diese Brücke zu entfernen war nicht sehr einfach und schien sogar irgendwie geklammert worden zu sein. Heisst, diese Brücke dürfte auch dann noch so bestehen bleiben, wenn man bei Bedarf von 220/230 (?) Volt auf 110/115 (?) Volt umschalten wollte und dann lediglich noch eine Brücke zwischen Wicklung



1 und 4 legen bräuchte. Der Rest der Wicklung 2 (also zwischen 4 und 5) wird man wohl für eine Versorgungsspannung von 230/245 (?) Volt spendiert haben. Nun endlich meine eigentliche Frage für den Fall, daß niemand diesen Trafo und seine genauen Spezifikationen kennt: Welche Primärspannungen verträgt nun dieser Trafo? Wahlweise 110, 220, 230 Volt oder wahlweise
115, 230, 250 Volt?

Ein kleiner Nachtrag dazu (auch wenn ich weiss, dass der in Spule gemessene Gleichstromwiderstand nur in erster Näherung aussagekräftige Ergebnisse liefern kann): Rechne ich mit der oben besagten Version 110, 220, 230 Volt kommt durch den Dreisatz für den Aufschlage der Zusatzwicklung in Wicklung 2 ein Wert von ca 21,6 Vol heraus. Würde ich dagegen als Grundlage 115 V nehmen, wären es schon etwa 27 V. -



Und übrigens, dieser Trafo (zwei mal vorhanden!) lief bereits schon etliche Jahre ohne Störungen in meinen Röhren-Mono-Blöcken (die 230V Netzspannung wurde an 1 und 5 geklemmt), nur daß mir die Heizwicklungen immer nur knapp 5,9 V lieferten. So ist meine Frage gewiss verständlich, denn ich möchte bei Umstellung auf eine 230 Volt - Versorgung zwischen 1 und 4 keine Zerstörung der lieb gewonnenen Trafos und/oder Röhren riskieren. Denn ein im worst case Fall entstehender Spannungssprung von über 27 V primärseitig dürfte an den Heizungen der Röhren schon mit ca



6,6 Volt "knabbern" und die Anodenspannung von 420 auf 470 Volt schieben. Aber wahrscheinlich ist der Durchgriff von äußeren Windungen einer Mehrlagenwicklung viel geringer, als es eine Berechnung per Dreisatz auf Basis von Gleichstromwiderständen erahnen lässt...

Vielen Dank fürs mitlesen & Gruß Ingolf


Am 12.04.26 um 15:48 schrieb Ingolf H.:

DC-Widerstand kannst du vergessen. Da hängt der Drahtdurchmesser drin.

Dreh ihn rum: Röhrentrafos haben ja auch um die 240V am Ausgang. Den hängst du an die Steckdose. Dann kannst du die AC-Spannungen an allen Primärwicklungen messen. Die Absolutwerte sind egal, aber die relativen Verhältnisse aussagekräftig.

Aus dem Bauch raus würde ich sagen, 2 * 110V, weil das billiger ist als ein Spartrafo mit 110-220. Und die dritte Wicklung ist ein Upgrade auf

240V - früher üblich.

Für den Betrieb am europäischen Netz würde ich alle Wicklungen, also die

240V nehmen, da wir an den meisten Standorten eher bei 240V als bei 220V liegen.

Nicht einmal das. Oft reduziert sich der Querschnitt bei den höheren Spannungen. Zudem haben weiter außen liegende Wicklungen einen höheren Widerstand bei gleicher Windungszahl. Das kann auch bis zu einem Faktor

2 machen.

Unbelastet? Das wäre ziemlich daneben. Da sollten eher 7V kommen. Unter Last kann das natürlich schon passen.

Mit 5,9V Heizung zerstörst du nichts.

Bei zu hohen Spannung fangen Trafos recht hässlich an zu brummen. Die Frage ist halt, wie viel Reserve der Hersteller bei der Magnetisierung vorgesehen hat. Wenn der nicht auf Kante genäht ist, verträgt er auch die maximal 250V im europäischen Netz an der 220V Wicklung.

Falls du ein Oszi hast, kannst du auch den Strom messen. Das muss halt entweder potentialfrei oder mit zwei Tastköpfen im Differenzmodus und Shunt im Nullleiter erfolgen. Wenn die Sinuswelle an den Kappen komisch spitz wird, dann ist die Spannung zu hoch und der Kern geht in die Sättigung.

Marcel

Ingolf H. schrieb:

[...]
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Ist, IIRC, die übliche Anschlussart bei den Engel-Trafos (hier: N80/2).

HTH,

Reinhard

Am 12.04.26 um 16:44 schrieb Marcel Mueller:

guter Tip, den ich auch gleich ausprobieren würde. Doch wollte ich zu ungern gleich alles auseinander reissen (Der Trafo ist bereits schon ziemlich eng verbaut, dass es mir schon schwierig war, einen Draht und eine Brücke für obige Gleichstrommessungen zu entfernen. Für das nächste mal (den nächsten mir unbekannten Röhrentrafo) werde ich diese Methode versuchen. Danke!

nicht nur billiger sondern auch effektiver, da man so ohne Probleme beide 110 V Wicklungen für eine bessere Leistungsausbeute parallel schalten kann.

So denke ich auch.

Guter Hinweis! Ich habe mich gleich nochmal mit meiner dicksten Lesebrille und einer großen Taschenlampe bewaffnet, um mir die Klemme 4 nochmal genauer unter Lupe zu nehmen. Et voila, es führen hier 2 Drähte auf diese Klemme und der eine scheint auch wirklich etwas dünner zu sein. Sprich, der Durchgriff an den Sekundärspannungen dürfte demnach noch geringer ausfallen, als meine "Dreisatz-Prophezeihungen" vorgaben. ;-)

Darauf hatte ich eigentlich schon versucht hinzudeuten.

Nein nein, belastet. Zwar ist diese Wicklung laut Datenblatt der hier verbauten Röhren (2 x 0,9A bei 6,3V), also mit 3,5 Ohm belastet. Maximallast sollte laut Trafo-Aufdruck (6,3V/3,5A) sein, heisst bis zu

1,8 Ohm kann diese Wicklung verkraften. Doch die jetzigen 1,69A bei 5,9V kann man wohl nicht mehr als Leerlauf bezeichnen. ;-) Wie gesagt, das Teil ist bereits in einem Gerät verbaut und ich mache mal gerade ein paar Messungen - weil mir nach nun über 30 Jahren einige meiner schlechtesten Lötstellen "in den Rücken fallen".

schon klar. Das Glimmen der Röhren ist jedoch recht verhalten. Bei meinem GitarrenAmp-Eigenbau sieht das bei den selben Endröhrentypen (6L6GC) schon etwas anders aus.

Ja, genau daran hängt sich meine Frage auf. Wer kennt diesen Trafo genau? Man sagt ja das Netz vergißt nichts, aber wieder einmal suche ich alte Informationen und kann sie selbst in den Internetarchiven nicht mehr finden. Es ist ein Jammer, denn damals als ich den Amp zusammen schraubte, waren die Infos zu diesen Engel-Trafos stets nur ein bis zwei Mausklicks entfernt. Heute - gähnende Leere! :-(

...aber nur unter Last, oder?

Auf jeden Fall vielen Dank. Ich werde wahrscheinlich bei meiner alten Konfiguration bleiben. Denn das Teil klingt so schon ziemlich gut und wer weiss was für ich heute für Teile zum Austausch noch bekommen kann. Ja, vielleicht etwas unterkühlt aber dafür ein langes Leben...

Viele Grüße Ingolf

Am 12.04.26 um 17:32 schrieb Reinhard Zwirner:

gleich lokal abgespeichert! Das passt perfekt auch zu meinen N250/1 ern. ...und zumindest teilweise auch zu meinen Vermutungen. Nur dass Engel zusätzlich sogar den 127 V Betrieb damit vorgesehen haben könnte, hatte ich in meinen Überlegungen völlig übersehen.

Jetzt habe ich Klarheit und kann ruhigen Gewissens meine Kisten wieder zuschrauben.

Vielen Dank und beste Grüße, Ingolf

Am 12.04.2026 um 15:48 schrieb Ingolf H.:

Engel, Wiesbaden, Trafos und Lötkolben.

Butzo*aussen

Am 12.04.26 um 19:08 schrieb Klaus Butzmann:

Ja Wiesbaden, ich glaube das erzählte mir der Vorbesitzer auch, der in der Nähe von Ffm, also gleich "um die Ecke", wohnte. Thx, Ingolf

Am 12.04.26 um 18:27 schrieb Ingolf H.:

Das will nicht unbedingt etwas heißen. Unterschiedliche Röhrentypen haben auch unterschiedliche Kathoden.

Das war vor dem Internet. -)

Nein. Die Magnetisierung ist nahezu dieselbe. Unter Last wird es sogar etwas weniger, weil die ein Teil der Primärspannung am Innenwiderstand der Primärwicklung abfällt.

Marcel

Am 12.04.26 um 20:44 schrieb Marcel Mueller:

Das sind sogar haargenau die selben, sehr wahrscheinlich sogar aus der selben Produktions-Charge. Denn diese Röhren, welche ich übrigens auch noch von Muck Krieger ergattern konnte, haben eine recht interessante Geschichte. Denn sie stammen aus einem ausgemisteten Lager der Bundeswehr. Ich habe sogar noch den Feuchtigkeits-abweisenden Karton, in dem jeweils immer 10 Röhren im Pack eingelagert wurden. Und dieser Karton war noch versiegelt als ich ihn bekam. Übrigens erzählte mir Muck auch noch, daß diese Röhren mit dem Firmenlogo "RSD" Lizenzproduktionen Made in G.D.R. (DDR-wahrscheinlich Funkwerk Erfurt) waren und an die BuWe verschachert wurden. Soviel zur heißen Ware im Kalten Krieg! ;-)

Als ich diese Trafos und Röhren bekam (so ca 1997/98 waren noch alle Daten im Internet darüber verfügbar. Wenn ich das damals schon gewusst hätte, hätte ich mir alles ordentlich gesichert. Aber jetzt hat wohl jemand das (halbe) Internet gelöscht. ;-)

Da muß ich noch mal grübelnd drüber schlafen...

Viele Grüße und Ahoi, Ingolf

Am 12.04.26 um 22:27 schrieb Ingolf H.: [Röhren]

Die Auswahl an Quellen für Ersatzteile für die prähistorische Bundeswehr-Hardware war womöglich begrenzt. ;-)

Oft liegen solche Informationen auf privaten Seiten oder halt auf der von kleinen Firmen. Wenn der Betreiber aufgibt oder stirbt, ist der Kram weg. Wenn die Firma geschluckt wird, migriert der neue Eigentümer zuweilen nur das Nötigste auf seine Homepage, aber nicht die ganzen obsoleten Produktdaten.

Marcel

Am Sun, 12 Apr 2026 16:44:39 +0200 schrieb Marcel Mueller:

Na ja, unterheizung ist für Röhren auch nicht eben stressfrei. Auf Dauer kann die Kathode leiden, die Emission lässt nach.

Am 14.04.26 um 00:36 schrieb Andreas Graebe:

Das stimmt schon aber 10% Toleranz müssen die doch abkönnen. Genauer war das doch früher mit vertretbarem Aufwand gar nicht möglich.

Marcel

Marcel Mueller schrieb:

Könnten es evtl. auch übernommene Bestände der NVA sein? Auf diesen Weg sind auch mal Mig Flugzeuge zum Klassenfeind gekommmen.

Klaus Butzmann schrieb:

Wer kennt ih nicht, den berühmten Engel-Löter. So etwas hatte frühe jeder TV-Techniker im Außendienst.

Ich fürchte, heute gibt es nicht einmal mehr den TV-Techniker.

Am 18.04.26 um 07:40 schrieb Andreas Bockelmann:

Nein. nach Muck Kriegers (der ein-oder-andere kennt ihn und seine doch recht kompetenten Connctions noch) Aussage sind das wirklich im Funkwerk Erfurt für den Export bestimmte Röhren gewesen. Lizenzgeber: RCA. Viel Grunz

Am 14.04.26 um 00:36 schrieb Andreas Graebe:

diese Aussage kenne ich auch. Doch sollte dieser Effekt eher an der Leistungsgrenze auftreten. Genauso und dazu wieder im Gegensatz auch, dass es ebenfalls nicht besonders röhrenschonend sein soll, wenn diese ewig lange im (Heizungs-)Dauerbetrieb ohne Anodenspannung rumlümmeln. Das erzähle ich dann immer den Gitarristen, die ihre Bühnenamps schon nen halben Tag vorher "anwärmen". BTW, in meiner 6L6GC Endstufe, war die Heizspannung an den 6L6ern ewig und drei Tage auf diesem Wert (5,9 V) und bis jetzt, also etwa nach einem Viertel Jahrhundert Laufzeit, sind keine signifikannten Schwächen feststellbar. Naja, das mag vielleicht auch daran liegen, dass ich damals die Schaltung nicht besonders "hot" dimensioniert hatte...

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