FI und Einspeisung

May 13, 2024 Last reply: 2 years ago 46 Replies

Hallo Axel,

Du schriebst am Mon, 13 May 2024 17:32:28 +0200:

Doch - jeder Fehlerstrom, der _zwischen_ dem FI in der Verteilung und dem Anschluß des "Balkonkraftwerks" entsteht, ist ein solcher. D.h. wenn im Anschöußstromkreis des Balkonkraftwerks noch weitere Anschlüsse vorhanden sind, dann kann ein dort auftretender Nebenschluß vom Verteilungs-FI nur bedingt erkannt werden, und jedenfalls dann nicht, wenn der Wechselrichter gerade Leistung liefert. Die "fehlerleistung" kommt dann ja nicht von "vor dem FI", sondern aus dem Wechselrichter direkt.

Es gibt ein Szenario: beim manchen fiesen Fehlerströmen (bzw deren Kurvenform) im Zusammenhang mit Frequenzumrichtern spricht ein "normaler" FI nicht immer an

-- Stichwort "allstromsensitiv", damit geht's dann.

Hat aber --soweit ich das blicke-- nix mit dem Balkonkraftwerk zu tun, könnte aber für's Labor relevant sein. Keine Ahnung was das in Euro und Einbaubreite "extra" kostet...

Thomas Prufer

Thomas Prufer schrieb:

Bei Wallboxen und Wechselrichtern (PV-Anlagen, Windenergieanlagen etc.) sind allstromsensitive RCDs vorzusehen. In der Realität genügt bei der Dimension von derlei Anlagen in Privathäusern dann aber dennoch ein RCD Typ A (reagiert nur auf Wechselstrom), weil die Überwachung der Gleichstromkomponente oft bereits im Wechselrichter bzw. der Wallbox integriert ist (Datenblatt lesen!)

Wenn man einen vierpoligen (also 3P+N) RCD Typ B mit 40A Bemessungsstrom und 30mA Bemessungsfehlerstrom anstelle des nur auf Wechselfehlerströme reagierenden RCD Typ A verbaut, so werden für das Teil etwa 300€ fällig. Die Einbaubreite ist identisch. Zwar gibt es neben den Markenprodukten auch _deutlich_ billigere, natürlich auch "höchstwertige", Importware, nicht selten auch ohne das teure VDE- oder sonstige Prüfzeichen, aber die Geräte hier sollen ja u.a. Leben retten helfen, evtl. auch das eigene... Ich hatte gerade eben mal Anlass, mich ein wenig umzusehen.

MfG Rupert

Wie soll der Gleichstrom vom PV Panel bis zu meiner Steckdosenleiste kommen?

Hat es schon so einen Phall jemals gegeben? Dokumentiert? Was is passiert?

Bitte um Nachhilfe.

w.

Also wenn ich mal etwas mit etwas mehr Gefahrenpotential messen will also am Netz, dann nehme ich dazu meinen Trenntrafo mit eigenem Sicherungsschalter. Schachtel mit Sicherungs Rs ist dabei auch nicht schlecht. Bislang habe ich so noch nicht im Dunklen sitzen müssen. Ich würde also wenn, dann nur das DUT vom Netz trennen lassen, ich gehe mal davon aus, dass das Rest Geraffel in deinem Lab i.O. ist ;-)

DC Entwicklungen, die ich überwiegend mache sind mit ihren P-supplies und Strombegrenzungen ja ohnehin relativ sorglos. Wobei ich doch letztens etwas in Sorge kam, weil die Stromregelung meiner getakteten kleinen Multicomp Pro MP710087 60V/3A arg ins schwimmen mit wildem getakte kam, wie ich ein paar Kurzschlussexperimente am DUT machte. Der erste Impuls haut halt ziemlich durch.

Schönes Schadenpotential bietet auch die USB Buchse am Schleppi, wenn man da experimentiert. Das Gesicht des Geschäftsführers über das freudige Ereignis des Auszubildenden mit ausgebrannter Buchse am neuen Schlepp, so was behält man relativ lange im Gedächnis..........

Helmut Wabnig schrieb:

Die Wechselrichter , egal welcher Größenordnung, sind seit langem trafolos realisiert. Ein Erdschluss eines Panels bzw. einer seiner Zuleitungen kann daher für Gleichspannung auch auf der Ausgangsseite sorgen. Deshalb erscheinen Sicherheitsvorrichtungen, welche den Ausgang auf Gleichspannung überwachen und ggfls. umgehend allpolig abschalten, durchaus nützlich.

Keine Ahnung

MfG Rupert

Leo Baumann wrote on 13.05.2024 11:34:

das ist nicht zulässig. Eine Leitung, die das Haus verlässt muss via FI abgesichert sein - schon seit mind. 20 Jahren.

(Inzwischen ist für jeden Endstromkreis - aka. Steckdose ein FI-Schutz erforderlich. Früher nur für Feuchträume und Außenbereich.)

Jan

Rupert Haselbeck wrote on 13.05.2024 15:20:

Das ist eher Standard (z.B. bei Wallboxen).

  1. FI im Zählerkasten für die Leitung, die das Haus verlässt (Typ A)
  2. FI in der Wallbox (Typ B)

Jan

Am 14.05.2024 um 22:42 schrieb Jan Schmidt:

Wer sagt das? VDE? Scheint seit Balkonkraftwerken veraltet zu sein.- Dann soll er eben 2 FIs in Reihe schalten, einen vor der Einspeisung, einen danach auf dem Weg ins Labor (Außensteckdose).

Rupert Haselbeck wrote on 14.05.2024 17:50:

Das ist in der Form nicht richtig. Vor allem Balkonkraftwerksumrichter haben einen Trafo. Das macht auch Sinn, weil dort nur 1-2 Module mit max. 60V angeschlossen werden. Einen Hochsetzsteller auf 310V zu bauen mit akzeptablen Wirkungsgrad ist deutlich aufwändiger als ein Trafo mit Übersetzungsverhältnis != 1:1. Außerdem ist der Trafo auch als Schutz vor Gleichstrom zulässig (die PV-Wechselrichter müssen eine einfehlersichere Netztrennung haben, eine ist der Trafo, die andere das Netzrelais, was Deye letztes Jahr weggelassen hat).

Ist doch egal, wenn es in den TAB steht, oder? Die Fehlerszenarien kann man sich bei z.B. Wikipedia ansehen

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Jan

Leo Baumann wrote on 14.05.2024 22:52:

VDE100-410

411.3.3 Zusätzlicher Schutz für Endstromkreise für den Außenbereich und Steckdosen:

In Wechselspannungssystemen muss ein zusätzlicher Schutz durch Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) vorgesehen werden für:

- Steckdosen mit einem Bemessungsstrom nicht größer als 20A, die für die Benutzung durch Laien und zur allgemeinen Verwendung bestimmt sind

- Endstromkreise für im Außenbereich verwendete tragbare Betriebsmittel mit einem Bemessungsstrom nicht größer als 32A.

(Ich hab das aus der Ausgabe 2007 abgeschrieben.)

Am 14.05.2024 um 23:31 schrieb Jan Schmidt:

Die Idee netzseitig vor dem (zusätzlichen) FI einzuspeisen ist demnach doch erlaubt. Der 1. FI wird wohl in der Unterverteilung sein. Axel wollte einen zusätzlichen FI in die Laborzuleitung + Außensteckdose einbauen. Wenn er netzseitig vor dem 2. FI einspeist gibt es keine Probleme und die nach außen zum Balkonkraftwerk führende Leitung ist durch den 1. FI in der Unterverteilung abgedeckt.

So gebaut, ist das VDE 0100 gerecht.

Nein, diese Kombination ist unzulässig und gefährlich. Bei einem Fehler kann ein Gleichfehlerstrom auftreten, der den zweiten RCD vom Typ B noch nicht auslöst, der aber die Erfassung auch von Wechselfehlerströmen durch den vorgeschalteten RCD Typ A beeinträchtigen würde und somit den Schutz völlig aufhebt. Eine Kaskadierung wäre allenfalls zulässig, wenn auch der vorgeschaltete RCD vom Typ B wäre (was schon aus Kostengründen regelmäßig vermieden wird).

MfG Rupert

Du hast schon wieder die Pillen vergessen. Wende Dich umgehend an Deinen Psychotherapeuten.

Volker

Da irrst du. Trafolose Wechselrichter, auch Mikrowechselrichter, werden gerade auch des höheren Wirkungsgrades wegen trafolos realisiert. Schraub doch einfach mal so ein winziges Gerät auf und wirf einen Blick hinein. Da findet sich regelmäßig nichts, was ein Trafo mit wenigstens

600Watt sein könnte. Die Wechselrichter meiner ersten PV-Anlage von 2005 verfügen noch über Trafos und haben einen Wirkungsgrad von "bis zu 94,5%". Zur Kühlung verfügen sie über Lüfter (welche in 18 Jahren Betriebszeit allmählich etwas hörbarer geworden sind, aber noch immer problemlos funktionieren). Heutige Wechselrichter kommen auf bis zu 97,5% und benötigen selbst bei höherer Leistung noch nicht einmal mehr eine aktive Kühlung. Und sie sind bei höherer Leistung und Flexibilität deutlich kleiner und leichter (und natürlich weit billiger)

Wie schon erwähnt, ist deshalb bei trafolosen Wechselrichtern eine Gleichspannungsüberwachung ausgangsseitig vorzusehen, welche im Fehlerfall allpolig abschaltet. Und natürlich dürfen die PV-Module nicht geerdet sein

MfG Rupert

Rupert Haselbeck schrieb:

So etwas kann natürlich bei fehlendem zweiten FI nicht auftreten.

[...]

Insbesondere wird dort Typ A als Wechselstrom _und_ pulsierenden Gleichstrom erfassend ausgegeben. Also nicht nur Wechselstrom erfassend, wie hier stark überwiegend geschrieben. (Erkannte ich dort bereits vor Tagen.)

Rupert Haselbeck schrieb:

Das mag so sein. Mich würde trotzdem interessieren, wie das technisch gelöst wurde, die trafolose Umformung von 40 VDC auf 230 VAC, insbesondere die Spannungsüberhöhung. Zumindest braucht man eine Drossel hoher Güte, um einen Step-Up eingangsseitig zu erreichen. Die 600 W müssen da fast vollständig durch.

Für einen vernünftigen Leistungsfaktor sollten auch 325 Vp erreichbar sein.

Rupert Haselbeck wrote on 15.05.2024 00:40:

nein, das stimmt nicht. Deshalb ist für Wallboxen und ICCBs (Ladeziegel) ein Typ B mit 6mA vorgeschrieben. Bei der Begründung wird explizit davon ausgegangen, dass alle jemals zulässigen Absicherungen möglich sind und es keine zusätzliche Gefährundung geben kann:

- ohne Schutz (klassische Nullung mit Schmelzsicherung z.B.)

- mit FU

- mit FI jeglicher Art

Jan

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