Wiederinbetriebnahme eines alten Braun Schneewittchensargs (SK5), besser mit Stelltrafo, oder?
Jun 09, 2024 Last reply: 2 years ago 14 Replies
D
Dieter Michel
Hallo,
ein Freund von mir hat einen alten Braun Schneewittchensarg geerbt, den er nach mehreren Jahrzehnten probeweise in Betrieb nehmen möchte.
Wegen der Kondensator- und speziell Elko-Problematik bei so alten Geräten, die vielleicht 30 bis >40 Jahre nicht in Betrieb waren, habe ich ihm empfohlen, das vorsichtig und langsam mit einem Stelltrafo zu machen, den ich ihm leihen würde.
Das ist ein Braun SK5, also laut Schaltplan ein reines Röhrengerät:
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In diesem Bericht verweist der Autor auch auf eine Kondensator-Kur, vermutlich also den vorsorglichen Austausch aller verdächtiger oder sehr wahrscheinlich überalterter Kondensatoren - ich vermute mal vorsichtig, vor der ersten Wieder-Inbetriebnahme.
Mit diesem langsamen Hochfahren der Versorgungsspannung über eine Stunde oder so, zwengs dem Formieren der alten Elkos, habe ich mal mit einem alten Röhrenverstärker ganz gute Erfahrungen gemacht. Das war allerdings nicht so ein Uralt-Teil, sondern ein etwas jüngeres Gerät (Trace-Elliot Twin Valve), das halt nur ca. 20-25 Jahre nicht benutzt worden war.
Da ich zum Thema Schneewittchensarg an dieser Stelle
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auch lese, dass so ein altes Gerät nicht unbedingt defekte Kondensatoren zu haben braucht, frage ich mich, ob man das langsame Hochfahren mit Stelltrafo einfach mal machen sollte?
Wenn einzelne Kondensatoren sehr altersschwach oder schon platt sein sollten, wäre jetzt meine Vermutung die, dass die - sagen wir - pyrotechnischen Effekte mit verminderter bzw. langsam hochgefahrener Netzspannung dann vielleicht auch nicht ganz so spektakulär ausfallen würden. Das wäre ja dann doch auch eher positiv.
Oder kann durch das langsame Hochfahren irgendwas Schaden nehmen? Bei einem klassischen Röhrengerät würde ich mal denken, dass nein, oder? Oder wäre etwas in der Richtung vorstellbar, dass z.B. die Kathode zu sehr belastet wird, wenn schon ein Teil der Anodenspannung anliegt, aber die Heizung noch nicht ganz da ist?
Habt Ihr da einschlägige Erfahrungen? Versuch macht zwar kluch, aber ich würde doch gern die Konsequenzen abschätzen, bevor ich einen entscheidenden Fehler begehe ...
Danke und viele Grüße
Dieter Michel
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L
Leo Baumann
[...]
Hallo,
ich würde mich an die Vorschläge aus dem Bericht halten, also Elektrolytkondensatoren u. Röhren alle tauschen und dann an Netzspannung einschalten.
Grüße
J
Joerg Niggemeyer
Ich habe da selber keine Erfahrungen, ich würde aber die Elkos eventuell ausbauen und dann ausserhalb des Gerätes messen und langsam hochfahren. Falls zuviel Leckstrom etc. dann begrenzt das die ext. Supply und ich bin dann safe, wenn ich sie zurückgebaut habe, dass die i.O. sind. Muss man ja vielleicht nicht mit allen machen. Je nach Schaltplan C im eingebauten Zustand messen.
--
H
Hans-Juergen Schneider
Na klar. Du kannst die Stunde auch in mehrere kurze Phasen aufteilen. So ein Doppelelko (vermutlich M18) ist schwer zu kriegen. Verdächtig sind Papierkondensatoren mit bröseligem Verguss. Die kannst Du gleich ersetzen.
MfG hjs
A
Andreas Bockelmann
Leo Baumann schrieb:
Für das wilde Röhrentauschen gibt es gar keinen Grund. Röhren prüft man erst mal auf Sicht. Sind die Getterspiegel schön silbrig und nicht weiß-pulverig, hat die Röhre schon mal keine Luft gezogen. Dann die Heizung an. Glühen alle Röhren vor sich hin, wird so viel nicht mehr kaputt sein.
Mit Anodenspannung fährt man dann die Spannung langsam hoch, Glühlampe in Reihe und/oder Strom überwachen.
Noch problematischer als die EWlkos sind die Koppelkondensatoren, meist noch wachsgetränkte Papierwickelkondensatoren. Die sorgen für Vollaussteuerung der Röhren (rote Backen), prüfen, im Zweiflesfall erneuern. Und nein, Papierkondensatoren klingen nicht besser als moderne Polypropylenkondensatoren. Das "bessere Klingen" war die Verschiebunfg des Arbeitspunktes wenn sich die ersten Leckströme einstellen.
Bei den Elkos würde ich erst ein paar Stunden mit rund 1/3 der Nennspannung auf das Gerät gehen, dann 12 Stundne mit 2/3. Die Elkos könne völlig in Ordnung sein, aber sie müssen mit Sicherheit langsam neu formiert werden. Gebt ihnen Zeit dafür.
Röhren könnt Ihr tauschen wenn alles andere fit ist. Ich weiß jetzt nicht welche Endstufenröhren im SKS sin, aber wenn das ELL80 oder ECLL800 sind, dann psrehcne wir von teuer (ECLL800) oder Unobtainium (ELL80) Ein fdefkter Koppelkondensator kann eine neue ELL80 oder ECLL800 (aber auch EL95) innerhlab von < 1 Stunde komplett ruinieren.
Wichtig bei Röhrengeräten: Sobald auch nur eine Röhre rote Backen bekommen sollte, sofort abschalten. Geplatzte Elkos sind eine Sache, da kann man aber immer was basteln, Röhren sind kostbar und teuer. Ich kenne nur einen einzigen uralten US-Amerikaner (Ron Soyland aka Galsslinger), der sich seine Röhren selber baut.
A
Andreas Bockelmann
Ich habe gerade einen Schaltplan des SK5 in klitzekleiner AUflösung gefunden, aber:
1) Endstufe einmal EL84 single ended, ist robust, die hält auch mal ein paar Minuten "rote BAcken" aus
2) Für kritisch halte ich nur den 50(?)µF-Elko an der Anodenspannung. (Trafo, Diode, Elko gegen Masse. Die übrigen Elkos stabilisieren nur Kleinspannungen
R
Rolf Bombach
Dieter Michel schrieb:
Das ist so, man sollte keine Anodenspannung draufgeben, bevor alle Kathoden voll geheizt sind. Allerdings sind Verzögerungs- schaltungen in Consumer-Schaltungen nicht anzutreffen, d.h. im Normalbetrieb muss es das aushalten.
Eine Idee wäre, alle Röhren zu ziehen, am besten, nachdem man sich gemerkt hat, wo welche hinkommt, und dann die Netzspannung hochdrehen. Allerdings nur bis 180 V oder so wegen Leerlaufüberspannung Trafo. Wer sich wirklich auskennt kann ja die Spannung am Elko überwachen (215 VDC). Da so auch kein Heizstrom fliesst, kann man eine Glühlampe in die Netzzuleitung einschleifen und so den Strom wenigstens irgendwie überwachen.
R
Rolf Bombach
Dieter Michel schrieb:
Der Fortgeschrittene möge über W28 1k5 kontemplieren, ohne den die Brummkompensation nicht funktionieren würde.
A
Andreas Graebe
Am Mon, 10 Jun 2024 00:55:01 +0200 schrieb Dieter Michel:
Je nach Ausstattung empfehle ich folgendes Vorgehen:
Am Ladeelko (Ausgang Gleichrichter) über einen Widerstand von einigen Kiloohm eine Spannung von außen einspeisen, Strommessgerät in den Kreis, Spannung im Bereich bis zur Betriebsspannung steigern. Den Strom beobachten, meist schwankt er erst einmal, bis die alten Elkos wieder formiert sind. Diese sind meist noch rettbar (es sei denn, es sind schon Spuren von Materialaustritt zu sehen). Hier bitte Geduld, es kann Stunden dauern. Die Röhren dürfen natürlich nicht geheizt sein.
Sollte keine externe Spannungsquelle vorhanden sein, kann man auch den Widerstand zwischen Trafo und Gleichrichter einbauen. Muß natürlich entsprechend belastbar sein. Die Heizung muß dann abgeklemmt werden, oder für Mutige alle Röhren raus.
In der vorliegenden Schaltung gibt es von der Betriebsspannung keine Spannungsteiler gegen Masse, also dürfte ohne Röhrenheizung eigentlich kein Strom fließen. In der Praxis gibt es natürlich Leckströme, bei den Elkos am meisten.
Wenn der Strom auf wenige mA gesunken ist, empfehle ich die Kontrolle der Koppelkondensatoren. Einfach mit einem hochohmigen Voltmeter die Spannung am Ausgang der Koppelstufe gegen Masse messen, hier ist besonders der Kondensator wichtig, der am Steuergitter der Endröhre liegt. Im Beispiel ist das C37. Hat der einen Leckstrom, kann das fatale Folgen haben, im schlimmsten Fall wird der Ausgangsübertrager zerstört, wenn der Arbeitspunkt der Endröhre stark verschoben ist. Verdächtige Kondensatoren auswechseln, eine komplette Kondensatorkur ist meist unnötig.
Auch immer einen Blick wert sind die Abblockkondensatoren am Schirmgitter der ZF-Verstärker. Hier geht zwar nichts weiter kaputt, aber die Verstärkung der Stufen geht dann in die Knie. Hinter dem Vorwiderstand sollte annähernd dieselbe Spannung anliegen wie davor.
Fehlt diese Spannung total, wird es wohl am Widerstand liegen, das kommt auch häufig vor.
Ein wichtiges Bauteil ist auch immer der Kathodenelko der Endröhre. Der ist auch oft nicht mehr gut, läßt sich erst einmal durch eine Widerstandmessung Kathode Endröhre gegen Masse abschätzen.
Wenn dann irgendwann der Betriebsstrom klein genug ist, kann man es wohl wagen, das Gerät zu betreiben, also Gleichrichter wieder an den Trafo, Heizung anklemmen bzw. Röhren wieder rein (ggf. Stifte der Röhrensockel mit einem Glasfaserstift reinigen), Strommeßgerät beobachten. Die im Schaltbild angegebenen 51 mA sollten nicht stark überschritten werden.
Wenn die Endröhre rote Backen bekommt, sofort abschalten.
Möglicherweise war es das dann schon fürs Erste, Röhren sind erstaunlich haltbar, wenn sie nicht überlastet werden. Auch mit 70% Emission läuft das Radio noch brauchbar.
Bitte unbedingt nach einigen Minuten die Kathodenspannung der Endröhre prüfen, ob sie wirklich stimmt. Ansonsten Kathodenelko wechseln.
Im Allgemeinen kann man die oben genannten Arbeiten ausführen, ohne das Chassis auszubauen. Es reicht meist, Rückwand und Bodenplatte abzunehmen. Bei letzterer bitte auf eventuelle Massedrähte achten, manchmal sind welche angenietet.
Letzter Tip: wenn es beim Abstimmen eines UKW-Senders brummt, ist oft der Elko am Ratiodetektor schuld, hier C32. Da man wohl kaum 4µF bekommt, kann auch gerne 4,7µF genommen werden. Spannungsfest sollte er schon sein, mindestens 63V, und beachten, der Pluspol liegt an Masse.
Viel Erfolg und berichte dann doch bitte von der Inbetriebnahme.
D
Dieter Michel
Hallo Andreas und alle anderen, die bisher geantwortet haben,
vielen Dank erstmal für alle Tips!
Die genaue Vorgehensweise muss der Freund von mir natürlich entscheiden, der aber natürlich auch das Gerät nicht fahrlässig zugrunde richten will. Ich seh den morgen und spreche mit ihm.
Also, die Röhren hätte ich auch nicht als Erstes getauscht, zumal da Typen dabei sind, für die ich keine Quelle wüsste, z.B. die EACB80.
Das mit dem Elkos formieren wusste ich ja und bin dankbar für Eure Detailtips. Ich denke, auf jeden Fall wird aufschrauben und Sichtprüfund der Kondensatoren angesagt sein. Für einen geplanten Verkauf des Geräts könnte eine durchgeführte Kondensator-Kur ja ein wertsteigerndes Argument sein - vielleicht sollte man erwägen, das zu machen oder machen zu lassen.
Vorsichtige Inbetriebnahme mit viel Zeit, Stelltrafo und Stromüberwachung (hätte hier ein ZED Zimmer LMG90) könnte man ja mal machen. Ggf. ohne Röhren oder mit extern gespeister Röhrenheizung.
Den Ladeelko für die Anodenspannung mal extern über einen Vorwiderstand speisen, würde ich gern versuchen, habe aber nur so die "normalen" OpAmp/Transistor-Stromversorgungen. Einstellbar 215V DC fehlt mir da leider.
Ich spreche erstmal morgen mit dem Freund und melde der Vollständigkeithalber hier zurück, bevor ich was mache.
Danke nochmal und viele Grüße
Dieter
A
Arno Welzel
Andreas Bockelmann, 2024-06-10 16:33:
[...]
ECLL800:
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ELL80:
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Ja, billig ist da nix, aber zumindest nicht komplett unverfügbar.
A
Arno Welzel
Dieter Michel, 2024-06-12 15:02:
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H
Heinz Schmitz
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"14.Sep.06 22:01 ELL80 (ELL80), Ersatz durch 2 adaptierte EL95"
Grüße, H.
A
Andreas Bockelmann
Die Ersatzschaltungen sind bekannt. ELL80 habe ich keien Verwendung. Ich habe vor vielen Jahren mal gezielt auf ebay ECLL800 NOS gehamtert. Habe nie mehr als 25 Eypos (landed costs) pro Stück bezhalt. Ich weiß gar nicht wie viele es sind, aber 24 Stück dürfte ich im Bunker haben. Ich komme nur nicht dazu die zu verbauen. Ein Grundig NF35, ein Grundig Steomeister und ein Braun Receiver und ein SABA Zweispurtonbandgerät warten seit über 20 Jahren auf Restaurierung. Dazu kommen dann noch zwei Grundig HF1 (einer wohl nur noch Teileträger und ein Grundig NF2, aber die haben nichts mit ECLL800 zu tun.
Wenn ich in ein paar Jahren in Rente gehe, werde ich noch weniger Zeit haben :-)
A
Andreas Bockelmann
Arno Welzel schrieb:
Die EACB80 gibt es auf ebay, natürlich auch RSD.
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