[OT] Gamma-Scout in der Version von 2003 und was man damit machen kann

Feb 09, 2023 Last reply: 3 years ago 34 Replies

Hi,



mein Gamma-Scout-Messgerät in der Version von 2003 hat damals 249 € gekostet. Heute, mit der zusätzlichen Dosimetrie, ist das Gerät doppelt so teuer.-



Die Batterie ist jetzt 20 Jahre alt und immer noch voll.-



formatting link



Abgesehen von den Messungen die man direkt ablesen kann habe ich 'mal aufgeschrieben was man sonst noch damit machen kann ...



formatting link



Grüße


Leo Baumann schrieb:

Ich gehe mal davon aus, dass es sich um ein GM-Zähler handelt.

Der kann nur die Gammaquanten an sich feststellen (mit bescheidenem Wirkungsquerschnitt), nicht aber die Energie.

Ist deine "Zählrohrkonstante" noch auf Cs-137 kalibriert oder schon auf Co-60? Macht rund einen Faktor 2 aus. BTW, wieviele Wochen müsste man messen, bis man "114.67" mit akzeptabler Statistik rauskriegt?

Face it: Mit einem GM-Zähler kannst du keine Dosisleistung messen, nur schätzen. Mit der ungefähr zur Zeit deines Geräts stattgefundenen Umdefinition hat man sich daher auf die sichere Seite begeben.

Mit einem vernünftigen Szintillator siehst du schon beim Nulleffekt etwa 1000+ mal mehr Ereignisse, inklusive (geschätztem) Gammaspektrum.

Am 09.02.2023 um 22:25 schrieb Rolf Bombach:

Das ist mir schon klar. Dann schätze ich eben. Einen Szintillator können sich nur Könige von Lydien u. ihre Freunde, wie Dich, leisten. :)

Am 09.02.2023 um 22:25 schrieb Rolf Bombach:

Endfensterzählrohr nach Geiger-Müller mit Neon-Halogen-Füllung. Gamma-Empfindlichkeit 114.67 Impulse pro Minute nach Co-60-Strahlung.

Jede Messung ist nur eine Schätzung.

w.

Helmut Wabnig schrieb:

Hier geht es aber um ein systematisches Problem. Und dieses kann Abweichungen von einer Grössenordnung im Dezimalsystem generieren, in beide Richtungen. Es tritt bei GM-Zählern auf und bei Szintillatoren nicht. Nicht dass letztere nicht eigene Probleme hätten.

Am 10.02.2023 um 19:24 schrieb Rolf Bombach:

Von Dosimetern mit Zählrohren hälst Du garnichts?

Am 10.02.2023 um 19:24 schrieb Rolf Bombach:

In absehbarer Zeit bekomme ich ein Hancaner Dosimeter auf die Werkbank. Mal sehen was Du dazu sagst, im Moment habe ich keine Daten ...

formatting link

Am 09.02.2023 um 08:12 schrieb Leo Baumann:

techn. Daten ...

formatting link

Am 10.02.2023 um 19:48 schrieb Leo Baumann:

Habe heute mein Hanaker Dosimeter bekommen ... Die Anzeigen sind selbsterklärend ...

formatting link

formatting link

:)

Am 11.02.2023 um 15:28 schrieb Leo Baumann:

Daten Dosimeter ...

formatting link

Leo Baumann schrieb:

Lange Version: Die ionisierende Strahlung ist eine von vielen Bedrohungen für die eigene Gesundheit. Da ist es von Vorteil, wenn man diese einfach, sicher und günstig messen kann. Da ist man mit einem GM-Schätzeisen gut beraten. Jedenfalls in 99% der Fälle.

Das kann man gar nicht vergleichen mit z.B. chemischen Gefahren. Da müsste man ggf auf tausende von Substanzen überprüfen. Von den bekannten Substanzen weiss man nur gelegentlich, wie gefährlich (insbesondere langfristig) die sind und noch seltener kennt man die Schädigungsmechanismen. Noch unheimlicher sind bis dato unbekannte Substanzen.

Ein weiterer Vorteil auch einfacher Geräte ist, dass man sogar einen Nulleffekt feststellen kann. Das ist ein guter Test für das Gerät, sagt aber auch, dass man Dosen messen kann, die noch nicht konkret gefährlich sind. Bei sehr hohen Dosisleistungen wird allerdings die Totzeit überschritten, und die Geräte zeigen gar nichts mehr an. Ich möchte hier lieber nicht auf ein konkretes Beispiel verweisen.

Die neueren Geräte sind auf Co-60 "kalibriert", da ist man für den typischen Störfall auf der sicheren Seite. Aber wie angedeutet, die messen Pulse pro Zeit und nicht Gray pro Zeit oder dergleichen.

Das ist ähnlich intelligent, wie bei einer Leistungsmessung an einem Ohmschen Verbraucher nur den Strom, aber nicht die Spannung zu messen. OK, wenn das Ding an der Steckdose angeschlossen wird, kann man 230 V annehmen, dann kommt das schon gut hin. Wenn man das nicht weiss, kann man nur schätzen, dass im üblichen Haushalt die Kabelgebundenen Verbraucher wohl im Bereich von 5 V bis

400 V liegen. Mit dieser Variation sind wir dann so etwa wieder beim GM-Zählrohr.

Gibt natürlich Fälle, da nützen die Geräte wenig, so von Tritium bis Plutonium.

Die GM-Geräte helfen allerdings auch nicht gegen Fehleinschätzungen der Situation. A fool with a tool is still a fool. Die einfachen Geräte helfen bei der Detektion und Abschätzung von Strahlung(en) aus der Umgebung. Sie sind weitgehend nutzlos zur Einschätzung von Kontaminationen. Da hatten wir endlose Diskussionen bei Anfragen nach Fukushima. Da grassierte u.a. die Meinung, mit einem Conrad-49.99€-Gerät könne man mal rasch um die Ecke Richtung Container schauen und dann sicher feststellen, dass davon (natürlich ist hier nur die Oberfläche gemeint) keine Bedrohung ausgeht.

Bei Kontamination ist immer die Inkorporation die mit Abstand grösste Gefahr. Um Grössenordnungen.

Dazu kommt, dass das Auffinden selbst eher hoher Kontamination auf einem Patienten mit einer beta/gamma-Wischtestsonde von vielleicht 2.5cm² eine viertel Stunde dauern kann. Da helfen dann nur alpha-taugliche Grossflächensonden, heute mit Szintillator- verfahren (vergleichsweise Laien-tauglich). Die haben dann 50cm² oder so, da wird man wenigstens fertig.

Messung von Aktivitäten ist schliesslich noch undurchsichtiger. Cs-137 ist ein Betastrahler mit verschiedensten Energien in den Elektronen. Unnötig zu erwähnen, dass die Betastrahlen auf schwereren Materialien Bremsstrahlung auslöst. Das Cs-137 zerfällt allerdings zu Ba-137m, was seinerseits dann die bekannte 662 keV-gamma-Linie von "Cäsium" aussendet. Welche ihrerseits wieder allerlei Auger-Betastrahlen verursacht. Es verbleibt ein Barium mit einem Elektron zu wenig, was noch einige Röntgenlinien bei z.B. 32 keV etc. zur Folge hat.

formatting link
Also viel Spass beim Bestimmen der vorliegenden Cäsiummenge.

Leo Baumann schrieb:

Nunja, es ist nicht klar ersichtlich, ob sich diese ±30% auf die "CPM" oder auf die uSv/h beziehen. Was für ein Zufall...

Falls es wirklich wichtig ist, müsste ich beim Kollegen nachfragen, welcher jahrzehntelang solche Geräte repariert und geeicht¹(sic) hat.

¹
formatting link
Jedenfalls bis 10 Sv/h.

Am 14.02.2023 um 23:15 schrieb Rolf Bombach:

Ich denke die <=+-30% beziehen sich auf die 48keV-1.5MeV, also den Energiebereich in dem das Zählrohr empfindlich ist ...

Am 14.02.2023 um 23:06 schrieb Rolf Bombach:

Das Gamma-Scout-Gerät läßt >80 uSv/h (500fache Normalstrahlung in Heidelberg) die Flügel hängen.-

Das Hancaner-Dosimeter hat auch eine Anzeige für die Äquivalentdosisleistung und gibt >10 mSv/h den Geist auf.

Am 14.02.23 um 23:24 schrieb Leo Baumann:

Das wäre ja auch kein schlechter Wert. Es gab mal die Yahoo-Gruppe Geigerzähler, dort hatte AFAIR auch der Entwickler vom Gamma-Scout damals mit geschrieben.

Das Sievert ist keine physikalische Maßeinheit sondern eine Biologische. (Die physikalische Maßeinheit wäre das Gray (Gy).)

Sievert ist demnach die Maßeinheit für das zusätzliche stochastische Risiko an einem strahleninduzierten Krebs zu sterben.

Als Normale für die Kalibrierung von Dosimetern wiederum dienen Gewebephantome mit eingelassenen Messonden in unterschiedlichen Gewebetiefen. Und was das angeht gibt es verschiedene Sieverts...

Diese Phantome tragen Dosimeter, erhalten eine Exposition und am Ende wird die Dosis(Leistung) mit dem verglichen was die Messtellen im Phantom anzeigen.

Damit das näherungsweise funktioniert muss die Energieabhängigkeiten der Zählrohre/sonstiger Detektoren durch Abschirmungen kompensiert werden welche teilweise durch die Strahlung angeregt werden (die Empfindlichkeit von "nackten" GM Zählrohren sinkt bei steigender Energie).

Dass eine bestimmte Anzahl Impulse soundsoviel Sievert entspricht ist also kein Zufall. Und 30% wäre für ein günstiges Gerät wie den Gamma-Scout eigentlich nicht schlecht :-)

O.J.

Leo Baumann schrieb:

Als Einsatz-Dosisleistungswarngerät also unbrauchbar. Die Kommandierdosis ist 25 mSv. Da ein Atemschutzeinsatz automatisch durch den Luftvorrat auf 30 Min begrenzt ist, wird Daueralarm bei 50 mSv/h ausgegeben. Das Gerät muss wohl das zehnfache mitmachen können, oder "Dauerzündung" muss mit andern schaltungstechnischen Massnahmen erkannt werden. Diese Geräte haben auch sehr kleine Zählrohre eher so im Glimmlampenformat. In Friedenszeiten geht die Gefahr eher von kleinen, aber starken Quellen aus. Irgend eine Kobaltquelle vom Laster gefallen und der Inhalt aus dem Bleiklotz gekullert.

formatting link
'n Mist halt. Und da darf man nicht um die Ecke gehen können und das Warngerät geht instantan an Anschlag (und schweigt). Die Erdbebenbilder lösen da bei mir zusätzliche Panik aus. Betonbauten, die zusammenstürzen, und darin wohl irgend so was. Betonwände können Gammastrahlen unglaublich gut bündeln (im Sinne von gerichtet Abschirmen). Die Quellensuche ist da extrem schwierig und gefährlich. War schon im Übungsfall sehr unangenehm.

Am 15.02.2023 um 22:07 schrieb Rolf Bombach:

Das Hancaner Dosimeter ist wohl brauchbar bei ständiger Arbeit mit Radionukliden.

Empfohlen sind da Äquivalentdosisleistungen <= 28 uSv/h u. eine Energiedosis <= 0.008 uGy.

Am 15.02.2023 um 22:07 schrieb Rolf Bombach:

Beim Hancaner Dosimeter kann man den kumulativen Alarm zwischen 10uSv und 100mSv aktivieren. Wie die das machen mit einem max.

10mSvt/h-Zählrohr, keine Ahnung.

Eine nomrale Arebitswoche hat 35--40 Stunden -- und man darf mehr als eine Woche im Monat arbeiten.

Join the Discussion

Have something to add? Share your thoughts — no account required.

Didn't find your answer?

Ask the community — no account required