Geriatronik reparieren. Heute: Kenwood A87/A97

Jan 03, 2025 Last reply: 1 year ago 13 Replies

Hallo!



Der Verstärker hat sich kaputtgelangweilt. Nach über 10 Jahren im Karton geht er einzuschalten, alle LEDs funktionieren, Quellumschaltung OK, Relais für Quellen und Lautsprecher A/B klicken, über seriellen Bus verbundene Komponenten lassen sich fernbedienen.



Leider aus dem Lautsprecherausgang nicht der geringste Pieps. Egal bei welcher Lautstärkeneinstellung, Kanal A oder B. Nicht mal Rauschen. Egal, welche Quelle.



Servicehandbuch:

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(IC3):
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Der Endverstärker scheint jedenfalls um IC3 herum gruppiert zu sein ("H. P. Amp"), STK401-071 bzw. STK401-271. Den würde man in zwielichtigen Shops schon noch kriegen, bezweifle aber, daß der hinüber ist, ging vor Außerdienststellung noch. Lt. Datenlatt möchte der bis zu ±30V Betriebsspannung haben und genau da glaube ich, daß es hakt.


-30V max. sind für den Rest des Geräts (der ja funktioniert) vollkommen unüblich, da hat man Spannungsregler für +5.75V und +12V, der OPAMP kriegt vermutlich ±15V, wenn ich den Schaltplan beim kurzen Überfliegen richtig interpretiere.



Kondensatoren schauen nicht aufsehenerregend aus, ist nichts geplatzt, abgeraucht oder ausgelaufen.



Ich repariere selten Geriatronik und kenne die Testpunkte dieses Verstärkers nicht, würde aber wohl zuerst den STK401-071 aufsuchen und nachsehen, ob der an seinen Beinchen eine plausible Betriebsspannung hat:


3 soll Masse haben, 13 +Vcc, 12&14 -Vcc, Eingangssignal an 1 (L) und 5 (R), Ausgangssignal an 15 (L) und 18 (R, oder 16 - so genau kann man das auf dem scheißigen PDF nicht erkennen). Wenn sich da was fehlt, kann man weiter graben.

Kennt jemand womöglich dieses Gerät und/oder hat heiße Tips für mich?



Dank & Gruß, Volker


Volker Bartheld schrieb am Fri, 03 Jan 2025 14:30:11 +0100:

Gibt es einen Kopfhörerausgang? Wenn ja, kommt da was raus? Relaiskontakte oxydiert?

HTH

Frank

Am 03.01.25 um 14:30 schrieb Volker Bartheld:

Hallo,

ich kenne das Gerät nicht, habe aber ein wenig allgemeine Erfahrung.

Bei defekten Verstärkern messe ich als erstes ob die Ausgangsspannung im Ruhezustand ohne Boxen nahe bei Null Volt liege, im Rahmen von üblichen Offsetwerten. Das geht noch ohne Öffnung.

Möglicherweise kann man da auch schon feststellen ob die Ausgänge überhaupt durchgeschalten sind vom Relais.

Nach dem Öffnen kontrolliere ich alle Betriebsspannungen und die Gleichrichterdioden.

Wenn am Ausgang kein Signal ankommt, dann hat möglicherweise eine der Schutzschaltungen angesprochen und verhindert, daß das Verstärkersignal zum Ausgang durchgeschalten wird.

Gleichspannung am Ausgang kann ja die angeschlossenen Boxen zerstören, manchmal sind die wertvoller als der Verstärker.

Dies ist ja ein Verstärkern mit symmetrischer Betriebsspannung. Eine häufige Ursache für Defekte ist da der Ausfall einer der beiden Betriebsspannungen, etwa wegen defekten Gleichrichtern.

Dann sollte man sich mit der Wirkung der Schutzschaltungen befassen. Man kann ergänzend auch nochmals die Ausgangsspannung direkt am Verstärker-IC messen und überprüfen, ob da eine hohe Gleichspannung anliegt. Auch mit einem Eingangssignal und kontrollieren ob davon am Ausgang des IC was ankommt.

Ich sehe beim IC nur 16 Pins!

Bei solchen Verstärkern liegen die Ausgänge oft am Rand auf der anderen Seite wie Eingänge um Rückkoppelungen zu vermindern.

Diverse andere Ursachen für den Defekt sind auch denkbar.

Bernd Mayer

Am 03.01.25 um 14:30 schrieb Volker Bartheld:

Das ist so ein komisches Surround-Ding. Da musst du auch man das Setup checken. Und hast du hinten die Brücken richtig drin?

Die STKs sind keine Highlights und sterben auch mal gerne, aber nicht gerade durch herumliegen.

Ersetzen durch China-Schrott-Nachbauten ergibt in der Regel noch weniger Sinn. Die verrecken schneller als man sie einlöten kann. Ich baue in solchen Fällen einfach eine halbwegs äquivalente, diskrete Endstufe ein. Technisch sind das ja einfach Leistungs-OPs. Klassische Gegentakt mit SOA-Protection rein und fertig.

ABER - das ist nicht die primäre Endstufe! Die ist diskret aufgebaut und läuft mit ±50V.

Was sagt denn das Messgerät? Die Spannung an den dicken Elkos kannst du ja mal messen.

Ja, für das Kleingehölz schon. Endstufen für 8 Ohm brauchen aber mehr.

Die bauen nach 10 Jahren in der Ecke eher mal die Formierung ab. Und wenn sie dann die Spannung beim Einschalten nicht mehr aushalten gibt es einen Kurzen und üblicherweise fliegt dann irgendeine Schmelzsicherung.

Wie gesagt, ist eine sekundäre Endstufe.

Das Gerät kenne ich nicht, aber du musst halt einfach dem Signal folgen.

- Stimmen die Versorgungsspannungen?

- Kommt überhaupt ein Audiosignal am Eingang der Endstufe an?

- Haben die Lautsprecher-Relais noch Durchgang?

Marcel

Das fragliche Gerät ist kein Surround-Ding, irgendwas mit A27 oder A26, muß ich nochmal schauen, dazu kriegte ich aber keinen Schaltplan.

OIDA! Na Du machst mir Spaß. Ich hab hier noch einen BMW E90 mit Motorstörungslamperl liegen, da heißt es:

Steuergerät : 12 DME/DDE - MSD80N43 - Motorelektronik MS 80 4 Zylinder N43 Job Status : OKAY Fehlerort : 11825 0x2E31 - 0x2E31 Einspritzventil Zylinder 2, Ansteuerung Fehlersymptom : 4474 Kurzschluss Readyness Flag : 17 Testbedingungen noch nicht erfüllt Fehler vorhanden : 32 Fehler bisher nicht aufgetreten Warnung Flag : 49 Fehler würde das Aufleuchten einer Warnlampe verursachen

, die Drecksteile verrecken offenbar schneller, als ich mit der Reparatur nachkomme. Wenn das der MOSFET in der DME ist, wirds echt knifflig.

Ich hatte das Ding noch nicht offen, wollte erstmal das Expertengremium hierzugroups fragen, bevor ich mich auf Geisterjagd begebe.

Das werde ich dann wohl mal machen. Und bei Line-Out bzw. dem Kopfhörerausgang schauen. Kaputter kann das Ding ja wohl nicht werden. Was mich an meinen Denon AVR 3300 erinnert. Da wollte ich eigentlich während der Feiertage die Pins vom DSP-Sockel nachlöten. Aber kaputte Dosen erzeugen bei den Usern offenbar höheren Leidensdruck.

Mein Audi A3 8L, den ich gerne "Olympischer Alptraum" nenne (wegen der Ringe und der Zuverlässigkeit) ist jedenfalls vollumfänglich rehabilitiert. Die Liste an Defekten, darunter Klebelenkung, ABS-/ESP-Drucksensoren, festgefressene Bremssättel, durchkorrodierte Bremsleitungen, abgefaulte ABS-Sensorringe, tropfende Injektoren, ausgenudelte Keilrippenriemenspanner, jaulende Kraftstoffpumpen, pelzige Luftmassenmesser, ungenaue Kraftstoffdrucksensoren, schlaffe Gasdruckfedern, jede Menge durchgebrannte Leuchtmittel, tote Batterien, usw., die mir bei weißblauen Propellern begegnet sind, toppen das locker.

Volker

Im Subject steht aber A87/A97

Wenn schon die Angabe des Geräts nicht stimmt, ist alles weitere natürlich gegenstandslos, Service-Manual inklusive.

Analoge Endstufen bekommt man eigentlich immer wieder zum fliegen.

Marcel

Bekannt.

Ist nicht. Das Rad neu erfunden hat auch Kenwood mit jedem neuen Verstärker der Baujahre 1993-1995 nicht. Ich hab den Prügel gerade nicht hier, mir auch nicht das Label präzise gemerkt. Weiß aber, daß er Bestandteil eines HiFi-Turms mit Kenwood DP-M 87 [1] war und deswegen höchstwahrscheinlich zur Gesamtanlage Kenwood M-97 X (MX) gehörte [2]. Daher eine mutige Extrapolation meinerseits, mea culpa.

Das hoffe ich auch. Wäre schade, das Ding wegen trockener Elkos oder einer kaputten Gleichrichterdiode auf den Elektronikfriedhof zu schicken.

Volker

[1]
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Volker Bartheld schrieb am Sat, 04 Jan 2025 13:51:14 +0100:

Es bestärkt mich in meiner Theorie, daß jede Fehlersuche mit den Fragen: "Ist es eingeschaltet, stecken alle Kabel drin?" eingeleitet werden muss, auch wenn es einem auf den ersten Blick peinlich erscheint. Das sage ich ohne Häme und ähnliche Böcke habe ich auch schon geschossen.

Freut mich, daß alles schnurrt, habe selbst noch so einen "HiFi-Turm", den ich leider viel zu selten nutze.

MfG

Frank

Am 04.01.25 um 13:51 schrieb Volker Bartheld:

:-)

Es gab Zeiten, da hat man sich Mühe gegeben. Ich habe auch noch einen alten Yamaha, der deutlich über 100dB SNR hat. Wenn man da nicht gerade Lautsprecher mit sehr gutem Wirkungsgrad dran hat, braucht man schon ziemlich gute Ohren. Mittlerweile haben die Dinger weniger SNR, aber eigentlich immer noch genug.

Dicke Backen gibt es (fast) nur in Schaltnetzteilen, wo die Kondensatoren von innen geheizt werden. In Verstärkern trocknen sie aus, was bei Siebelkos zu Brummen führt, oder sie bekommen Leckströme, was bei Koppelelkos zu prasselnden Störgeräuschen führt. Aber da die Dinger dort typischerweise nicht sehr heiß werden, halten die oft ewig. Ich hatte kürzlich einen Grundig R5000 auf dem Tisch, weil eine Sicherung durch war. Alter >45 Jahre, bisher war nur ein einziger Elko kaputt.

Die Chance, was neues, schlechteres einzubauen, sollte man auch mit einkalkulieren. Es wäre nicht das erste mal, dass ich kaputte Elkos in einem Schaltnetzteil oder Mainboard gegen >20 Jahres altes Zeug aus der Grabbelkiste getauscht habe, und die Geräte damit sowohl besser als auch länger lebten als mit der Originalbestückung.

Marcel

Allerdings. Hätte ich auch sehen/wissen/vermuten/fragen können, war mir aber zu offensichtlich. Je nun. Lesson Learned, mehr Zeit für BMW-Injektoren, diverse Leuchtmittel, Keilriemenspanner und Ölstandssensor. Ja, natürlich hat der einen Ölstandssensor. Denn bei einem Peilstab für 10€ müßte der Fahrer sich ja regelmäßig zum Motorraum bemühen.

Ich werde mich demnächst mal mit viel Lötflutschi meinem Denon AVR-3300 widmen. Für regelmäßige Benutzung nimmt der zwar viel zuviel Standby, aber um damit gelegentlich den Nachbarn auf den Nerv zu gehen, ist er ideal. Da geht schon auf

25% ordentlich der Punk ab.

Volker

Ja, das ist echt der Hammer. Faszinierend. Und zwar bei offenen (nicht kurzgeschlossenen) Cinchbuchsen, die sich ja schon ein bisserl Mist einsammeln. Aber OK, auch meine Canton AM 5 sind diesbezüglich recht geil. Da kriege ich regelmäßig fast Herzstolpern, wenn ich nach einem leise ausgesteuerten Video vergesse, den Regler wieder unterzudrehen.

Da gibts nichts dergleichen. Sagt die Eigentümerin.

Ich werde vielleicht mal bei meinem Sinclair ZX Spectrum die Elkos tauschen. Da gibts mittlererweile recht hochwertige Kits für und wenn strategisch ungünstige Elkos versagen, dann gehen schwer erhältliche Chips über den Jordan. Das möchte ich aus nostalgischen Gründen vermeiden.

Jup. Genau meine Meinung.

Volker

Volker Bartheld schrieb am Sun, 05 Jan 2025 16:19:23 +0100:

"Meine Nachbarn hören rund um die Uhr Heavy Metal. Ob sie wollen oder nicht..."

MfG

Frank

Frank Scheffski schrieb am 05. Jan. 2025 um 22:19:

Heavy Metal ist ned so meins, aber zu Silvester habe ich um Punkt 0 Uhr den Donauwalzer mit dem Pioneer AVR in meine Fine Arts "geprügelt". 💪

Normaler Lautstärke Pegel ist um die -32 dB, der Donauwalzer lief mit

+5 dB. 😎

Aja: Ein Freund von mir wurde mal von einem Nachbarn mit "Bauernjazz" zwangsbeglückt - er hat dann mit Wagners Walküre gegengesteuert 🤣

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