t. Nur aus Neugier: Was könnte der Grund sein?

Feb 21, 2026 Last reply: 4 months ago 14 Replies

Hallo zusammen,



hier hätte ich mal eine eher akademische Frage:



Freund von mir hat ein ab und zu, aber nicht regelmäßig genutztes HiFi-Kombigerät, bei dem überraschend bei Wieder-Inbetriebnahme beide Lautsprecher stumm blieben.



Versuch einer Ferndiagnose (Lautsprecher an anderem Verstärker testen. Lautsprecher angeschlossen? Netzspannung vorhanden? usw.) schlug fehl. Also hat er das Teil zur Reparatur gebracht.



Ausgetauscht wurden zwei TDA7294, Ein 10000µF/35V Elko und zwei Schmelzsicherungen, 5A träge. Schaltplan habe ich nicht.



Gerät wurde ja rapariert, meine Frage also aus purer Neugier: Was könnte der Grund gewesen sein, dass beide Endstufen-ICs sterben? Eine Kurzschlußsicherung ist bei den Chips ja eigentlich integriert. Oder tut die manchmal nicht so wie sie soll?



Erste Vermutung: Überspannung. Ein Elko wurde getauscht, also evtl. mehr als 35V Railspannung. Nennleistung ist 35W an 4 Ohm, dafür würden ja eigentlich +/-25V reichen. Würde aber heißen, dass die Endstufen über eine separate Trafowicklung versorgt werden (kann ja sein), denn die restliche Elektronik ist nicht defekt. Die wird zwar vermutlich über Spannungsregler versorgt, aber die normalen



78xx/79xx vertragen ja weniger Eingangsspannung (ca. 35V) als die TDA7294 (+/-50V max).

Wäre ja theoretisch denkbar, aber aus dem Netzteil wurde außer dem Elko nichts getauscht. Evtl. Spannungsspitzen im Netz? Wäre da nicht auch die restliche Elektronik gestorben?



Die Schmelzsicherungen sind beide geflogen, ich weiß aber nicht, ob die in den Endstufen-Rails sitzen oder im Lautsprecherweg? Irgendwann müssen da mal 5A für mehr als ein paar Millisekunden geflossen sein.



Irgendeine Idee? (wie gesagt, akademische Frage aus Neugier)



Danke und viele Grüße



Dieter


Standardfehler bei den Dummies ist, Lautstärkeregler voll auf beim Einschalten.

w.

Ich würde auch vermuten, dass vertrocknete Elkos diesen Folgedefekt nach sich zogen. Die Kurzschlussfestigkeit der TDA7294 gilt vermutlich nur für den Ausgang.

Das Elkoproblem scheint auch bei Onkyo/Denon nicht selten:

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exzessivem Brumm über Halbleitersterben kann da alles passieren.

Wenn Glättungselkos ihren Dienst einstellen, schwingen lineare Spannungsregler auch ganz gerne mal, das gibt dann noch merkwürdigere Effekte. Bei den mittlererweile üblichen Schaltreglern sind Kondensatoren (über)lebenswichtiger Bestandteil von allen Bauteilen die danach kommen, da entweicht u. U. der magische Rauch recht spektakulär.

Es ist mir eigentlich ein Rätsel, warum wir in neuzeitlichen Geräten nach dieser schmerzhaften Lernkurve nicht flächendeckend Low-ESR-Elkos mit vernünftig dimensionierter Spannung und Temperatur finden - aber der Cost-Down-Rotstift regiert.

Wenn ein Produkt 2+ϵ Jahre hält, dann passt es wohl für manche Hersteller.

Volker

Hallo Volker,

danke für die Idee(n)! Vertrockneter Elko ist, glaube ich, nicht ganz so wahrscheinlich (unmöglich natürlich nicht) - das Gerät ist relativ neu, gute 4+ Jahre. Natürlich mehr als 2+ϵ Jahre, von daher natürlich nicht ganz unplasibel =]8^)

Dass der TDA7294 nicht ganz so gut auf sich aufpasst, wie man denkt, könnte ich mir allerdings auch vorstellen.

Hätte jetzt vermutet, dass netzteilmäßig im Endstufenweg des Netzteils eher nichts geregelt wird, aber man weiß ja nicht. Ich hab noch Zugang zu dem Teil. Vielleicht muss ich das zu Schulungszwecken doch mal aufmachen ...

Wohl wahr ...

Danke und viele Grüße

Dieter

Das weiß ich nicht, ich kenne das IC nicht näher. Ein Kurzschluss in beiden Lautsprecherleitungen gleichzeitig wäre aber IMHO ungewöhnlich.

Eine weitere Frage wäre, wie gut/schnell die Übertemperatursicherung des ICs ist.

Laut Datenblatt gelten die +/- 50 V nur ohne Signal. Im Betrieb sind es +/- 40 Volt

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. In
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wird noch auf die max. Verlustleistung des Chips hingewiesen (50 Watt) und dass sich daraus bei 4 Ohm Last nur +/- 30 Volt ergeben (+/- 40 Volt bei 8 Ohm).

Das lässt sich auch ohne Schaltplan doch leicht herausfinden.

Das IC hat laut Datenblatt einen max. Ausgangsstrom (Peak) von 10 A.

Ich würde an Deiner Stelle zumindest mal die Betriebsspannungen messen.

Ist das ein Selbstbaugerät? Dann wären auch falsch dimensionierte Bauteile denkbar.

Ansonsten: Wurde das IC mit Wärmeleitpaste montiert? Ist der Kühlkörper groß genug?

Martin

Ich erinnere mich mit Schaudern an meinen ersten Hifi-Verstärker, wo ich (mit 12 oder so) sorgfältig den Lautstärkeregler auf "Null" gestellt habe bevor ich ihn eingeschaltet habe.

Mit der Notation "Minus Unendlich" konnte ich damals nichts anfangen.

Interssanteweise ist nichts kaputt gegangen. Ich habe aber auch sehr schnell reagiert.

Grüße Marc

Am 21.02.2026 um 14:20 schrieb Dieter Michel:

Die Versorgung muss unbedingt symmetrisch hochkommen.

"More importantly, this is the substrate of the IC, which needs to always be the MOST NEGATIVE point in the IC otherwise various structures in it become conductive or even behave as latched-up thyristors, rendering the whole IC a big short circuit. Result: the IC literally explodes."

Butzo*aussen

Hallo Klaus,

stammt das Zitat aus einer Application Note? Im Datenblatt hatte ich das nicht gefunden.

Ich finde es auch eher plausibel, dass das Problem irgendwie mit der Stromversorgung zusammenhängt, weil beide Kanäle gestorben sind.

Der Elko ist jetzt das einzige bei der Reparatur ersetzte Bauteil, das ich der Stromversorgung zuordnen würde. Weiß jetzt nicht, ob dessen Spannungsfestigkeit so knapp bemessen war, dass eine netzseitige Überspannung (?) quasi eine Seite der symm. Spannungs- versorgung der Endstufen hat sterben lassen, und dann das von Dir erwähnte Szenario eingetreten sein könnte?

Explodiert ist da sllerdings nichts. Die ersetzten ICs sehen von außen unauffällig aus. Kann natürlich sein, dass die wegen der Unsymmetrie der Stromversorgung durchlegiert sind und dann die Schmelzsicherungen die Explosion vermieden haben ...

Danke und viele Grüße

Dieter

Hallo Helmut,

danke für den Tip! Halte ich in dem Fall für eher unwahrscheinlich, weil das Teil einen Inkrementalgeber hat für die Lautstärkeein- stellung. Da nehme ich an, dass es mit der letzten Einstellung oder mit einem sicheren Wert aus dem (vermutlichen) Standby hochkommt.

Viele Grüße

Dieter

Hallo Martin,

denke ich auch eher. Zumal wohl an der Lautsprecherkonfiguration nichts geändert wurde.

Ich lese allerdings hier auch von gestorbenen TDA7294 an einem defekten Lautsprecher mit 0,8 Ohm (vermutlich) Gleichstromwiderstand:

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Da sollte ja eigentlich die Kurzschluß-Sicherung ansprechen und nicht das IC sterben, oder?

Wäre evtl. noch eine Idee, mal die Impedanz der Lautsprecher nachzu- messen, so vorsorglich. Die sind allerdings weit weg, da komme ich nicht so einfach dran.

Ich vermute, dass die Railspannung im Regelbetrieb eher bei +/-25V sein wird, wenn ich mir die Leistungsspezifikation (75W Impulsleistung an

4 Ohm) ansehe. Das entspräche einer Spitzen-Ausgangsspannung (wohl nur für ein paar ms) von ca. 24,5V.

Wenn das im Betrieb über 40V werden, würde der Ladeelko (35V) sterben (was er ja wohl auch ist - einer zumindest) und dadurch die Strom- versorgung der ganzen Endstufen-Mimik zumindest nicht mehr schön symmetrisch ein. Kommt mir ja soweit auch plausibel vor, ich überlege halt, was der Grund gewesen sein kann, weil anscheinend im Netzteil keine weiteren Bauteile defekt waren.

Ok, mal netzseitige Überspannung angenommen, und auch angenommen, dass die Stromversorgung der Endstufen nicht geregelt ist: Dann stirbt der eine Ladeelko der zufällig etwas weniger spannungsfest ist als der andere, zuerst und reisst irgendwie die Endstufen-ICs mit sich.

Im Prinzip ja, aber das Gerät ist nicht hier. Ich habe aber Zugang, vielleicht mache ich das doch mal aus Neugier auf.

Das mache ich vielleicht bei Gelegenheit - für den Fall, dass die Ladeelkos zu knapp dimensioniert sein sollten.

Nein, das ist ein noch relativ aktuelles Kombigerät (CD-Receiver).

Ja.

Weiß ich nicht. Die Fehlerbeschreibung war aber nicht so, dass etwa bei (sehr) lauter Musikwiedergabe auf einmal der Ton weg gewesen wäre. Es ist auch nicht übermäßig laut Musik gehört worden. Von daher halte ich Übertemperatur für unwahrscheinlich.

Danke nochmal für Deine Tips und viele Grüße

Dieter

Theoretisch schon. Aber, wie gesagt, ich kenne das IC nicht näher.

Ich habe aber ein paar TDA7293-Endstufen hier. Das waren mal Bausätze von UB-Audio (Ulrich Böhmke), ich hatte sie aber fertig aufgebaut einem Bastler abgekauft. In der Anleitung zu diesen Endstufen steht, dass der TDA7293 nicht kurzschlussfest ist und dass die LS-Impedanz auch nicht unter 4 Ohm liegen darf, und das ist ja quasi der große Bruder des TDA7294. Also darf man vermutlich davon ausgehen, dass das für den TDA7294 ebenfalls gilt.

Der diyaudio-Thread ist ganz interessant. Da schreibt jemand, dass er die ICs bei Linn-Verstärkern ständig austauschen musste:

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Und auch diese Antwort finde ich ganz interessant:

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Demnach darf die Versorgungsspannung an der Treiberstufe der ICs (Pin

7 und 8) nie höher sein als an der Ausgangsstufe (Pin 13 und 15). Da frage ich mich schon, was das soll. Warum hat man die Versorgung der Treiberstufe dann separat nach außen geführt? Klar, das hat Vorteile, weil man sie dann separat abblocken kann, aber wehe, man hat an den Pins zu große Elkos, oder die Elkos der Endstufe entladen sich wegen Musikimpulsen zu schnell, hat man ruck-zuck die Situation, dass die Spannung an der Treiberstufe zu hoch werden kann. Das ist doch Murks.

Andererseit schreibt jemand in:

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dass es im Datenblatt auch einen high-efficiency-mode gibt, bei dem die Treiberstufe auf +/- 40 V liegt und die Endstufe auf +/- 20 V, mit der Möglichkeit, die Spannung der Endstufe anzuheben. Also scheint es wohl doch zu gehen. Undurchsichtig... Habe mir allerdings das Datenblatt dazu nicht angeschaut.

Wenn ich mir die verschmorte Schwingspule so anschaue:

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frage ich mich, ob es nicht vielleicht umgekehrt war, dass also das defekte IC das LS-Chassis gegrillt hat. Sieht für mich so aus. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Schwingspule im normalen Betrieb so viel Energie bekommen kann, dass sie dermaßen verschmort.

Ja, aber es ist halt unklar. Daher mein Vorschlag, zu messen.

Was hat der Elko denn? Einen Kurzschluss?

Es könnte auch einfach sein, dass der Elko von Anfang an einen Schlag weg hatte und irgendwann versagt hat.

Martin

Ich würde das leicht anders formulieren:

Standardfehler bei Produktentwicklern ist, keine Vorkehrungen zum Selbstschutz gegen wahrscheinliche Fehlbedienungen einzubauen.

In dem Zusammenhang besonders beliebt: Sofortiger magischer Rauch bei verpoltem Anschluss einer DC-Stromversorgung.

---<)kaimartin(>---

Das habe ich schon als Schüler nicht verstanden, warum man bei der Spannungseingang eines Autoradios eine dicke Diode in Sperrrichtung über Plus und Minus legt, aber keine Schotkydiode in reihe mit dem Pluspol. wer ohne Sicherung mit 12 Volt im Auto ins Radio in falscher Polarität geht, produziert Rauch.

"Andreas Bockelmann" schrieb:

Weil die die ganze Leistung aushalten muß die das Autoradio zeiht.

Wenn da zwei Leitungen sind für (+) und (-) dann sollte man da eher die Diode in Reihe zum (-)-Pol legen. Habe ich früher oft bei CB-Funk-Geräten gemacht. Da überbrückt die Antenne die Diode, vorausgesetzt sie ist richtig mit der KFZ-Masse verbunden, und bei falscher Polung passiert nichts.

Frank

Bei so geringen Spannungen und großen Ströme will man keine vermeidbaren Verluste. Geräte mit der Schutzdiode haben in aller Regel eine eigene Eingangssicherung. Ärgerlich, wenn Ersatz nicht greifbar ist.

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