HF-Ferritkerne entmagnetisieren (2025 Update)

Sep 30, 2024 Last reply: 1 year ago 18 Replies

Hallo allerseits,


kann man "versehentlich" magnetisierte Ferritkerne aus Antennenkreisen so entmagnetisieren, daß sie hinterher wieder ihre ursprüngliche Funktion haben? Entweder durch Erhitzen auf Werte oberhalb der (unbekannten) Curietemperatur oder durch ein abklingendes Wechselstromfeld, ähnlich der Entmagnetisierspulen in den alten Fernsehern?



Die betreffenden Kerne sind in Funkmeldeempfängern als VHF-Antennen eingesetzt und verursachen bei starker Magnetisierung Empfindlichkeitsverluste von 6-8dB. Neuteile kosten 18€ brutto Listenpreis, von daher meine Frage.



Im www findet man viele Meinungen und Ideen und wie es immer so ist, die einen sagen so, die anderen sagen so. Ich habe auch schon mal vernommen, daß man solche Kerne zwar entmagnetisieren kann, sie dabei aber auch ihre HF-Eigenschaften verlieren.



MfG



Frank


Wenn Du Meßwerte und neue Vergleichsmagnete hast, warum probierst Du es mit dem Entmagnetisieren nicht einfach aus?

Ähnliches Thema: Die üblichen Diebstahltags werden angeblich an der Kasse aufmagnetisiert und unempfindlich. Alle meine Versuche, sie zu entmagnetisieren und Ausgangssperren auszulösen waren erfolglos. Ich habe allerdings nur einen einzigen billigen Entmagnetisierer, vieleicht liegts daran.

Eben. Du hast die Möglichkeit zu eigenen Versuchen.

Am 30.09.24 um 14:53 schrieb Frank Scheffski:

Hallo,

Ferritkerne in Spulen ändern durch Magnetisierung die Induktivität. Möglicherweise kann ein Neuabgleich ebenfalls Abhilfe schaffen.

Ich hatte ein zusätzliches Magnetfeld schon öfters mal zum Abgleich von Filtern mit Induktivitäten eingesetzt.

Früher wurde das ab und an auch in Empfängern eingesetzt.

Ich hatte mal eine Entmagnetisierungsdrossel für Tonköpfe. Vielleicht kann sowas auch verwenden, je nach Grösse der Ferritkerne.

Bernd Mayer

Bernd Mayer schrieb am Mon, 30 Sep 2024 16:30:13 +0200:

Gute Geräte lösen in der Testumgebung bei <0,4µV EMF aus, die mit den magnetisierten Kernen teilweise erst bei 1,8µV, trotz frischem Abgleich.

10x6x32mm, da muß ich vermutlich was bauen.

MfG

Frank

Axel Berger schrieb am Mon, 30 Sep 2024 16:18:43 +0200:

Weil ich weder einen Ofen für >450°C noch eine passende Entmagnetisierdrossel habe. Beides müßte ich entweder bauen oder kaufen. Und um das Ergebnis zu testen muß ich knapp 3 Wochen warten und 50km fahren.

Prinzipiell richtig, aber bevor man das Rad neu erfindet, kann man sich auch mal umhorchen. Hierzugrupp z.B.

MfG

Frank

In der Keramik wird wohl irgendwas von Ferro nach Perma gekippt sein. Selbst wenn man es entmagnetisiert, kommt das ganz schnell wieder. So stelle ich mir das jedenfalls vor.

MfG hjs

Kannst Du kurz einen Gastronomie-Ofen benutzen? Oder einen holzbefeuerten Pizzaofen von Bekannten vielleicht?

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Ernsthafte Pizzabaecker haben sowas. Auch fuer eine wirklich kernige Kruste am Brot braucht man sowas. Ich nehme dazu den Weber Kugelgrill.

Eine Entmagnetisierdrossel ist einfach ein offener Stab aus laminiertem Trafoblech mit Spule drauf. Das erzeugt ein Wechselfeld, man geht nah an den zu behandelnden Ferrit und dann ganz langsam von ihm weg. Deshalb betreibe ich meine immer mit Verlaengerungsschur. Oft finden sich Drosseln mit offenem laminiertem Eisenkern in der Bastelkiste. Die kann man von der Sekundaerwicklung eines Trafos mit niedriger Wechselspannung beschicken.

So isset :-)

Am 30.09.24 um 17:20 schrieb Frank Scheffski:

Hallo,

meine sah dieser hier recht ähnlich die man bei Amazon über die Suche

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26,90 € finden kann.

Vermutlich kann man stattdessen auch eine Relaisspule passender Größe mit Kern aus Eisen oder Ferrit verwenden.

Die kann man dann auch mit anderen Frequenzen als 50 Hz ansteuern.

Bernd Mayer

Joerg schrieb am Mon, 30 Sep 2024 11:39:07 -0700:

Ich habe es mit der HotAir bei 360°C versucht, da war der Effekt im Bereich der Nachweisgrenze.

Dann bin ich auf den Balkon und habe den schlimmsten Kandidaten mit einem Gasbrennerchen zur Rotglut gebracht. Den habe ich dann gut abkühlen lassen, wie ich dachte und er ist beim Anfassen kurz am Finger kleben geblieben. Den Fingerabdrucksensor am Handy kann ich jetzt eine Weile nicht benutzen, aber Dummheit soll ja auch weh tun. Der Kern ist dabei leider runtergefallen und zerbrochen, aber das längere Stück davon zeigt keine Spuren von Restmagnetismus mehr. Dort wo die Teile herkommen, gibt es auch Zugang zu einer Keramikwerkstatt mit Brennofen.

Das haben wir alle vermißt, Jörg ;-) Jetzt noch schnell einen Tip, wie man mit Galden im Kugelgrill am effektivsten lötet und hierzugrupp macht sich ein erleichtertes und zufriedenes Lächeln breit :-)))

Sowas kann ich ja unabhängig von allem mal zurechtbasteln. Seit einiger Zeit bin ich stolzer Besitzer eines wuchtigen Trennstelltrafos, da kann man in der Beziehung auch so einiges anstellen, ohne sich oder $Gerät zu blitzdingsen.

Schön, mal wieder von Dir zu hören!

MfG

Frank

OK, so eine einfache Drossel hätte ich tief in den Schubladen der hier Lesenden vorausgesetzt.

-- /¯\ No | Dipl.-Ing. F. Axel Berger Tel: +49/ 221/ 7771 8067 \ / HTML | Roald-Amundsen-Straße 2a Fax: +49/ 221/ 7771 8069  X in | D-50829 Köln-Ossendorf

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Am 30.09.24 um 21:30 schrieb Bernd Mayer:

Nachtrag:

ein starker Magnet, etwa aus einer alten Festplatte, mit Heißkleber auf ein alten Bohrer kleben. Danach mit einem Akkubohrschrauber damit drehend langsam und gleichmäßig den Magnet an den Ferritkern annähern und wieder entfernen.

Bernd Mayer

Am 30.09.24 um 21:37 schrieb Frank Scheffski:

+1 !

aber das mit Galden und Kugelgrill ist eine extra schlechte Idee. Wenn man Galden in der Gasphase noch weiter erhitzt, dann zerfällt es ratzfatz in ziemlich üble Komponenten, da ist man am besten weit weg.

Die beste Versicherung dagegen ist darauf zu achten, dass unten über der Heizung noch flüssiges Galden ist. Die Dampfwolke hat dann nicht nennenswert mehr als 230°C, aber eine riesige Wärmekapazität die die Lötstellen auf die gewünschte Temperatur zwingt.

Gerhard,

der gerade ein völlig over-engineertes Vega450 Schalt-PS auf dem Tisch liegen hat, aus meinem kranken R&S ZVB8. Mit Platinen aus 2mm Alu mit den Leistungs-FETs und Gleichrichtern; das allererste Mal, dass das Löten mit Metcal MX5200 nicht gscheit funktioniert. Dabei habe ich gesehen, dass jemand mit der 0.2mm SMD-Lötspitze einen Cent auf eine kaschierte Platine gelötet hat. Es ist wohl an der Zeit, die Imdes mit dem Galden-230 tatsächlich in Betrieb zu nehmen..

Am Mon, 30 Sep 2024 23:46:29 +0200 schrieb Gerhard Hoffmann:

ich musste daran denken, dass in meiner Jugendzeit das Emaillieren von allerlei Kinkerlitzchen modern war. Wo sind wohl diese ganzen kleinen elektrischen Emailleöfen geblieben? aq

Iche schrieb am Mon, 30 Sep 2024 14:53:49 +0200:

So, hier mal ein Update zu diesem Problem und der vermeintlichen Lösung:

Ja, durch Erhitzen auf >450°C verlieren die magnetisierten Kerne ihre Magnetisierung wieder.

Ja, durch Erhitzen auf >450°C verlieren die magnetisierten Kerne ihre HF-Eigenschaften komplett.

Die betreffenden Funkempfänger beinhalten einen Doppelsuperhet- Empfänger und es gibt einen Meßausgang auf der 2. ZF, der mit 3 Trimmkondensatoren auf Maximum abzugleichen ist (~50-60mV @ 455kHz).

Der Antennenkreis ist bei einem guten Kern einfach abzugleichen, da es eine Art Resonanzpunkt gibt, bei dem das Signal sprungartig auf Maximum geht und sobald man den Trimmer ein bißchen verdreht, auch deutlich wieder abfällt. Die "Dynamik" des Signals über eine komplette Drehung des Trimmers liegt etwa bei 1:6.

Mit einem magnetisierten Ferritkern ist das Signalmaximum spürbar kleiner (~35-40mV), zum Teil auch nur ein Drittel, aber dieser Resonanzpunkt ist nach wie vor vorhanden. Der Mindestpegel für eine sicher Auswertung des HF-Eingangssignals liegt dann etwa 6-8dB über dem eines guten Geräts.

Mit einem geglühten Kern liegt der Meßpegel nur noch bei etwa 18% (~10mV) und es gibt keinerlei Resonanzpunkt. Auf Änderungen am Trimmer reagiert das Signal quasi garnicht mehr. Der Messpegel bleibt konstant niedrig. Tauscht man im Testaufbau den Ferritkerkern gegen einen guten aus, schwuppt das Signal sofort auf Maximum (~60mV).

Von daher ist die Frage für mich dahingehend beantwortet, daß man Ferritkerne durch Ausglühen maximal kaputt macht. Der Restmagnetismus der geglühten Kerne liegt übrigens (das kann ich mit dem Magnetsensor in meinem Handy schön messen) im Bereich guter Kerne, also etwa 40µT. Magnetisierte Kerne haben bis zu 400 µT und jetzt habe ich in einem Gerät sogar "The Beast" entdeckt, mit stolzen 1,6mT. Das könnte ein Rettungsdienst-Gerät gewesen sein und man war zu lange im CT/MRT damit.

Ich werde jetzt mal Ausschau nach einem passenden Kern halten und es dann nochmal mit einem passenden Drossel-Selbstbau versuchen, ansonsten bleibt nur noch der Neukauf der Kerne.

MfG

Frank

Axel Berger schrieb am Mon, 30 Sep 2024 16:18:43 +0200:

Das hatte ich seinerzeit wohl überlesen. Meines Wissens wird der Schwingkreis, der in dem Aufkleber steckt durch gezielte Überlastung "durchgebrannt". Da ist nichts magnetisch. Nur eine Spule mit einer "Sicherung" in Reihe.

Die beigen Plastikufos an den Klamotten werden magnetisch entriegelt, damit hinten der "Pin" rausfällt, der durch den Stoff gesteckt wird, aber diese Teile meintest Du ja nicht.

Versuch mal, den Durchgang in dem Schwingkreis wiederherzustellen, dann sollten die Tags auch wieder auslösen.

MfG

Frank

Es gab zumindest früher beides:

- Schwingkreis, der an der Kasse durchgebrannt wird

- Tags, die einfach aus 2 Schichten Metall bestehen: eines mit einer deutlichen Hysteresekurve, die mit einem starken Feld im kHz-Bereich durch die erzeugten Oberwellen detektiert wird. Parallel ein magnetisch hartes Material, das an der Kasse magnetisiert wird und dadurch das Tag deaktiviert. Das Verhalten läßt sich mit einer ausreichend großen Spule, in die man das Tag schiebt, Signalgenerator und Oszilloskop betrachten.

Es gab Systeme mit *2* Schwingkreisen und einer Diode dazwischen - die haben auf einer anderen Frequenz gesendet, als der, auf der sie angeregt wurden. Da wurde teilweise mit 2 Kontakten die Diode durchgebrannt.

OK,

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kennt noch mehr Varianten.

cu Michael

Das würde erklären, warum keine meiner versuchten Entmagnetisierungen die geringste Wirkung zeigte.

Nach

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es auch noch die akustomagnetischen Varianten - die können in entmagnetisiertem Zustand unscharf un magnetisiert scharf sein.

cu Michael

Hallo zusammen,

In erster Line zeigt das eindrucksvoll, dass es sehr viele sehr unterschiedliche Systeme gibt. Eine Aussage, dass es so funktioniere, trifft also höchstens auf eine nicht näher spezifizierte Technik zu.

Marte

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