Frage zu Röhrenfernsehern aus DDR-Produktion

Sep 02, 2025 Last reply: 10 months ago 12 Replies

Hallo liebe Zielgruppe,



der Zufall spielte mir gerade in Youtube-Video über frühe DDR-Fernseher auf Youtube vor. Was mit bei den vorgestellten Geräten auffiel: Durch die Reihe waren neben der Bildröhre und evtl. eine DY-Gleichrichterröhre nur E-Röhren verbaut. Ich kannte aus Fernsehgeräten bisher nahezu nur P-Röhren (Serienheizung).



Warum ging man in der DDR einen anderen Weg?



XPost war beabsichtigt, ich weiß nicht in welcher Gruppe meine Frage besser aufgehoben ist.



formatting link

Am 02.09.2025 um 19:05 schrieb Andreas Bockelmann:

Für die E-Röhren braucht man eine u.U. stromstarke, teure Trafowicklung (Trafoleistung). Nachteil der P-Röhren ist der heizende Vorwiderstand.

Andreas Bockelmann schrieb:

Spätere Röhren-Geräte haben ja P-Röhren.

Wenn ich das richtig sehe, sind das frühe Geräte. Möglicherweise waren noch keine oder nicht alle P-Röhren aus eigener Produktion verfügbar. Da ich Geräte verschiedener Hersteller (gab ja anfangs mehr als 2 Hersteller für Fernseher) mit E-Röhre finde, ist eine Abhängigkeit von der Verfügbarket der Röhren wahrscheinlich. Es gab wimre auch Geräte mit Mischbestückung und dann mehreren Heizkreisen.

Ich weiß zumindestens aus dem Bereich (Koffer-)Radios, daß nach der Produktionsaufnahme neuer Röhren(serien) Geräte entsprechens abgeändert wurden, aber das waren die D-Röhren.

Guido

Guido Grohmann schrieb:

Das mit den D-Röhren im Kofferradio war ja üblich. Direktheizung aus der Monozelle. Autoradios hatten wiederum E-Röhren (daher auch die 6,3 Volt Heizspannung)

Dass die DDR erst spät P-Röhren aus Eigenfertigung hatte, wäre eine Erklärung.

Wenn man dann noch ans Militär denkt, sind E-Röhren auch einfacher aus Fahrzeugbatterien zu versorgen

Andreas Bockelmann schrieb:

Ich habe mal ChatGPT dazu befragt. Die Antwort ist sehr einleuchtend:

------------------------------------------------- Dann fasse ich es noch einmal „auf den Punkt“ zusammen – die Wahl E- oder P-Röhre war weniger eine Frage der Technik als der Wirtschaft und Politik:

DDR (E-Röhren)

Produktionslinien und Röhrentypen waren schon auf E-Serie ausgerichtet (Kontinuität aus der Vorkriegs- und frühen Nachkriegsproduktion).

Man setzte auf Sicherheit durch Netztrennung → galvanischer Trafo war Pflicht.

Geräte sollten langlebig und reparaturfreundlich sein; Kosten- und Gewichtsdruck spielten weniger eine Rolle als Versorgungssicherheit und Standardisierung.

BRD/Westen (P-Röhren)

Starker Konkurrenzdruck auf dem Markt → jedes Gramm Kupfer (Netztrafo!) und jede Mark zählte.

Deshalb bevorzugte man Allströmer (Serienheizung, kein Trafo).

Sicherheitsprobleme wurden durch Gehäuseisolierung und Normen „abgefangen“.

Für die Masse war das entscheidend: billigere Fernseher = höhere Verbreitung.

Im Grunde ist das ein schönes Beispiel dafür, wie Planwirtschaft und Marktwirtschaft unterschiedliche technische Kompromisse hervorgebracht haben – technisch möglich war beides, aber die Rahmenbedingungen entschieden.

👉 Fun Fact am Rande: In der DDR gab es tatsächlich auch ein paar wenige Seriengeräte mit P-Röhren, meist in Lizenz- oder Exportgeräten – aber das blieb die Ausnahme.

-------------------------------------------------

Also, mir sind 100 mal so viele Fernseher mit P-Röhen oder Mischbestückung in die Hände geraten, als welche mit Netztrafo.

MfG hjs

----------------------- Nachtrag: Wenn eine Röhre 6,3V und 0,3A für die Heizung braucht, dann heißt die automatisch 'E--'.

-----------------------

Wobei die 0,3A nicht zwingend für E ist. Die EL519 (Zeielnendstufe) hat 6,3 Volt und 2A

Die PL519 ist mit 300mA und 40 Volt angegeben.

Nein, die 6,3 V ist bei E und die 0,3 A ist bei P. Und wenn einee Röhre beides hat, dann heißt die eben E. Eine PF80 gibt es nicht.

Und eine VCL11 mit 90 V und 200 €. ))

MfG hjs

Andreas Bockelmann schrieb:

Wenn ich mir die Schaltplänbe so ansehe, halte ich das für ein Gerücht. Man kann gut erkennen, daß die frühen Geräte E-Röhren hatten, dann kamen welche mit E und P-Röhren und in den 70er Jahren waren nur noch P-Röhren in den Fernsehern, auch in den teiltransistorierten.

Guido

Andreas Bockelmann schrieb:

Man ging den gleichen Weg wie der Rest der Welt.

Die DYnn wurde zur Gewinnung der Hochspannung der Bildröhre verwendet. Bei Schwarzweiss etwa 16 kV und bei Farbe (AKA bunt) 25 kV. Und diese Spannungen waren dann ja auf der Kathode der Gleichrichter- röhre. Damit musste die Heizspannung extrem gut getrennt werden. Einfachheitshalber daher 1-2 Windungen dick isolierter Draht direkt um den Zeilentrafo. Höhere Heizspannung hätten viel mehr Windungen benötigt; D-Röhren brauchten nur 1.25 oder 1.4 Veff. Die waren auch direkt oder halbindirekt geheizt.

E-Röhren für den Rest kann ich mir nicht erklären. Allerdings... viele Allerweltsröhren wie ECCnn, ECHnn, ECL80 (die war speziell für Fernsehen, kurz Fe hier genannt), EF80/85, speziell auch EF183/184(Fe), EH81, EH90(Fe) und eventuell noch viel mehr waren 6.3 V 300 mA und damit automatisch auch P-Röhren. Und die meisten Bildröhren auch.

Schau eher mal nach Video-, Zeilen- und Bildablenkungsendröhren und vorallem Boosterdiode. Waren die nicht P-Röhren, mit zum Teil sehr hoher Heizspannung (Strahlungsheizung der Boosterdiode PYnn(n))?

Leo Baumann schrieb:

Soviel Restspannung blieb im TV nicht übrig. Manchmal so wenig, dass man zusätzliche Vorkehrungen für den Kaltstart treffen musste.

Die königliche Glühlampenfabrik hat es ja mal mit ihren völlig übertechnisierten Geräten geschafft, so viele VALVOs einzubauen, dass ein zweiter Heizkreis nötig wurde. Eisenfreie NF-Endstufe und viele Automatiken usw.

Rolf Bombach schrieb:

Ja, das erklärt einiges.

Join the Discussion

Have something to add? Share your thoughts — no account required.

Didn't find your answer?

Ask the community — no account required