Eine kurze Frage in die Runde: Welche typischen Eigenschaften haben denn Selengleichrichter im Vergleich zu z.B. Siliziumgleichrichtern? (Außer, daß sie stinken wie die Pest, wenn sie durchbrennen. ;-) ) Soweit ist weiß, haben die Selendioden ein deutlich größeren Rückwärts-Leckstrom als Si-Dioden. Und sonst? Wie sieht's mit typischen Strom- und Spanungsfestigkeiten aus? Und z.B. bei kurzzeitiger Überlast? Wie hoch ist normalerweise der Spannungsfall in Vorwärtsrichtung?
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J
Jan Kandziora
Sebastian Suchanek schrieb:
Die Selengleichrichter, die ich noch hier habe (1970er Trix Modellbahnnetzteil), bestehen aus jeweils einer Metallplatte, auf der aufgewachsene Kristalle zu sehen sind - ich vermute mal, dass ist das Selen
- sowie einer zweiten Metallplatte, die daraufgepresst ist.
Ich vermute also, dass diese Gleichrichter ähnliche Eigenschaften wie Spitzen-/Schottkydioden besitzen. Und nachmessen der alten Teile hilft auch nicht: Ich meine mich erinnern zu können, dass Selengleichrichter stark altern - deswegen brennen sie auch irgendwann durch.
Früher gab es auch mal Selen-Solarzellen, auch da war die Alterung das große Problem.
Wikipedia meint unter
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"Später wurden die ersten Halbleitergleichrichter in Form von Selen-Plattengleichrichtern erfunden. - Eine Selenplatte hat gewöhnlich eine Sperrspannung von 17 V und einen relativ hohen Flusswiderstand."
Jan
R
Rainer Knaepper
Moin Sebastian,
ja
Pro Zelle 15-25V Sperrspannung. Höhere Spannungen per Kaskadierung. Strombereiche von einigen mA bis einigen zehn A. Jedenfalls war der dickste Se-Gleichrichter, den ich so in Händen hatte, mit 25A Dauerstrom und 30A Spitzenstrom angegeben. Ein Riesentrumm. Brauchte man mehr, wurden die auch schon mal auf gemeinsamen Kühlblechen schlicht parallel geschaltet. Durch die flache Kennlinie hat sich der Strom anscheinend ausreichend gut verteilt.
Problemlos. In einfachen Ladeschaltungen (Autoakku-Lader) wurde der hohe Innenwiderstand der Gleichrichter in Verbindung mit einem weichen Trafo als alleinige Strombegrenzung eingesetzt. Bei Kurzschluß oder einem defekten Akku reichte ein träger Bimetall-Überstromauslöser, um die ganze Mimik zu schützen.
mh, das weiß ich nicht mehr genau, aber ich meine, es wären bei Nennstrom um die 2 V.
Rainer
Bill G. und Steve B. traue ich ganz persönlich nicht so weit, wie
ich die beiden werfen kann (Benedict Mangelsdorff in ger.ct)
R
Robert Rudolf
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hat Kennlinien und eine Aufbauskizze...
HTH,
Robert
O
Olaf Kaluza
Unsere Firmenchemiker erzaehlte mir mal das die ziemlich giftig/ungesund sein sollen wenn man das riecht.
Ich glaub die Teile sind in wirklich jeder beziehung schlechter als eine Siliziumdiode weshalb sie wohl auch sehr schnell ausgestorben sind.
Olaf
A
Alfred Gemsa
Sebastian Suchanek schrieb:
Selen-"Gleich-Riecht-Er"
Gruß Alfred
S
Sebastian Suchanek
Rainer Knaepper spoke thusly:
Interessant, daß Du das ansprichst. Ich habe die Frage ursprünglich gestellt um Fakten zu sammeln um einem Bekannten eine Idee auszureden, die mir unsinnig erschien: Er möchte sich mit dem Trafo eines alten Schweißgerätes und Selengleichrichtern ein Ladegerät für Autobatterien bauen. Mein erster Gedanke dabei war "das wird nix" - aber wenn das früher[tm] tatsächlich so ähnlich gehandhabt wurde, scheinen die Erfolgschancen wohl doch nicht so schlecht zu stehen?
Meine Überlegungen zielten auch darauf ab, daß ein Schweißtrafo ja AFAIK hohe Streuimpedanzen hat und somit eine ziemliche "weiche" Spannungsquelle ist, was sich IMHO mit der Forderung nach Konstanntspannungsladung von Blei-Akkus beißt.
BTW: Die Gleichrichter, die er hat, tragen folgende Typenbezeichnungen (ohne Gewähr): "PT 6a 22/9 B225/180-1,2", "½ DB 200/240-11" un "Ea 16 a - 0062". Vielleicht kann ja jemand von Euch 'was damit anfangen. Zum Schweißtrafo hab' ich leider keine Daten.
Tschüs,
Sebastian
PS: Das Argument, daß man ein neues Ladegerät für 15,- EUR im nächsten Baumarkt erstehen kann, habe ich bereits vorgetragen. :-)
Frueher? Kauf doch mal ein billiges Ladegeraet und schau rein. Wuerde mich nicht wundern, wenn da immer noch genau diese Schaltung drin waere.
Gerrit
M
MaWin
"Sebastian Suchanek" schrieb im Newsbeitrag news: snipped-for-privacy@suchanek.de...
Die Idee IST heutzutage unsinnig, aber es gibt noch viele Bleiakkulader die so gebaut sind: Strombegrenzender Trafo, Gleichrichter, das war's. Allerdings Siliziumgleichrichter statt Selengleichrichter. Man MUSS bei so einer Schaltung den Akku abklemmen, wenn er voll wird, also 14.4V erreicht. Wenn man das vergisst, gast der Akku und verliert an Kapazitaet. Heute gibt es gegen das Vergessen kluge Elektronik, die die Spannung bei Erreichen von 14.4V auf 13.8 herunterschaltet und den Strom auf was vertraegliches, z.B. 60A, begrenzt, als Schaltnetzteil klein und leicht und nicht ganz so billig (aber es lohnt sich).
Manfred Winterhoff, reply-to invalid, use mawin at despammed.com
homepage: http://www.geocities.com/mwinterhoff/
de.sci.electronics FAQ: http://dse-faq.elektronik-kompendium.de/
Read 'Art of Electronics' Horowitz/Hill before you ask.
Lese 'Hohe Schule der Elektronik 1+2' bevor du fragst.
R
Rainer Knaepper
Moin moin,
snipped-for-privacy@gmx.de (Sebastian Suchanek) meinte am 25.12.04
Bei allen anderen Anwendungen sind die Dinger afaik seit Jahrzehnten ausgestorben.
Imho rausgeschmissenes Hirnschmalz. Es sei denn, das Ding soll quasi als Starthilfegerät dienen. Aber dann brauchts /wirklich/ dicke Gleichrichter.
das /könnte/ einer für 180V/1.2A sein. Für den Zweck ungeeignet.
wohl auch einer für höhere Spannungen und kleine Ströme
sagt mir nix.
Anhaltspunkt: Selengleichrichter für etwas dickere Ströme haben Kühlbleche im Bierdeckelformat oder größer.
Rainer
Man muss die Tatsachen kennen, wenn man sie verdrehen will.
(Flups Baumann)
R
Rolf Bombach
Bei typischen Spannungen kannst du schon so mit 1:100 Rückwärtsstrom rechnen. Das ist gigantisch viel mehr als bei Si, wobei die dicken Dioden in den Alternatoren bei hohen Temperaturen natürlich auch Milliampere an Sperrstrom haben
Nachteil ist die geringe Spannungsfestigkeit von ca. 20V pro Zelle und die sehr geringe Strombelastbarkeit von 0.1-0.2n A/cm. Ein ordentlicher Ladegleichrichter hat dann 4 Platten in Postkartengrösse. Wegen der grossen Masse haben die Se-Gleichrichter eine ziemliche thermische Trägheit, vertragen aber keine sehr hohen Temperaturen wie bei Si üblich. Wurden früher auch als Gleichrichter im Anodenkreis von Fernsehern verwendet, direkte Gleichrichtung der Netzspannung! Und irgend eine Art von Überlastfestigkeit müssen sie haben im Vergleich zu Si oder Ge; obwohl man wort- wörtlich hunderttausende von Se-Zellen brauchte, wurden die in Cockroft-Walton Vervielfachern in Teilchenbeschleunigern verwendet. Auf der von Robert zitierten Seite fehlen leider Abbildungen von "modernen" Se-Gleichrichtern. Die Polarität bei den Beispielschaltungen gibt mir irgenwie auch zu denken ;-]. Hab daher kurzerhand mal meine Sammlung fotografiert:
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Kommentare willkommen.
mfg Rolf Bombach
S
Sebastian Suchanek
Rainer Knaepper spoke thusly:
Könnte das evtl. "240V, 11A" heißen? Denn...
...auf einem mir vorliegenden Foto sieht das Teil "dicker" aus als die anderen beiden. Grob geschätzt ungefär so wie das Teil ganz links auf dem Foto in Roberts Link, nur deutlich länger. Allerdings reichen wohl auch 11A kaum für eine Startunterstützung. :-)
Das erinnert mich an die langjährig von Conrad verbreitete Beispielschaltung eines Brückengleichrichters: Vier Dioden im Kreis geschaltet ;-)
Rund Selengleichrichter gab es auch für kommerzielle Anwendungen in rundem Alu-(natur)gehäuse , gesockelt. Z.B. in Telefunken E148/149, PE476 Bootankern.
Gruss, Georg
R
Rolf Bombach
Neenee. Das sind keine speziellen Kühlbleche, das sind die Gleichrichterdioden selber. Mit 0.1 A/cm^2 wird's halt gross... Handkehrum brauchen die Selengleichrichter in dieser Form keine extra Kühlbleche ;-]
mfg Rolf Bombach
R
Rainer Knaepper
Moin moin,
snipped-for-privacy@bluewin.ch (Rolf Bombach) meinte am 27.12.04
afair werden die vollflächig kontaktiert.
Rainer
Wir sind ein Volk von Verwaltern geworden, nicht nur im öffentlichen
Bereich, auch in privatwirtschaftlich organisierten Unternehmen. Und den
Verwaltern ging es schon immer besser als denen, die verwaltet wurden.
(Holger Marzen in ger.ct)
S
Stefan Heimers
Das sollte wohl den Umsatz mit den Dioden ankurbeln ;-)
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